Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 35 (2.9.1898)
- Article
- Rechenschaftsbericht des Actions-Comités
- Date
- 1898-09-02
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 35 und wie gleich hinzugefügt werden soll, auch in die That umgefetzt. Die Gliederung und Zusammenfassung der Anhänger des Zionismus nach einheitlichen Grundsätzen und die Herbeischaffung der für die Verwirklichung der Endziele unserer Bewegung erforderlichen materiellen Mittel — Organisation und jüdische Colonialbank — das war Anfang und Ende unserer Sorge im abgelaufenen Amtsjahre. Innerhalb dieses Rahmens liegt denn auch der größte Theil unserer Arbeit. Dass über diese großen Factoren auch die anderen im Programm unserer Bewegung gelegenen Aufgaben sowie die von dem Congresse gegebenen Anregungen nicht vergessen wurden, werden Sie im weiteren Verlaufe dieses Berichtes zu sehen Gelegenheit haben. Bevor wir ins Detail eingehen, dürste es vielleicht am Platze sein, die großen und zahlreichen Schwierigkeiten zu erwähnen, die sich unserer Arbeit entgegenstellten. Ohnegleichen, wie die ganze zionistische Bewegung, sind auch die Wege, die zu unserem Ziele führen? Kein Vorbild, an das man sich anlehnen, kein Muster, das man sich vor Augen halten, keine Erfahrung, aus die man sich stützen konnte! Vorsichtig tastend und prüfend musste daher Schritt für Schritt vorgegangen werden, aus die Bedürfnisse und Interessen der gesammren Bewegung einerseits, auf die Eigenarten und Verhältnisse unserer Brüder in den Ländern, in welchen sie leben, andererseits unaufhörlich Rücksicht nehmend. Zu den Schwierigkeiten, die der außerordentlich zeitraubende directe Verkehr mit über die ganze Erde zerstreuten, social und culturell so verschiedenartigen, auch sprachlich so differenten Elementen mit sich bringt, kam noch eine hinzu, das ist die Rücksicht aus die Beschlüsse des vorigen Congresses. Bei dem Umstande, dass dieser der erste, somit als solcher nothwendigerweise ein ungenügend vorbereiteter, gewissermaßen improvisierter war, ist es nur allzu begreiflich, dass den Beschlüssen desselben keine oder nur unzureichende Erfahrungen zugrunde liegen konnten, und dass die Durchführung derselben mit den thatsachlichen Verhältnissen oft schwer in Einklang zu bringen war. Nichtsdestoweniger hielten wir es für unsere Pflicht, die leitenden Grundsätze und principiellen Entscheidungen des ersten Congresses gleichsam als Gesetz anzusehen und zur Geltung zu bringen, von dem wir uns, allen offenen und versteckten Angriffen zum Trotz, nicht um Haaresbreite abbringen ließen. Wenn wir nun in dem angeführten Rahmen die wichtigeren Momente unserer Arbeit einsügen, so haben wir in Bezug aus die Organisation in erster Reihe die vom Congresse beschlossene Schekelinstitution zu nennen. Es ist klar, dass diese die materielle Möglichkeit für jede weitere Arbeit schaffende Einrichtung in einer einheitlichen und möglichst einfachen Weise durchgesührt werden musste. Wir einigten uns dahin, die Schekel mittelst der Ihnen allen bekannten Quittungen einzuheben, deren mehrere zu einem Block gebunden sind, und die gleichzeitig als Legitimation zur Delegiertenwahl dienen sollen. Hiebei musste einerseits auf die Verhältnisse der verschiedenen Länder Rücksicht genommen, andererseits aber sollten etwaige Unzukömmlichkeiten vermieden werden; vor allem aber mussten wir für eine ausreichende Controls Sorge tragen, damit der Schekel nicht etwa Gegenstand von^Malveriationen werde, die unsere Bewegung oiscreditieren buntem Aus' diesem Grunde musste das A. C., entgegen den vielfach geäußerten Wünschen unserer wackeren Mitarbeiter in den verschiedenen Landesorganisationen wenigstens anfangs darauf bestehen, dass das Congressbureau die einzige AusgabestellederSchekelblocks sei. Später hat man die genannten Wünsche in der Weise mit der erwähnten Nothwendigkeit und Vorsicht in Einklang zu bringen