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Die Welt · 1898-06-03 · 22 (3.6.1898) · p. 16

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
22 (3.6.1898)
Article
Die Goldschilds
Date
1898-06-03
Page
16 (sequence 3)
Language
German
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Seite 16 j>k$w<r Sir 22. „Dich werden — Juda, Deine Brüder preisen, Deine Hand am Nacken Deiner Feinde, Sich beugen. Dir die Söhne Deines Vaters. Ein junger Leu ist Juda, Wenn Du, mein &ofynf vom Raub Dich hebst. Er streckt sich, liegt wie Löw und Löwin; Wer wagts, ihn aufzuschrecken?* Eine Art Verzückung hatte die Matrone ergriffen, während sie die prophetischen Worte ihres großen Stammvaters mit eigenthümlicher, singender Stimme aussprach. War das noch dieselbe Frau, die für die Seele ihres Enkels so weiches Verständnis gezeigt? Und welchen Platz sollte der herrische Geist, der aus diesem hinfälligen Körper so mächtig gesprochen, in dem neuen Weltgebäude emnchmen, das David aufzurichten geholfen hatte? (Fortsetzung folgt). Bücherwelt. Archiv für Religionswissenschaft. Vor zwei Decennien etwa schlug die Geburtsstunde einer hoffnungsvollen Wissenschaft, deren mächtige Entfaltung immer weitere Kreise in ihren Bann zieht — der Ethnologie, welche, früher kaum dem Namen nach gekannt, jedenfalls nicht nach ihrem Wesen, jetzt fast in aller Munde ist. Diese mächtige Bewegung hat auch Thomas A ch e l i s ergriffen und einer verheißungsvollen Weltanschauung entgegengeführt. Doch verdankt er ganz besonders zwei Männern lebhafte und tiefgreifende Impulse, welche sein ganzes Denken von Grund aus beeinflusst haben. Der eine ist sein väterlicher Freund A. H. Post, der leider zu früh abgerufene, geniale Begründer der vergleichenden Rechtswissenschaft auf ethnologischer Grundlage, welchem das Schicksal es wenigstens noch vergönnte, die Früchte seiner zahlreichen monographischen Arbeiten in einem systematischen Werke, dem zweibändigen „Grundriss der ethnologischen Jurisprudenz" zusammenzufassen, ein Gelehrter voll des universellsten Wissens, ausgerüstet mit einem juristisch geschulten scharfen Verstände und einer seltenen Combinationskraft, und doch eine bescheidene, sich scheu nach innen zurückziehende Statur. Der andere Mentor, mit dem ihn gleichfalls eine langjährige persönliche und schriftliche Beziehung verknüpft, ist der Altmeister der Völkerkunde überhaupt. Ad o lf B ast i an. Es bedarf wohl nur leiser Andeutungen, um es begreiflich erscheinen zu lassen, dass namentlich die von der ganzen überwältigenden Wucht dieses seltenen, leider so vielfach auch unter Fachgenossen missverstandenen Mannes getragenen Anregungen eine fundamentale Revolution in seiner ganzen Auffassung und in seinem Weltbilde Hervorrufen mussten. Hatte er bisher mit der speculativen Philosophie alles nur unter dem Brennpunkte des frei schaffenden, titanenhaft souveränen Ich gesehen, verehrte er in diesem den geheimnisvollen Quell jedes geistigen Geschehens, so tauchte jetzt'vor seinem geschärften Blicke die folgenschwere und bedeutungsvolle Frage nach der etwaigen Entstehung dieses geheimnisvollen Factors auf, und es bildete sich infolge dessen mit Nothwendigkeit in ihm die Ueberzeugung aus, dass unser seelisches Leben sich durchaus nicht, wie man gewöhnlich meint, innerhalb des spärlichen Ausschnittes unseres individuellen Bewusstseins abspielt, sondern in ganz andere Tiefen hinabreicht, von denen bisher nur allzu phantasievolle Speculation geredet hatte, in deren Unergründlichkeit aber die eigentlich inducrive Forschung noch nie ihr Senkblei