Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 37 (16.9.1898)
- Article
- Culturcommission
- Date
- 1898-09-16
- Page
- 9 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 37 J?K$Wdr Seite 9 In Ergänzung der Liste der in Nummer 35 aufgezählten Mitglieder des A.tisnscomites tragen wir nach, dass Herr Dr. MeyerEb.ter (Czernowitz), als Mitglied aus der Bukowina vom Congresse in das Actionscomitö gewählt wurde. Zeitungsstimmen. Wir setzen das Verzeichnis der Blätter fort, ohne Anspruch darauf zu erheben, auch nur im Entferntesten alle nennen zu können, die über den Congress berichtet haben. Die jüdisch-confessionellen und jüdisch-natinonalen, die hebräischen und Jargonblätter, die alle ausführlich über den Congress berichtet haben, sind unter den angeführten Zeitungen nicht erwähnt. „Daily Meffenger", „Journal de Maine et Loire", „Echo de la Haute Marne", „Petit Caporal", „Jndependant Cvnstantiue", „Constitutivnnel", „Pungolo Parlamentäre", „Darin", „Petit Parisien", „Sole" (Mailand). „Corriere della Sera", „Presse", „Jndependant Pas de Calais", „Gazetta del popolo" (Turin), „Münchener Allgemeine Zeitung", „Libauer Local- und Handelsblatt", „Neue Züricher Zeitung", „Wiener Tagblatt", „Ertrapost", „Tie Drau" (Essegg), „Bielitz-Bialaer Anzeiger", „Jzraelita" (Warschau), „Steaua Dunarei" (Bukarest). „Ungarische Wochenschrift" (Budapest), „Der Bund" (Bern). „La Berits" (Paris), „Le Petit Provencal" (Marseille), „Souverainete" (Paris). „Phare" (Alexandrien), „Elbinger Zeitung" (Elbing), „Berlinische Zeitung" (Berlin), „Hamburgischer Correspond ent" (Hamburg), „Bigie Algerienne" (Algier), „Franche-Comts" (Befancon), „L'Avenir" (Reims), „L'Judependance Roumaine" (Bukarest), „L'Economiste Pratique" (Paris), „Courrier Du Pas-De-Calais" (Arras), „Chronique Bruxelles" (Brüsiel), „Croix Du Nord" (Lille), „Morning leader" (London), „L'Epoque" (Paris), „Jmpartial", „Nacional" (Madrid). „Nemzet" (Budapest), „Journal Du Havre" (Havres „Westmiuster Gazette" (Westminster). „Magdeburger Zeitung", „Evening News" (London), „Fanfulla" (Rom). Die rumänische Presse und der Congress. Die meisten rumänischen Blätter haben dem Congress und dem Zionismus gegenüber eine Haltung bewahrt, die über alles Lob erhaben ist. Freilich stößt man auch hier auf kein besonders tiefes Verständnis des Zionismus und seiner Endziele; aber im ganzen und großen sind die bisher erschienenen Artikel sachlich und würdig im Tone. Die verletzenden Glossen des vorigen Jahres sind verschwunden. Auch diese galten ja nicht dem Zionismus als solchem, sondern dem verachteten Juden, dem man nicht genug Seelengröße zntrauen wollte, sich zu einer großen That aufzuraffen. Fast alle Blätter bringen spaltenlange Berichte über den Congress nud nicht selten findet man die Bemerkung, dass in Basel Geschichte gemacht wurde. Insbesondere ^.Duiversnl*4 und „Adeverul“ bemühen sich, die Discussion über die zionistische Bewegung auf ein Niveau zu erheben, an das der Straßenantisemittsmus nicht heranreicht. So schreibt der „Adeverul44 in seiner Nummer vom 7. September am Schlufie eines wohldurchdachten Artikels: „.Die Idee als solche, das muss anerkannt werden, ist groß, denn die Begründung eines Staates in unserem Jahrhundert wäre eine bewundernswürdige That. .Mit jedem Tage wächst die Zahl der Zionisten. Hervorragende Männer, nicht alle Juden, erklären die Idee des Zionismus als gut und durchführbar. Unter solchen Umständen haben die Skeptiker aller Raffen und Nationalitäten kein Recht, sich in die zionistische Discuffion zu mischen. Beschränken wir uns darauf, diese für das Ende des Jahrhunderts so wichtige charakteristische Bewegung zu beobachten und, indem wir die, Sache ihren Gang gehen lassen, sehen