versucht, dass man ein mit Wasserzeichen versehenes Schekelpapier anfertigen ließ, welches einzig und allein vom Congressbureau ausgegeben wird, und, bei aller Wahrung des einheitlichen Principes, nach den Bedürfnissen der Landesorganisationen verwendet werden kann. In allen Fällen blieb das Congressbureau die cen- ^trglL-^eldstelle, an welche die Schekelgelder abzuführen -waren, und wir können mit Befriedigung sagen, das§ trotz der unzulänglichen, einer gründlichen Reform bedürftigen Schekelorganisation und trotz der Ungeheuern territorialen Ausdehnung unserer Bewegung, diese Institution sich aus das glänzendste bewährt hat, und dass auch nicht die geringste Unregelmäßigkeit in dem Zufluss der Schekelgelder zu verzeichnen war. Die Finanzcoinmission unseres Congresses wird überdies Gelegenheit haben, sich von der richtigen und ordnungsgemäßen Gebarung der Schekelgelder zu überzeugen. Durch die Erfahrungen des Vorjahres belehrt, hat das Actionscomitö eine Reform der Schekelinstitution ausgearbeitet, die Ihrer Begutachtung unterbreitet werden und die hoffentlich zu einer weiteren gedeihlichen Entwicklung dieser vortrefflichen Einrichtung führen wird. Kaum hatte sich das Actionscomilä constituiert, als es von allen Welttheilen mir Fragen bestürmt wurde, wie die zionistische Thätigkeit aufzunehmen sei. Viele von den alten Zionisten sahen sich vor eine neue Situation gestellt und verlangten Belehrung für ihr weiteres Vorgehen: noch viel zahlreichere neue 'Zionisten, die durch den ersten Congress begeistert und zur Thätigkeit angespornt wurden, wussten überhaupt nicht, in welcher Weise sie ihre Kräfte in den Dienst der allgemeinen Sache zu stellen haben. Dies veranlasste das Actionscomite, eine Instruction für Zionisten auszuarbeiten, die vielfach begehrt und in Tausenden von Exemplaren in alle Weltrichtungen versendet wurde. Dadurch konnte die Thätigkeit aller Zionisten in annähernd einheitlicher Weise geregelt werden, und wir können mit Genugthuung constatieren, dass diese Anleitung gute Früchte getragen hat, aus welche wir noch später zu sprechen kommen werden. Um das Geltungsgebiet des Baseler Programmes immer mehr zu vergrößern, standen uns zwei Wege offen: einerseits die Gewinnung neuer Anhänger durch die Propaganda in Wort und Schrift, andererseits die Einfügung bereits bestehender zionistischer Körperschaften in die Congressorganisation. Was zunächst die Agitation durch das geschriebene Wort betrifft, so glaubt das Actionscomitö sich vorläufig einer gewissen Einschränkung befleißigen zu müssen, um die vorhandenen Mittel nicht durch Verlagsunternehmungen allzusehr in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Grunde verhielt sich das Actionscomitö reserviert gegenüber den verschiedenen aufgetauchten Projecten für Herausgabe von Zeitschriften. Als erste Agitationsschrift müssen wir das stenographische Protokoll des ersten Congresses bezeichnen, ein Werk, das nicht allein eine mächtige agitatorische Wirkung ausübt, sondern auch für alle Zeiten ein wichtiges historisches Document von bleibendem Wert bilden wird. Roch vor Erscheinen des Congress-Protokolles wurden die vorjährigen Congressreden des Dr. Herzl und Dr. Nordau in zwei Auflagen ausgegeben. Eine weitere Agitationsschrift, die von Jork-Steiner verfasst und in deutscher und hebräischer Sprache sowie im Jargon ausgegeben wurde, ^st>as Ende der Judennoth", diente speciell zur Propaganda für den Schekel und fand die weiteste Verbreitung. Als vorzüglich zur Aufklärung über den Zionismus geeignet, wurde die von Dr. Nordau in Berlin gehaltene Rede, „Ueber die Gegner des Zionismus", in einer größeren Auflage als Separat-Abdruck verbreitet. Schließlich hat dasActionscomitt? eine Agitationsschrift in hebräischer, arabischer und französischer Sprache in Kairo druckenund im Orient (Aegypten. Tunis,Algier, Indien, China, Japan und Persien) verbreiten lassen, um denZionismus unter