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Die Welt · 1898-01-01 · 35 (2.9.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
35 (2.9.1898)
Article
Referat über die jüdische Colonialbank
Date
1898-01-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Referat des Rechtsanwaltes Dr. Bodenheimer (Köln) über die Jüdische Colonialbank. Als eines der Mittel zur Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und Syrien soll eine Bank mit untenstehendem Statut begründet werden. Diese Bank soll nicht etwa, wie es den Anschein haben könnte, eine philanthropische Gründung sein, vielmehr ein rein commercielles Unternehmen auf solidester, streng geschäftlicher Grundlage. Dem zionistischen Ziele dient die Bank durch die ConcentrKerung und wirtschaftliche Vereinigung jüdischen Capitals und jüdischer Arbeitskräfte in einem bestimmten Lande, nämlich durch die Hinlenkung ihrer Thätigk'eit auf den in Aussicht genommenen Co^onif.ttionsbereich von Syrien und Palästina als Mittelpunkt. Innerhalb dieser durch den Zweck der Bank gezogenen Grenzen ist dieselbe in ihrer Geschäftsthätigkeit und Verwaltung vollständig frei und ungehindert. Obwohl sie demnach einem idealen Zwecke dient, ist dieselbe in ihrer Verwaltung lediglich vom geschäftlichen Gesichtspunkte zu leiten, wie z. B. die Landbank in Berlin zur Ausdehnung deutsch-nationalen Einfluffes in den polnischen Provinzen Preußens beiträgt, indem sie große Güter dem polnischen Adel abkauft und behufs Schaffung deutscher Bauernböfe parcelliert. Die Bank soll ein Unternehmen sein nach Art der deutschen Colonial-Gesellschaften, welche zur Ausdehnung des deutschen Colonialbesitzes thätig sind, indem sie in überseeischen Ländern und Welttheilen Concessioneu. Privilegien, Besitztitel und Hoheitsrechte erwerben, Plantagen anlegen und Eisenbahnen bauen. Dass die Thätigleit der Bank innerhalb der gezogenen Grenzen eine rentable sein kann, ergibt sich nicht nur aus der Thatsache, dass deutsche, englische und . französische Unternehmungen innerhalb desselben Thätigkeitsbereiches mit Erfolg arbeiten, wobei nur auf die von der deutschen Bank geförderten Eisenbahnen in Anatolien hingewiesen werden mag, sondern folgt auch aus dem natürlichen Reichthum der Länder, in denen die Bank zu wirken bestimmt ist. Da in dieser Hinsicht vielerlei Jrrthümer bestehen, so mögen zur Aufklärung hier einige Citate zuverlässiger Beobachter platzgreifen. Major Claude Reignier Conder, welcher im Aufträge der Englischen Palästina-Gesellschaft Syrien ein Jahrzehnt bereiste und geographische Untersuchungen jeder Art anstellte, schreibt: „Die Kritik, welche sich gegen die Colonisation Palästinas wendet, beweist nur, dass diejenigen, welche dieselbe zu Papier brachten, niemals im Lande selbst waren, dass sie nicht einmal die Bedingungen des Bodenbaues in anderen Ländern kennen und völlig vergeffen, dass ihre Einwände, falls sie auf die Gebiete von Nord- und Südamerika, denen sie doch mit mehr Sympathie gegenüberstehen, angewandt würden, dort in noch stärkerem Maße gelten würden." Er zählt sodann die Vorzüge Palästinas für die Colonisation auf und fährt fort: „Der vierte Vorzug Palästinas ist der der Fruchtbarkeit. Die in dieser Hinsicht von altersher herrschenden Vorurtheile sind immer noch lebendig, sind aber nur auf das falsche Verständnis von Reisenden zurückzuführen, die in der Regel niemals den besten Theil des Landes besuchten. Es gibt wüste Stätten in Palästina, gerade so. wie es öde Haiden und Stierwälder in England ibt, die für die Cultivierung ungeeignet sind, aber diese edecken nur einen sehr kleinen Theil des ganzen Landes. Völlig cultiviert würde das Land nicht nur seine Bevölkerung unterhalten, sondern noch viel Getreide