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Die Welt · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Article
Der zweite Baseler Congreß
Date
1898-08-12
Page
5 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 32 J*0*r Seite 5 Der zweite Bajelrr Congrrss. Soweit sich die Wahlen zum Kongress bisher überblicken lasten, wird die Betheiligung der Juden aller Länder — auch der außereuropäischen — eine überaus lebhafte sein. Jnterestant ist vor allem die Betheiligung der englischen Zionisten. Wie man weiß, ist es nach langen Berathungen der verschiedenen englischen zionistischen Korporationen zur Ausarbeitung und Annahme eines Föderationsplanes gekommen. Auf Grund der Vereinbarungen sollte die gemeinsame Arbeit auf dem Baseler Kongreste vor sich gehen. Ein großer Theil der englischen Zionisten hält an diesem Plane fest, eine kleinere Anzahl hat in letzter Stunde einen ablehnenden Standpunkt eingenommen. Das Verhältnis der englischen Choveri Zion zum politischen Zionismus ist ein sehr lehrreiches. Bor dem Auftreten der politischen Zionisten führten die englischen Chovevi Zion ein achtbares, nur wenigen bekanntes Dasein. Auch ihre Betheiliguug an der practischen Kolonisationsarbeit war eine ganz unverhältnismäßig geringe. Seit dem Erstarken der mächtigen Bewegung, deren überall hin sichtbaren Mittelpunkt der Kongress bildet, ist auch das Interesse der englischen Juden für die zionistischen Bestrebungen in bedeutendem Maße gestiegen. In spaltenlangen Artikeln beschäftigen sich jetzt die Blätter mit den Chovevi Zion und ihren Zielen. Wohl gibt es einige englische Zionisten, welche die mächtige Förderung durch den politischen Zionismus noch nicht erkennen. Wir zweifeln aber nicht, dass in Kürze gerade die englischen Chovevi Zion eine der Elitetruppen der Zionisten bilden werden, dass sie, wenn sie es ernst meinen, mit den Zionisten der ganzen Welt zusammen Vorgehen müssen. Mag der eine oder der andere Zurückbleiben. Die volksthümliche Bewegung des politischen Zionismus wird auch die englischen Chovevi Zion ergreifen und begeistern, oder, wenn sie widerstreben, ihnen jeden Halt im Volke entziehen. Es scheint, dass diese Erkenntnis auch denen unter den Chovevi Zion aufdämmert, welche dem Föderationsplan aus irgend welchem Grunde vorläufig noch ablehnend gegenüberstehen. Es istsymptomatisch für die Austastung all dieser Männer, wenn Colonel Goldsmid den Rath gibt, dass die „Leitenden" diese ftuchtbare Bewegung unter ihre Fittiche nehmen mögen. Wir sehen den Zeitpunkt ganz nahe, wo auch diese Männer Schulter an Schulter mit den übrigen Zionisten kämpfen werden. Wir werden sie mit Genugthnung und Freude zu gemeinsamer- Arbeit' empfangen. So schreitet unsere Bewegung stetig uud unaufhaltbar fort. Mit den Juden Englands, Amerikas und Afrikas werden die „Kontinentalen" ihr Bestes zu dem großen Erlösungswerke beitragen. Alle Unterschiede werden in Hinsicht auf das große Endziel zurnckgestellt. Es ist schon jetzt kein Zweifel, dass auch der zweite Kongress ein Bild von der Einmüthigkeit der Juden aller Länder bieten wird. Gerade weil der politische Zionismus jedes Eingreifen in die Politik der Einzelländer strenge verpönt, kann er immer größer werden. Gerade weil er gerne den Sonderbedürfnisten der Juden der verschiedenen Reiche vollen Spielraum und unbeschränkte Bethätigung zuspricht, kann sein Endziel nicht dadurch tangiert werden. Der Kongress wird auch Heuer alles Verbindende hervorheben nnd alles Trennende beiseite lasten. Wir werden den Völkern zeigen, dass wir einig und stark sind in unserem Wollen. Das wird uns ihre Achtung und ihren Beifall erringen, die uns wertvoll sind, ohne dass wir sie überschätzen. Die zionistische Bereinigung für Deutschland, welche durch eine große Anzahl von Delegierten am zweiten Kongresse vertreten sein wird, hat dem Actionscomitö folgende Anträge übermittelt : I. Der Kongress wolle beschließen, folgende Bestimmungen in das Organisations-Statut aufzunehmen: I. Jeder Zionist ist verpflichtet, einen jährlichen Schekel in der vom vorigen Kongress bestimmten- Höhe zu entrichten. -. Die Einziehung der Schekel liegt ausschließlich in den Händen der Landesorganisation. 