Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 38 (23.9.1898)
- Article
- Referat von Leo Mozkin über Palästina
- Date
- 1898-09-23
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 6 Jpk$wr Sir. 38 Lezion ist ebenfalls schlecht, in K a st i n i e ist die Schule erträglich, in Sichron-Jakob ist die Schule ziemlich schlecht. Die Schule in Ro sch -Pi nah ist unter aller Kritik und selbst die Schule in Jaffa hat meinen Erwartungen nicht entsprochen. Ich muss hier einige Worte über die Schule in Jaffa sagen. Diese Schule war vor Jahren die Hoffnung und der Stolz der Colonisationsvereine, der Idee nach mit Recht, den gegenwärtigen Verhältnissen nach aber mit Unrecht. Es wurden mir alle Gründe auseinandergesetzt, weshalb diese Schule den Erwartungen, die wir an sie knüpfen, tatsächlich nicht entspricht. Aber Thatsache bleibt es, dass eben im gegenwärtigen Momente diese Schule unseren Erwartungen noch nicht entspricht. Diese Schule soll ja die künftige jüdische Mittelschule bilden, und es wurden mit Recht Hoffnungen laut, dass diese Schule verbessert würde, zumal in neuester Zeit ein ausgezeichneter Lehrer zu den früheren hinzugekommen ist. Meine Damen und Herren! Ich will hier nicht den Eindruck Hervorrufen, dass ich etwa dieses Institut nicht lobe. Der Idee nach lobe ich es und wünsche, dass die Zionisten dieses Institut fördern: denn der Hauptgrund, weshalb dieses Institut nicht bessere Erfolge aufweisen kann, ist der Geldmangel. Hätte diese Schule solche Beträge zur Verfügung, wie sie für Mittelschulen erforderlich sind, so würde die Schule ganz anders aussehen. So viel muss man sagen, dass in dieser Schule seitens verschiedener Lehrer große Opferwilligkeit an den Tag gelegt wurde, nur um der Idee willen. Eine Musterschule in gewisser Beziehung ist in Rechowoth. Alle diese Urtheile spreche ich aus, nachdem ich diese Schulen sehr gründlich beobachtet habe. Ich machte 3—4-stündiqe Besuche und pflegte den Prüfungen aller Elasten anzuwohnen. Gegenwärtig gibt es in Palästina 29 Schulen mit 2300 Schülern. In sechs Schulen lehrt man hebräisch und in zwanzig wird die hebräische Sprache beim Unterricht als eine lebendige behandelt. Das größte Unglück im Schulwesen ist der Mangel an Einheitlichkeit. Meine Damen und Herren! Ich betrachte den Congress nicht allein als die Stätte, aus der wir nur dasjenige beschließen sollen, was wir als Bund zu thun haben, sondern als eine Stätte, von der aus wir alles jüdische Leben kritisieren dürfen und so meine ich, es ist nicht ungerecht, wenn ich an die Zionisten uud Cbovewe- Zion den Wunsch richte, eine Einheitlichkeit eintreten zu lassen. Nur wenn eine Einheitlichkeit des Programms, eine Einheitlichkeit der Thätigkeit und eine Einheitlichkeit der Verwaltung vorhanden ist, nur dann ist es möglich, eine wirkliche Schule nach unserem Sinne zu schaffen. Der Hauptgrund, weshalb auch die Schulen in Palästina unseren Erwartungen nicht entsprechen, ist der Umstand, dass die Oberaufsicht in den schulen in den Rothschild'schen Colonien Mädchen anheimgegeben ist, die kurze Zeit, 1 — 2 Jahre, ihre Erziehung in Paris genossen haben und nach der Ansicht der dortigen Administration in der Lage sein dürften, die Cultur des Westens in diese Schulen zu bringen. Die meisten Mädchen sind sehr jung und üben einen sehr verderblichen Einfluss aus, so dass selbst gute Pädagogen von ihnen in ihrer Arbeit gehemmt werden. Eine Schule muss ich besonders erwähnen, dass ist die Schule in Mikweh-Jsrael. So sehr wir die Thätigkeit der Alliance Jsraelite in Bezug auf die Sprache zu verurtheilen haben, auch in Mikweh-Jsrael, so müssen wir andererseits dieser Schule ein ganz ungewöhnliches Lob zollen und zwar nicht blos wegen der schönen großartigen