zum Export übrig haben, welches leicht mit dem russischen Getreide und dem von Indien concurrieren könnte." Otto Ankel führt in dieser Hinsicht in einer Veröffentlichung vom Jahre 1891 Folgendes aus: „Zahlreiche Beobachtungen einsichtiger Reisender bestätigen, dass im Boden Palästinas wunderbare Kräfte schlummern, die nur der menschliche Fleiß zu wecken braucht, um das Land der Verwahrlosung zu entreißen. Welcher Boden könnte von Statur fruchtbarer und zum Anbau günstiger sein als der von Palästina?. . ." „So sehr aber auch das eigene Volk des Landes aus Neid gegen den fremden Eroberer und Herrscher, und so sehr die Feinde desselben, deren Zorn so oft diese Stätte der alten Segnungen traf, gegen den inneren Wohlstand derselben gewüthet haben, ist es mir dennoch unbegreiflich, dass nicht bloß Spötter und geistige Feinde des Landes, sondern selbst manche frühere Reisende Palästina als eine natürliche Einöde, als einen Boden, der weder vormals noch jetzt zum einträglichen Anbau taugte, in böses Geschrei bringen konnten. Wer die unermessliche Fülle des Pflauzenreichthums am Carmel und am Saume der Wüste, wer die grünenden Gefilde von Esdrelon und in der Jordansaue, die Laubwaldungen am Tabor, wer die Ufer des Tiberias- und Meromsees gesehen, denen nichts fehlt als die anbauende Menschenhand, welche dem üppigen Boden ihre Samenkörner und Pflanzungen anvertraut, der mag doch sagen, welches andere, von tausendjährigen Kriegen entvölkerte Land unserer Halbkugel er günstiger zuni Wiedcranbau gefunden." „Die freilich fast aller ihrer Zierden beraubte Pflanzenwelt am Tiberias bezeugt es, dass die Ufer dieses Sees, wenn man sie nur recht benutzen wollte, ein natürliches Treibhaus zu sein vermöchten, in welchem die Gewächse Egyptens und selbst Arabiens gedeihen würden." (Schubert i. d. Ml.) „In Palästinas Boden sind die Bedingungen vorhanden, die reichste Vegetation zu erzeugen." (van de Velde, Reise durch Syrien und Palästina.) „Die schönsten Weizen- und Gerstenfluren sprießen zuweilen auf steinbesäten Flächen, welche in unseren Breiten gewiss ohne Culturen sein würden." (v. Rath : Durch Italien und Griechenland nach dem hl. Land.) „Selbst in Judäa verleugnet der Boden seine Fruchtbarkeit nicht. Die röthlichbraune Erde, welche in allen Löchern und Spalten der Kalkfelsen sich sammelt und kleine, üppige Pflanzenoasen erzeugt, deutet an, wie allmählich durch menschliche Arbeit das Angesicht des Landes wieder gewandelt werden könnte .. Angesichts dieser Fluren und Rebenpflanzungen der Templer (bei Haifa) gewinnt man eine Vorstellung von dem schlummernden Reichthum der ganzen palästinensischen Küste, welche zum größten Theil gänzlich ohne Cultur ist." (v. Rath: Durch Italien rc.) Ja, auch die Dünen am Strand entbehren nicht des vegetativen Lebens. „Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Libanons, ebenso wie die Tempelcolonien, wo der Fleiß und Schweiß schwäbischer Bauern blühende Ansiedlungen geschaffen, können einen Fingerzeig bieten für die Reorganisation Palästinas, an deren Möglichkeit kein Einsichtiger zweifeln kann. Es bedarf dazu keines Klimawechsels, keines Hochwaldes, keiner Vermehrung der atmosphärischen Feuchtigkeit; esgiltvielmehr, die verschütteten und verschlammten Brunnen und Teiche zu reinigen, die Sümpfe auszutrocknen, Bewässerungsanlagen zu errichten, Terrassen zu bauen, Verkehrswege zu schaffen, tüchtige Arbeitskräfte einznführen, ausländisches Capital heranznziehen, für die Sicherheit der Person und des Besitzes zu sorgen. Nur so ist Hilfe möglich, nur so wird die ewige Kraft und Schönheit der Natur, die hier durch den Wust der Barbarei verdunkelt ist, von neuem leuchten.

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