zu werfen gewagt. Dies empirisch-kritische Material erhielt die Wissenschaft erst mit der Völkerkunde, und daher erfasste Achelis den Bastian'schen Gedanken einer unpassenden, das ganze Menschengeschlecht in sich aufnehmenden und somit die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins umspannenden Socialpsychologie mit dem ganzen verzehrenden Feuer, das große Ideen in unseren Seelen zu entzünden pflegen. Er suchte sich die Tragweite dieser Perspective zunächst dadurch zu vergegenwärtigen, dass er sich in einer rein historischen Untersuchung genaue Rechenschaft über die Entwicklung dieses Processes adlegte und dies Ergebnis in einem Buche niederlegte, welches den Titel führt: „Die Entwicklung der modernen Ethnologie" (Berlin 1888). Um aber auch selbst Hand anzulegen an diesem großen Bau, bedurfte es auch einer genaueren Orientierung innerhalb des weiten Arbeitsgebietes, als sie in einer solchen allgemeiner gehaltenen Skizze möglich war. Diesem Bedürfnisse entsprang die Schrift über „Die Entwicklung der Ehe" (Berlin 18M), welche namentlich auch die gründlichen Umwälzungen unserer Ansichten über den Ursprung der Ehe, über die Formen der Verwandtschaft u. s. w. darstellen sollte. Endlich galt es aber auch, den Umkreis der eigenen Thätigkeit schärfer zu bestimmen, und da ihn seit jeher religiöse und mythologische Probleme besonders interessiert hatten, so suchte er sich die so überaus reiche polynesische Sagenwelt als specielles Arbeitsfeld heraus, zunächst die Perle jener Inselwelt, Hawaii. Die Reihe dieser Studien eröffnete das kleine Werk über Mythologie und Eultus von Hawaii (Braunschweig 1895), und er gedenkt diese Sammlung, welche inzwischen schon manche Fortsetzung erfahren hat, später einmal zu einem Gesammtbilde zusammenzufassen. Zuletzt hat er jenen Gedanken, den er schon in seiner Erstlingsschrift skizzierte, in seinein ganzen Umfange wieder ausgenommen und in dem größeren Werke: „Moderne Völkerkunde, deren Entwicklung und Aufgaben" (Stuttgart 1895) die Stellung seiner Wissenschaft zu anderen Disciplinen und ihr so vielseitiges Programm nach allen Richtungen hin systematisch behandelt. Diese methodologische Untersuchung befestigte immer tiefer in ihm die Ueberzeugung, dass für die endgiltige Lösung der mythologischen nnd religionswirtschaftlichen Probleme ein einträchtiges Zusammenwirken aller betheiligten Disciplinen unbedingt erforderlich sei, anstatt der vielfach bestehenden unfruchtbaren Polemik, in der sich zur Zeit Sprachwissenschaft und Völkerkunde erschöpfen. Ermuthigt durch verschiedene Zuschriften, welche er auf diesbezügliche Fragen erhielt, trat Achelis mit einem bestimmten Programme vor die Oeffentlichkeit, und es gelang ihm in der That, die bewährtesten Specialisten des In- und Auslandes — es sind ihrer über 300 — für sein eben ins Leben tretendes internationales „A rch i v für Religionswissenschaft" (I. C. H. Mohr, Freiburg i. B. Vier Hefte zu 6 Bogen Preis 11 Mark» zu gewinnen. In erster Linie, wie gesagt, galt es, die Animosität zwischen Sprachforschung und Völkerkunde zu beseitigen oder mindestens zu mildern, und Achelis darf aus der Thatsache, dass überall die hervorragendsten Vertreter gerade dieser beiden Disciplinen ihm ihre Mitwirkung zugesagt haben, wohl den Schluss auf eine friedfertige und versöhnliche Stimmung ziehen. Natürlich kommt auch den Philosophen Sitz und stimme zu, da es ihr Amt ist, für die Lösung irgend einer 'Aufgabe durch psychologische Analyse den richtigen Ansatzpunkt zu gewinnen. Nicht minder sind an einer glücklichen Entwicklung