Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 31 (5.8.1898)
- Article
- Zur Dreyfus-Affaire
- Date
- 1898-08-05
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JJkOWdc Str. 31 Antisemitismus, indem Juden es selber unerträglich finden, abgewandter Stellung thut, um wie viel mehr müsste er wenn etwa Juden iu einem Vergnügungslokale, oder in sich abgewandt haben gegen all dies, was mit dem einem Badeorte oder in einem Vereine verhältnismäßig Assimilationsbegehren der in der Diaspora zurückbleibenden zahlreich vertreten find. Dazu kommt, dass die stolzeren Juden zusammenhängt. Diese k ö n^ne n^ wohl "infolge Gesinnungen von Assimilationsjuden niemals ganz zuveretwaiger zionistischer Erfolge an Stolz und Zurü-Haltung lässig sind. Sobald ihnen nur eine Versöhnungshand gegewinnen, aber sie müssen es nicht nothwendigerweise. reicht würde, würden sie dieselbe mit einer geradezu leiden- Aus Horaz und anderen römischen Dichtern erfahren wir, schaftlichen inbrünstigen Freude ergreifen, ähnlich wie etwa dass, also zu einer Zeit, da das jüdische Reich noch eine, Graf Badeni die durch Luegers Bestätigung zum Oberwenn auch schattenhafte, so doch gesonderte Existenz hatte, Bürgermeister verstimmten Regierungsjuden dadurch zu bereits jüdische junge Leute sich in Rom lächerlicher Weise versöhnen wußte, dass er den Vorsteher irgend einer für Vollrömer ausgaben und ihre jüdische Herkunft zu galizischen Gemeinde in den Adelsstand erheben ließ, verbergen suchten. Zu denen, die bewusster Weise Solch' ein Assimilationsjude mag einem Manne gleichen, nach Assimilation streben, kann der Zionismus doch kein der von dem geliebten Weibe gedemüthigt und abgewiesen näheres Verhältnis haben als zu denen, welche sie auf wurde und nun aus verletztem Stolze, um nur sein Selbsteine wirklich nachdrückliche Art erreicht haben, indem sie gefühl zurückzugewinnen, ein unscheinbares Mädchen heiratet; zum Christenthum übergetreten. Wenn im Dreyfus-Proer fängt allgemach an, sich ein stilles sanftes Dämmercesse ein französischer Jude, wenn auch nur als Statist, mitglück einzugewöhnen, aber sobald jene Erste ihm nur wieder agierte, der bei der Enthüllung eines Revanchedenkmals die Hand darzureichen scheint, ist all seine stille Neigung, so leidenschaftlich schluchzte, dass ein Ofsicier zu ihm an die er sogar selbst geglaubt hatte, wie ausgelöscht, all sagte: „Ich misstraue Ihren Thränen", so dürfte die sein Stolz verschwunden, und er kehrt mit den alten Theilnahme des Zionismus an diesem erhebenden Schau- Gefühlen zu jener ersten Liebe zurück.^ spiele gerade keine große sein. Er kann doch davon rächt Aber der Beziehungen zwischen den etwa zionistisch berührt werden, dass ein Ässimilationsjude in dem Streben organisierten und den gleichsam in der Diaspora lebenden nach hohen amtlichen Stellungen und Auszeichnungen Juden bleiben noch genug bestehen. Wäre auch nur für scheiterte, er muss es logischer Weise bekämpfen, wenn die jenen ursprünglichen Theil der Judenheit etwas Beträchtböhmischen, jüdischen Volkskalender es den „Glaubensliches in positivem Sinne erreicht, so müsste es auch genossen" triumphierend miltheilen, dass der eine Jude auf den Theil, der sich bereits nicht mehr so leicht in Italien Minister, der andere in Frankreich oder Engvon den mannigfachen Bindungen des europäischen land General geworden wäre, und diese für das Ideal nationalen Culturlebens hat lostrennen können, die entder Assimilation verwerten. Und nun soll er für einen schiedenste Wirkung thun. Der Jude in der Diaspora französischen Ofsicier, der in diesem Streben Unbill ergewänne Stolz und Zurückhaltung wieder, wenn er es leidet, in die Schranken treten? Es ist durchaus nicht — eben infolge jener zionistischen Errungenschaften verwunderlich, dass die furchtsamste und demüthigste Assimiüber sich gebracht hätte, nichts anderes sein zu wollen als lationspresse mit der größten Energie für Dreyfus einallein ein Jude, wenn er sein zumeist zappeliges tritt. Es handelt sich doch hier um den Anspruch der Assimilationsbestreben ganz aufgegeben. 