Anlagen, die man da in der Nähe von Jaffa zu sehen bekommt nnd die eine Freude für jeden Besucher bilden, sondern auch wegen des Ernstes, mit dem der Ackerbau dort betrieben wird. Unstreitig könnte diese Schule als Ackerbauschule einen ungeheuren Werth haben, und wenn dies noch nicht der Fall ist, so liegt es in folgendem. Die Alliance Israelite bemüht sich unerklärlicherweise, französischen Einfluss nach Palästina zu bringen. Wir wissen eigentlich nicht den Grund und wir verstehen nicht, warum gerade die französische Sprache den Juden in Palästina beigebracht werden soll. Ich verstehe wohl, dass die Juden in Palästina auch die französische Sprache lernen sollen, aber nicht, dass französisch die lebende Sprache unter den Juden werden soll. Thatsache aber ist es, dass das intelligente jüdische Element zu unserem größten Leidwesen viel mehr französisch, als hebräisch spricht. Es könnte anders sein, und die Alliance Israelite sollte in dieser Richtung durchaus auf dem Standpunkte stehen, dass jede Schule in einem hebräischen Lande, das künftig dem jüdischen Volke gehören soll, nur hebräisch sein kann. In der Bibliothek von Mikweh-Jsrael fand ich etwa unter 48.000 Bänden 65 hebräischen Inhaltes, die übrigen durchwegs in französischer Sprache. Sie sehen also, welche Nahrung dort jetzt geboten wird. Nicht als ob ich den Grundsatz aufstellen wollte, dass die gegenwärtige hebräische Literatur schon alle unsere Forderungen erfüllt. Diesen Grundsatz habe ich nicht'•- aufstellen wollen. Aber wenn man in Palästina nicht die hebräische Sprache als Mittelpunkt betrachten und pflegen wird, dürfte unsere Hoffnung in dieser Beziehung aus künftige Solidarität und Einheitlichkeit vernichtet werden. Es gibt nur einen Umstand, der dazu verhilft, dass die hebräische Sprache aufkommt, und dieser Umstand erweckt gewisse Hoffnungen. Seitdem die sephardischen und aschkenasischen Juden immer mehr zusammenzukommen pflegen, muss in gewissen Theilen die hebräische Sprache gesprochen werden. Sie können sich in keiner andern Sprache verständigen. Und zu unserer größten Freude müssen wir feststellen, dass die sephardischen Juden, wenn sie auch nicht große Hebräer in Bezug auf ihre Gelehrsamkeit sind, doch ziemlich geübt sind in der hebräischen Sprache. Also zu erwarten ist, dass die hebräische Sprache unter den Juden dort die allgemein gebräuchliche werden wird. Nur müssen wir von hier aus wirken, dass in allen Schulen in Palästina und in den Colonien, wo ein Kampf um die Sprache geführt wird und ein Kamps ganz unerhörter Natur, der Kampf zu Gunsten der hebräischen Sprache ausgefochten werden soll. Ist eine gewisse Regeneration des jüdischen Volkes oder sagen wir der jüdischen Colonisten in Palästina zu merken? Daraus muss ich mit einem etwas bedingten aber doch mit einem „Ja" antworten. Es herrscht eine Geschicklichkeit in den verschiedenen Leibesübungen, z. B.im Reiten, Schießen, wie sie leider bei dem Golus-Juden absolut nicht zu finden ist, vielleicht auch nicht bei den Nicht-Golus-Juden, bei den europäischen Juden; und zum großen Theile Furchtlosigkeit. Wir dürfen hier keine Forderung stellen, dass gleich alle Colonisten absolut diejenigen Gewohnheiten und Eigenthümlichkeiten aufgeben, welche sie Dank dem Ghetto in sich ausgenommen haben. Aber dass in dieser Beziehung zwischen den Juden der Colonien und der jüdischen Masse in Osteuropa absolut kein Vergleich zu ziehen ist, ist für uns eine der erfreulichsten Thatsachen. Die meisten Juden sind sich dessen bewusst, dass sie sich selbst zu schützen und zu wehren haben. Im Verlaufe der letzten Jahre sind unzählige Kämpfe zwischen Juden und Arabern, die aufgehetzt worden sind, ausgefochten worden, und in den meisten dieser Kämpfe, wenn auch