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Die Welt · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Article
Lazarus' Ethik des Judenthums
Date
1898-10-28
Page
9 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 Seite 9 eine so gewaltige Culturarbeit vollbringen konnte, welche unwillkürlich zum Vergleiche mit der Kant'schen Philosophie herausfordert, steht beispielslos in der Weltgeschichte da. Der Auszug aus Aegypten nimmt daher mit Recht in der Gedankenwelt der geistigen Heroen Israels eine hervorragende Stelle ein. Alle Feste, Gebote und Sittenlehren werden mit der Erinnerung an denselben verflochten und verknüpft. Alles, was schön und edel ist, gilt als Secher liziass Mizroim. Damit wird zugleich ein hohes Vorbild gegeben, wie die Schicksale der Völker ihre Lehrmeister werden sollen. Leider sind sie es sehr selten. W I. Delegrerlencarrferenr des noniktrschen Parleikrrises in Stanislau. Einem richtigen Beobachter der zionistischen Bewegung und der bisherigen Organisation in Galizien musste sogleich die etwaige Unmöglichkeit auffallen, von der einzigen Landescentrale in Lemberg das Regiment so zu führen, damit es sämmtlichen schwierigen Interessen des großen Organisationscomplexes, wie auch den particulären Provinzverhältnissen vollkommen entsprechen könnte. So hat es sich auch gar bald erwiesen, dass die directe, centralistische .Landesorganisation, schon wegen der natürlichen Ausdehnung des Landes und der großen Anzahl von Vereinen, eine unpractische, schwere Maschine rst. Die im Juni d. I. in Stanislau abgehaltene Landesconferenz beschäftigte sich viel mit diesem Uebel der Organisationsfrage, und es wurde der Beschluss gefasst, Galizien in autonome Parteikreise einzutheilen. Von einer Anzahl von kleineren Provinzstädten wären also Kreisorganisationen zu bilden mit dem Sitze in den größeren Provinzcentren des zionistischen Lebens. Die richtige Theorie, dass jedes lebensfähige System sich immer von unten hinaus entwickeln muss, hatte auch den einzig practischen Wert, dass eine geregelte, organische und intensive Arbeit sich entspinnen möchte, und dadurch könnte aucy die Thätigkeit in einzelnen Ortschaften bester überwacht werden. Die Kreisorganisationen sollen zur Landescentrale in demselben Verhältnis stehen, wie die letztere zum Wiener Actionscomitö. Die erste Probe, diese neue Organisation ins Leben zu rufen, wurde eben jetzt in Stanislau gemacht. Dem entsprechend hat das Vorbereitungscomit6 unter dem Vorsitz des R.-A. Doctor Rubin Jonas auf den 5. d. M. die l. Delegierten-Kreisconserenz nach Stanislau einberusen. Es erschienen über 20 Delegierte, welche 10 Vereine aus der Umgebung von Stanislau mit circa 1500 Mitgliedern repräsentierten. Das Lemberger Landescomite vertraten die Herren Dr. M. Brande und Dr. Heinr. Gabel. In herzlichen Worten hieß der Alterspräsident Herr Kramp er die Versammlung willkommen! Nach der vorgenommen Wahl des Bureaus (Dr. R. Jonas. Präsident; Del. Reiß, Vicepräsident; Del. M. Frühling und I. Wurzel, Schriftführer) erstatteten einzelne Delegierte Berichte über den Zustand der von ihnen vertretenen Vereine. Interessant war der ausführliche Bericht des Del. Isidor L a n d y über den Verein ..Erez Israel“ in Stanislau. Der Verein kann für einen der thärigsten in Galizien gelten. Manche Berichterstatter schilderten in grellen Farben die Verhältnisse in unseren Kleinstädtchen und die Apathie der Intelligenz. Es muss überhaupt eine bessere Agitation geführt werden. Sodann referiert Dr. R. Jonas über das Programm der Kreisorganisation. Man könne nur das Baseler Zionistenprogramm annehmen. Die Kreisorganisation wird für ihren Sprengel sämmtliche Agenden der zionistischen Thätigkeit führen. Der Redner kennzeichnet auch die große Bedeutung der beiden Eonareffe und unterwirft die kleinen Provinzvereine und das Landescomitü einer scharfen Kritik. Dr. Gabel spricht über die galizische Organisation und speziell über die Kreiseintheilung. Erfordert aus, mehr für die Volksaufklärung zu arbeiten. Dr. B r a u d e entwickelt die principielle Stellung Galiziens Die Ä-chekelorganisatioir ist die allgemeine Basis, doch muss absolut ein Theil der Schekelgeldereinnahme für den Landesfond bleiben. Die Landsmannschaften unterliegen der Wiener Weltcentrale, doch muss ihnen mehr Autonomie verliehen werden. Die Anschauungsdifferenzen der „politischen" und „praktischen" Zionisten hat der II. Congress ausgeglichen. Das Regulativ des Kreisverbandes wurde nach einerlängeren Discussion angenommen. Die ordentlichen Einnahmen des Kreiscomites werden von den genössischen Vereinen auf diese Weise gebildet, dass jeder Verein monatlich per Mitglied 3 Hellerin die Verbandskasse zahlt. 