Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 35 (2.9.1898)
- Article
- Referat über die jüdische Colonialbank
- Date
- 1898-01-01
- Page
- None (sequence 2)
- Language
- German
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Summa: Die natürlichen Verhältnisse Palästinas gestatten unter der Voraussetzung der thatkräftigen Beihilfe des Menschen eine Verjüngung, eine Wiedergeburt des Landes. Es kann wiederum wie dereinst ein Land voll Mich und Honig werden, kann wieder für die cioilisierte Welt von hoher Bedeutung sein und eine ähnliche Blüte schauen wie in den Tagen Davids und Salomons." (Otto Ankel in der Franks. Zeitung.) Sprenger urtheilt über Babylonien, das Hinterland des fraglichen Ländergebietes, wie folgt: „Der Boden ist ein Alluvium von ungeheurer Ausdehnung, durchströmt von Euphrat und Tigris mit ihren zahlreichen Nebenflüssen^ Die türkische Wirtschaft hat dies Gebiet durch Verfall der Canalisarion zu Sumpf und Wüste werden lassen. Die berühmten Städte sind zerfallen, der Staat verlor eine reiche Einnahme, die sich unter' Chosroes aus 751 Millionen Mark belaufen hatte. Die Rentabilität des Bodens kann aber durch Cultur wieder hergestellt werden. Im zehnten Jahrhundert waren IO1/« Aiillionen Hektar angebauten Landes vorhanden, die sich leicht auf 90 Millionen steigern lassen. Die Macht, welche die Wiedergeburt dieses Landes in die Hand nimmt, wird die Vorhand im westlichen Asien erhalten." Ebenso urtheilt der Ingenieur W. Presset über Anatolien. Hieraus geht hervor, dass auch das Hinterland von Palästina und Syrien mit seinem gewaltigen natürlichen Reichthum durch die Bank nutzbar erschlossen werden könnte. Was nun die Art der seitens der Bank zu fördernden Unternehmungen betrifft, so käme zunächst der Bau von Eisenbahnen in Betracht, die schon an sich eine angemessene Rente verheißen, gleichzeitig aber auch den Boden für künftige industrielle und agriculturelle Unternehmungen vorzubereiten geeignet sind. Eine Aeußerung des Ingenieurs Haskett Smith im rJe\vish Chronicle“ mag dies ins richtige Licht setzen: „Nach meiner Ansicht wird die Einführung des Eisenbahnsystems in Palästina mehr als etwas die Rückkehr von Juden nach dem Lande ihrer Väter fördern. Längs der Eisenbahnlinien werden auf beiden Seiten Dörfer und Ansiedlungen entstehen, Ackerbau, Handel und Gewerbe werden zweifellos aufblühen und später oder früher wird Industrie, Thätigkeit und Reichthum da zu finden sein, wo heute Degeneration und Niedergang ist. Die Firm ans der Eisenbahngesell schäften schließen die Concefsion zur Besiedelung eines breiten Streifens Land mit ein, und dieses Land wird von den Concessionären für Ansiedelungen von Ackerbauern oder Gründung gewerblicher Institute verwendet werden können. Wenn die Juden weitsichtig genug sind, als die ersten dieses Land zu kaufen und zu bebauen, ist kein Zweifel, dass sie binnen verhältnismäßig kurzer Zeit der zahlreichste und wohlhabendste Theil der Bevölkerung sein werden und so den Weg zu einer vollständigen Besiedelung Palästinas ebnen." In zweiter Linie kommt in Betracht, dass das Land für den Betrieb von Großindustrie auch hinreichende Products eigener Bergwerke zu liefern vermag. Die Thätigkeit der Bank ist daher auch auf die Förderung des Bergbaues zu richten. Etwaigen Zweifel nach dieser Richtung wird die Meinung des früheren Generalconsuls Zwiedinek von Südenhorst zerstreuen, der über ein Jahrzehnt in Beirut thätig war und in seiner Schrift über Syrien und seine Bedeutung für den Welthandel besonders bemerkt: „Die gänzliche Vernachlässigung des Bergbaues in der Türkei bis auf die neueste Zeit hat zur Folge gehabt, dass selbst solche Bergwerke, die vor Eroberung dieser Länder durch die Osmanen in blühendem Betriebe standen. in