9hm könnte man«Juden auf nationale Zugehörigkeit und Anerkennung bei einwerfen, dass eine derartige gesonderte Stellung wohl in.Wihren Gastvölkern; wobei es nicht in Betracht kommt, der Theorie, nicht aber in der Praxis möglich wäre;s «dass gerade durch einen siegreichen Ausgang des Handels jedoch sie ist bereits eine Thatsache bei den Polen, die in * die Aussicht auf Anerkennung dieser Zugehörigkeit wenig- Deutschland, Oesterreich und Rußland immer loyale Ostens in Frankreich selber in eine weitere Ferne gerückt Staatsbürger und doch überall Polen sind. Freilich, die ' würde als je. deutschen Staatsrechtslehrer an den Universitäten wollen _ Es gibt kaum etwas Anderes, woran ein besserer den Begriff der rein staatsbürgerlichen im Gegensätze zur Mensch mit so leidenschaftlichem, gleichsam schluchzenden nationalen Zugehörigkeit nicht gelten lassen; aber wiederum Mitgefühl teilnehmen könnte: man könnte sich leichtlich spottet die Realität des wirklichen Lebens der Theorie, indem vorstellen, dass Einer bei der Nachricht von einem Siege etwa die jungen Deutschen doch nicht als bewusste Nationalder Gerechtigkeit vor Freude Thränen vergösse. Aber dieses deutsche aufwachsen, sondern als reine Menschenkinder, die Mitgefühl ist ein rein menschliches, das nicht dem Capitän den Sinn eines unbefangenen Menschendaseins ausfüllen Dreyfus, nicht dem verfolgten Juden, sondern dem unwollen. Von den jüdischen Gefährten sind die ihnen denn auch schuldig leidenden Menschen gilt, und es verlöre, wenn die willkommensten, die in einem gleichenMinne glücklich bees etwa durch politische Nebengedanken getrübt würde, gabt sind und sich nicht leidenschaftlich um politische und Und dieser bessere Mensch, der niemals ein Parteiinteresse ähnlicheAngelegenheiten bemühen, wie diese jungen Deutschen übereine schöne reine Menschlichkeit triumphieren lässt, es auch peinlich empfinden, wenn sie etwa \u einem Trinkwird auch als Zionist davon nicht alteriert werden, dass feste beisammen sind, Heines Lied vom Mädchen mit dem Dreyfus, wie einer seiner eifrigsten Vertheidiger, der rothen Mündchen gesungen wird, und Erner von ihnen Berichterstatter des „Berliner Tagblattes", mittheilte, zu einen Diseurs beginnt, dass sich hier bei dem jüdischen denjenigen Assimilationsjuden gehört habe, die, um ja Dichter der Mangel an echter Empfindung zeige. Indem nicht in den Verdacht der Parteilichkeit zu kommen, gerade aber der Zionismus die jungen Juden geruhiger machte, die jüdischen Untergebenen mit besonderer Strenge bevon der ausschweifenden Assimiarlionssehnsucht zu dem handeln. unbefangenen rein menschlichen Leben zurückführte, wäre Aber wenn die überaus zahlreichen zionistischen in diesem Zusammenhang seine „Wirkung in die Ferne" Journalisten sich rühmlicherweise allein von diesem entschieden genug. Und endlich: es könnte — um ein Affekte bestimmen lassen, so dürfte die politische Leitung etwas abenteuerliches Gleichnis heranzuziehen — ein der Bewegung sich einzig von politischen Erwägungen Fremdling, der in einem Blockhause als Gast weilte, doch berühren lassen, und da mag sie sich zu dieser Affaire am bei einem Angriffe der Wilden mit der äußersten Theilbesten wohl so diplomatisch stellen, wie die wirkliche nähme' sich an der Vertheidigung betheiligen, ja, er könnte Diplomatie. Ja, wirklich dürfte der Zionismus keine Vermit seinem Gastgeber doch auch auf Kriegspfade ausziehen; anlassung haben, den Drumont, Millevoye u. s. w. feindlich eine ehrliche Gastfreundschaft knüpft doch so zarte und gegenüberzutreten. Und fürchtete er dergestalt die natürlichen seine Beziehungen wie nur die innigste Verschmelzung. instinktiven Gefühle der Massen zu verletzen, so könnte er Wenn der Zionismus auch diese Wirkung in völlig an die Taktik der deutschen Sozialdemokratie im Jahre