50 Percent der Beträge entfällt für das Landcscomite. In das Executivcomitö des Kreisverbandes wurden gewählt: Doctor S. Schur, Dr. R. Jonas, Dr. G. B a ch e r, Brenner, Krampe r. Schön feld und Jules Wurzel; außerdem 7 Mitglieder aus der Provinz. Darauf wurde eine vertrauliche Debatte über den U. Baseler Congress eröffnet nnd das auf Grund des Referates des Dr. Brande. An der Debatte nahmen theil die Del. S z t e n c e l, Dr. Gabel, S u ß m a n n und K r a m p e r. Dr. Gabel will, dass die Schekel mehr von Mitgliedern der Zionsvereine gezahlt werden. Folgende Resolutionen wurden von der Versammlung auf Antrag Kramp er's per Acclamation angenommen: 1. Die Versammlung erklärt sich nur mit dem Baseler Zionistenprogramm einverstanden. 2. Die Versammlung spricht ihr vollstes Vertrauensvotum sowohl dem Wiener Actionscomite als auch dessen hochverdienten Lcite -, Herrn Dr. Theodor H e r z l aus. Die Conferenz wurde erst nach Mitternacht geschlossen. Tribüne. Frankfurt a. M., 21-. Oktober 1898. Löbliche Redaction'. Indem ich Ihnen für die Einrückung meiner Erklärung in die jüngste Nummer Ihres geschätzten Blattes verbindlich danke, ersuche ich Sie gleichzeitig, einen Druckfehler, der sich in die Erklärung eingeschlichen hat, in der nächsten Nummer gefälligst berichtigen zu wollen. Aus dem Buchtitel „mTÄ" ist nämlich unter der Hand des Setzers seltsamerweise "rnsV£7,-t„ geworden. Hiebei ist die eiserne — oder vielmehr bleierne — Consequenz zu bewundern, mit der dieser Titel zweimal in gleicher Weise verstümmelt wurde. Hochachtungsvoll Ihr Moritz Zobel. Weltchrmik. Ueber die Cortgressmedaule schreibt mau an einen unserer Freunde: Es ist wohl überflüssig,. Ihnen versichern zu wollen, welch innigen Genuss mir der Anblick der Medaille gewährte, die ein Kunstwerk ersten Ranges, auch das erste ist, das die von mir oft vertretene Idee einer jüdischen Kunst verwirklicht. Jene Künstler — vorwiegend Maler — die sich ihren Stoff aus dem Gebiete des jüdischen Lebens holten, glauben mit sehrseltenen Ausnahmen, dass sic ihren Gegenstand tn dcn Flor eines ebenso falschen als wertlosen Romauticismus hüllen müsten. Dies war nun ein großer Fehler, denn das jüdische Leben wurde dadurch in ein lioli nie tangere verwandelt und mußte die falsche Vorstellung erwecken, dass es für das derbe Alltagsleben nicht tauge. Trotz ihrer Manierirtheit wird man den Werken Oppenheims, Horwitz' und Liebermann's ideale Seiten abgewinnen (das Wort manierirt bezieht sich blos auf Oppenheim), das ist aber der Fehler, dass mau sich unwillkürlich fragen muss, ob ein so zartbesaitetes Jdeallebeu den schweren Kampf unserer Zeit zu bestehen vermag, Nun hat aber das Judeuthnm eine lange, schwere Leidensschule durchgemacht, in der es abgehärtet und für deu Kampf des Lebens tauglich gemacht wurde. Unsere Kunst muss also —- wenn sie einen erziehlichen Wert besitzen soll — zeigen, dass der Jude nicht nur seufzen, sondern auch arbeiten kann, und dies beweist die kräftige Männergestalt des Reliefs. Dass wir aber auch in den schwierigsten Situationen auch unseren Idealismus uns bewahren, dafür bürgt uns die so überaus poetisch empfundene Muttergestalt, und so ist die Medaille voll und ganz dasjenige, was sie sein will, eine Verkörperung des ebenso aus idealer Begeisterung wie aus durchaus praktischen Erwägungen hervorgegangenen Zionismus. 0. Dr. Dünner, der Dberruddiner von Holland, der schon im vorigen Jahre seiner Sympathie für den Zionismus in einer Rede Ansdruck gegeben, hat sich nunmehr in einer zweiten Rede ganz auf die Seile unserer Bewegung gestellt, mit einer Wärme nnd Entschiedenheit, die allseits großes Aufsehen erregt. Die nächste Folge der bedeutsamen Euunciatiou war, dass das „N i e u w Israelitisch W e e kblad", ein Amsterdamer Organ, das noch vom zweiten Baseler Congreffe keine Notiz genommen, plötzlich deu Zionismus entdeckt hat. Der Zionismus, meldet es, hat

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