Verfall gerathen sind. Auch in Syrien blieben auf diese Weise der nationalen Gewerbsthätigkeit Hilfsmittel entzogen, welche bei entsprechender Verwertung der Industrie des Landes zu raschem Aufschwung verhelfen könnten. Es sinden sich in Syrien bedeutende Lagerstätten von Kohle, bituminösem Holz und Braunkohle. Ebenso wiederholen sich auf ganz locale 'Weise die stockartig vorkommenden Lagerstätten von Thoneisensteinen und Eisenockern. So finden wir also Kohle und Eisen, diese zwei Hauptfactoren modernen Gedeihens, in Syrien in ziemlich ausgedehntem Maße vertreten und außerdem in eine für den Fabriksbetrieb höchst förderliche Nachbarschaft gebracht. Die ergiebigsten Kohlenlager sind in der Nähe des Ouellgebietes des Nähr Beirut auf dem Libanon gelegen und waren zur Zeit der egyptischen Herrschaft in Syrien unter Ibrahim Pascha im Betriebe, geriethen aber später wieder in Verfall, da der elende Zustand der Straßen den Transport der Kohlen nach den Fabriksorten zu kostspielig machte. Steinsalz ist in den Bezirken von Palmira und Dscherud im Hauran in mächtigen Lagern vorhanden. Auch an Bau- und Werksteinen verschiedener Gattung besitzt Syrien großen Reichthum." Die Bank hätte sodann die Aufgabe, Ackerbau und Industrie in Syrien und Palästina zu fördern. Was den mit dem Ackerbau in engem Zusammenhang stehenden Weinbau betrifft, so ergibt sich aus einer Aufstellung des deutschen Consuls von Tischendorf vom Jahre 1880, dass derselbe unter Annahme eines fünfjährigen ertraglosen Zeitraumes und einer Missernte in jedem dritten Jahre eine Rentabilität von ungefähr 95 Percent des Anlagecapitals ergeben würde. In ähnlicher Weise verhält es sich mit der Rentabilität der Oelindustrie und der Textilindustrie. (Vgl. die Schrift von Dimidow: „Wo hinaus?") Es ist in Deutschland der Zweifel laut geworden, ob die Juden überhaupt zum Bergbau geeignet sind. Wir wissen, dass 5000 Bergarbeiter auf Arbeit in Palästina warten und dass wir keine Gefahr laufen, dass wir in den Bergwerken nicht jüdische Arbeiter zu beschäftigen hätten. Bezüglich der Thätigkeit einer jüdischen Jndustriebank wurde vor Jahren von einer Hamburger Import- und Exportfirma nach dem Orient ein ausführlicher Vorschlag gemacht, dem wir Folgendes entnehmen: „Wir haben es behufs Uebersiedlung der russischen Auswanderer nach einem Theile Syriens keineswegs nöthig, die Wohlchätigkeit unserer reichen Glaubensbrüder in Anspruch zu nehmen, deren Mitwirkung ja zur Unterstützung des Colonisationszweckes von unschätzbarem Werte ist. indem wir denselben einfach die Gründung einer jüdischen Jndustriebank vorschlagen. Es sollte sich ein Consortium von jüdischen Kaufleuten, Bankiers und Industriellen bilden, welches die zur Verwirklichung dieses Projectes nothwendigen Mittel durch eine öffentliche Subscription aufbringen müsste. Nach Beendigung der Subscription wären fünf jüdische Directoren, bank- und technisch geschulte Herren nach Palästina zu entsenden mit dem Aufträge, in Haifa und Beirut (Ghaza, Jaffa, Saida, Tripoli, Aleppo) Geschäftshäuser zu errichten, geeignete, mit gutem Wasser verseheneLändereienzuerwerben undsodann auf diesen Lederfabriken, Getreidemühlen, Knochenmühlen, Düngerfabriken, Glashütten, emaillierte Eisenwarenfabriken, Thon-, Steingut- und Porzellanwaren-Fabriken, Maschinenöl-Fabriken, Seifenfabriken, Woll-, Baumwoll- und Seidenspinnereien, Hutfabriken, Papierfabriken,Buchdruckereien, Bierbrauereien zu errichten. Hiernach müsste derBerwaltungsräth des Unternehmens, der seinen Sitz in Berlin oder London zu nehmen hätte, unter Beihilfe der freiwilligen Organisation diejenigen russischen Auswanderer für jene Fabriken als Arbeiter anwerben, welche sich zur Beschäftigung in denselben eignen. Dass die vorerwähnten Fabriken sich in