3. Jede Landesorganisation erhebt die Schekel von den Zionisten des betreffenden Landes und liefert sie an die Kentralcasse der Zionisten ab. 4. Die die obligatorische Höhe übersteigenden Schekelgelder bleiben zur Verfügung der Landesorganisation und werden von ihr zu Agitationszwecken verwendet. 5. Von den der Centralcaste zugesührten Schekelbeträgen fließt ein noch zu bestimmender Theil, der aber mindestens die Hälfte ausmachen muss, in einen Nationalfond, über besten Verwendung nur der Kongress verfügen kann. Der Rest wird von dem Actionscomitö zum Theil für die Ausgaben der Centrale in Wien, zum Theil für die laufenden Ausgaben der Landesorganisationen verwendet, soweit dieselben hierauf Ansprüche erheben. 6. Wahlberechtigt für die Delegiertenwahl zum Kongress sind nur Mitglieder der Landesorganisationen. 7. Jede von der Landesorganisation sanctionierte örtliche Organisation, so weit sie die Zahl 10 erreicht hat, ist berechtigt, einen Delegierten zum Kongress zu wählen. 8. Uebersteigt die Mitgliederanzahl 100, so ist die Organisation berechtigt, für jedes angefangene weitere Hundert je einen Delegierten zu wählen. 0. Die Delegiertenwahl ist eine directe und geheime. 10. Kein Delegierter darf mehr als ein Mandat auf seine Person vereinigen. II. Die Emtheilung der Wahlbezirke und Ueberwachung der Wahlen liegt in den Händen der Landesorganisationen. H. Mit der Zahlung des Schekels sind keinerlei Rechte verbunden. m Die Veröffentlichung der Schekellisten durch das Congressbureau fällt fort. jy Der Kongress wolle den Landesorganisationen zur Pflicht machen, besondere Commissionen zu wählen, in deren Händen die Lösung der culturellen Aufgaben liegen soll. Als Hauptaufgaben dieser Culturcommistionen^ sind nach Maßgabe der Landesgesetze und örtlichen Verhältnipe folgende Punkte ins Auge zu fasten: 1. Herausgabe von Jugendschriften in jüdisch-nationalem Geiste; 2. Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur durch Vorträge und populärwissenschaftliche Werke; 3. Förderung der hebräischen Sprache als lebendige -Sprache durch Leyrcurse und Lesezirkel: 4. Förderung der jüdisch-modernen Belletristik. 5. Errichtung von Turn-, Gesang- und Geselligkeitsvereiven im zionistischen Sinne; 0. Herausgabe von Flugblättern und Broschüren; V. Gründung von zionistischen Zeitungen und Zeitschriften; 8. Stellungnahme zu allen wichtigen jüdischen Fragen der Gegenwart; 9. Bedienung der großen Tagespreise mit objectiven Nachrichten und geeigneten Aufsätzen über die zionistische Bewegung. Neu angemeldete Delegierte: (Die Wiederholung mancher Namen ist durch die mehrfache Wahl der betreffenden Delegierten veranlasst.): Pretoria (S. A. R.): Dr. Moses G a st e r, D. Wolffs o h n (auch in Randfontein und Roodeport gewählt). Russland: Dr. Theodor H erzl, Dr. M. T.Schnirer, Dr. O. K o k e s ch, Dr. Alex. M i n tz, L. K a p l a n, B. Stawski, Dr. B. Nathansohn, Alex. Glückstein. M. Kittroser, G. Syrkin, Dr. S. Rosenbaum, M. H u r w i tz, Dr. T s ch l e n o f f, W. W i s s o tz k i, Doctor L h a s a n o w i tz, A. S ch a p i r o, F. D. I a n o w s k i, A. Horodischz, I. Mohilewer, S. I. Goldberg, S. P. R a b b i n o w i tz, W. G l u s k i n, Dr. I. R ü l f (Bonn), Ingen. A. Perlis, I. Ben-Jakob, M. Hurwitz, Alex. Landsberg. S. Gluskin, M. Kempner, S. P. Rabbinowitz. E. A. Milajkowsky, M. Paduba. L. Horodischz, N. Finkelstein, M. M. Rosenthal, B. Prager, Dr. Ph. A w i n o w e tz k y. Rabbiner A. E. Orlazarow, Rabbiner Henoch Friedland.

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