wir zu, ob der Zionismus nur eine Utopie ist, oder ob er Aussicht hat, je eine Wirklichkeit zu werden." Wie 'oft hat doch der Zionismns um diese Toleranz des hands off seitens seiner Gegner, insbesondere seiner jüdischen Gegner, gebeten! Und wie beschämend für jüdische Blätter, sich darin von einem rumänischen Blatte eine Lectton geben zu lapen! „Dreptotea“, die gouvernamentale „Voiuta Xationala“ und die ,.Indcpendance Roumaine*4 drucken die im „Temps"4 erschienenen Artikel ohne. Commentar ab. Unsere eigenen Blätter, d. h. diejenigen, die in zionistischem oder in gut jüdischem Geiste gehalten siird, haben gelegentlich des Cougresses eine Rührigkeit entfaltet, die ihnen Ehre macht. Die „Vocea Sionolui*4, das officielle Organ der rumänischen Zionisten, hat eine gediegene Festnummer veröffentlicht, die sich ausschließlich mit dem Congresse beschäftigt und die nächste während des Cougresses erschienene Nummer brachte erschöpfende telegraphische und briefliche Berichte, die die Herausgabe eines Supplementes nothwendig machten. Die ..Egal tatea44, die durch ihren Redactenr in Basel vertreten war, leistete in der Berichterstattung Vorzügliches, nur wäre es recht sehr zu wünschen, dass dieses Blatt endgiltig Farbe bekenne. Ich will dem Herausgeber der „Egalitalea*4 durchaus nicht nahetreten, aber gerade weil er das Zeug in sich hat, ein wertvoller Kampfgenosse zu sein, wollen wir ihn ganz haben, denn: man kann nur eines ganz sein, oder man ist nichts. — Der für die breiten Massen im Jargon geschriebene ,,Hajoet/." rivalisierte erfolgreich mit seinen zwei rumänischen Colleginnen. Die aUeia pars ist natürlich nicht ausgeblieben. Nur ist der vielleicht nicht besonders merkwürdig' Umstand dabei zu verzeichnen, dass es ein mit jüdischem Gelde bezahltes Wochenblatt ist, das die ehrenvolle Mission übernommen hat, seinen jüdischen Lesern Woche für Woche ein paar geköpfte Zionisten anfzntischen. Das Blatt führt den pompösen Titel Steaua Dunarei*4, ist Eigenthnm des kleinen Sohnes des großen Cogalniceauu. Erbin der seligen gleichberechtigungsduseligen „Emancipamr* und Ablagerungsort für jüdisch-assimilatorische Veilletäten. Was unsere Affimilanten doch für eine dicke Haut haben! Dasselbe Blatt, das mit dem Verlangen nach Emancipatiou der Inden den Mund so übervoll uiunnt, bringt in einer seiner letzten Nummern eine noch nicht veröffentlichte Rede Cogalniceauu s des kletteren, in der dieser Staatsmann seinen Wählern die köstliche Eröffnung macht, die Inden hätten zur Zeit des Berliner Cougresses die raffiniertesten und schönsten Londoner und Pariser „jidovce44 (artige Benennung für Jüdinnen) nach Berlin gebracht, welche bestimmt waren, auf die niedrigsten Triebe der europäischen Staatsmänner eiuzuwirken, um sie so zugunsten der rumänischen Juden zu stimmen. Für ein rumänisch-jüdisch-affimilatorisches Comptoirgenie ist das wohl ein dem Geiste und der Schönheit der Jüdin gezollter l,oher Tribut und eine mehr als genügende Entschädigung für das gezahlte Abonnement. Dass der Deputierte Cogalniceauu der Kleine, der in jüdischen Versammlungen das große Wort führt, in der Kammer noch nicht ein einziges Mal den Mund anfgethan hat, um für die Juden cinzutreten, das nennen sie Opportunismus, und so deckt man mit einem kleinen Wörtchen so viel Schmach und so viel Selbsterniedrigung zu. — Eine solche Gegnerschaft kann dem Zionismus in Rumänien wirklich nicht schaden. Früher oder später werden, müssen auch die verblendetsten Juden einsehen, wohin ihre Pflicht sie ruft, und die wenigen, die auch diesem Rufe nicht gehorchen, die können wir leicht entbehren. Dieses Material ist für uns morsch, mögen die anderen damit bauen — wenn sie Lust dazu haben. I. H. E l l m a n n. P