der Dinge die Theologen interessiert, sofern sie sich aus den Banden des dogmatischen Schlummers losgemacht haben und einer freieren Auffassung znstreden Dass mythologische und religiöse Ideen ein inteprierender und äußerst wichtiger Bestandtheil jeder Gesittung sind, leuchtet so von selbst ein, dass es fast trivial erscheint, noch ausdrücklich hervorzuheben, dass ihm auch die Arbeit der Eulturhistoriker höchst willkommen ist. Ebenso selbstverständlich ist es, dass Achelis Revue auf streng empirischen Grundsätzen fußt, dass jeder dogmatische Zwang ihr fern steht, und dass sie lediglich wissenschaftlichen Normen und Principien dient Ilm etwaigen Äiissverständnissen von vorneherein vorzubeugen, soll jedoch zum Schluffe noch ausdrücklich bemerkt werden, dass es sich für das „Archiv" überhaupt nur um psychologische Probleme handelt, nicht um eine reine geschichtliche Darlegung bestimmter religiöser Processe innerhalb irgend eines chronologischen Rahmens, sondern nur um die Aufspürung und Firierung von Gesetzen für die Entfaltung des mythologischen und religiösen Bewusstseins, für welche natürlich irgend ein zeitgeschichtlicher Zusammenhang ganz wertlos ist: Achelis strebt mit anderen Worten, wenn auch gleichsam nur vorsichtig an der Hand der Erfahrungen weitertastend, aus der Fülle des sinnverwirrenden Details zu den allgemeinen Grundzügen des Geschehens, und insoferne ist seine 'Aufgabe letzten Endes eine philosophische. Trotz dieses streugwifsenschaftlichen Charakters, den er iu seinem Programme zum Ausdruck bringt, wäre es ein Fehlschluss, wenn er seinen Aufruf nur an die eigentlich fachwissenschaftlichen Kreise richtete: vielmehr wird Jeder, der überhaupt Sinn und Verständnis für die großen Fragen des religiösen Lebens besitzt, in den Spalten des „Archiv" 'Aufklärung und Befriedigung finden. Schon aus diesem Grunde wird es ab und zu allgemein orientierende 'Artikel über die betreffenden Zweige der Forschung bringen, die auch ohne jede fpecielle fachwissenschaftliche Vorbildung dem Leser zugänglich sind. Endlich - und das ist nicht der letzte Grund für Achelis Unternehmen — bedarf es in unserer durch die wissenschaftliche Methodik einer immer mehr zunehmenden Arbeitstheilung zustrebenden Zeit unwidersprechlich eines Eentralorgans. in welchem alle sich sonst in alle Richtungen hin zersplitternden Studien sich begegnen; eine solche vergleichende Umschau ist in der That eine unnachsichtliche Forderung für die Einheit des Weltbildes, welche am allerwenigsten die hehre Königin der Wissenschaften aus den Augen lassen dürste So sehen ,vir trotz der Fülle von Zeitschriften, mit denen unser productionslustiges Zeitalter uns beschenkt, mit gutem Muthe in die Zukunft des „Archivs" und vertrauen auf dessen Büchere inlauf. Die Blume. Gedicht von E. Buchsbanm, in Musik gesetzt von Alfred Roth, Breslau. Hessin XL—LXYl. Hebreuwsche Tekst. Uitgegeven door Dr. J. H. G u in m i n g. Predikant te Utrecht. Rotterdam. J. M. Bredee. 1898. &itt Staatsstreich iw alten Aegypten. Studie zur Beleuchtung der Geschichte Josefs Von Leopold Mandl. Wien Moriz Waizner und Sohn, 1897. Junihcft der Populär-wissenschaftliche» Monatsblättcr zur Belehrung über das Judenthum von Rabbiner Dr. Adolf Brüll. Frankfurt a. M. In Commission für den Buchhandel ,F. B. Auffarth. 1898. .TK“lp!2 bpi J?2»: bp von S. P. R a b i n o w i tz. Warschau. Verlag „Achiasaf" 5658. Herausgeber: p. Dafchnurr. Vcrantw. Red.: Dr. SivAm. Werner. Buchdruckerei „Industrie" (S:Bergmann), VUL, Schlöffelg. 11,

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