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Die Welt · 1898-06-03 · 22 (3.6.1898) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
22 (3.6.1898)
Article
Antisemitismus und Zionismus im alten Ägypten
Date
1898-06-03
Page
14 (sequence 3)
Language
German
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Sette 14 jfo$w<r Nr. 22 dazu missbraucht, eine Unmenge Tempel und priesterlicher Fideicoiilmisse zu schaffen und die arbeitenden Claffen mehr und mehr zu verelenden, was Wunder also, dass die Ammonspfaffen schließlich um jede Sympathie im Volke kamen und sich aus Verschwörungen und Anzettelungen verlegen mussten, um ihre Herrschaft zu erhalten. Bald machten sie einen Putsch mit Hilfe von Affyrern, bald intriguierten sie für einheimische Throrrprätendeuten, dann wieder verriethen sie das Land an die Perser oder an die Aethiopier, kurz, die Priesterschaft, in der vormosaischen Zeit der Segen des Landes, wurde zum Fluche Aegyptens, als sie sich mit kriegerischen Usurpatoren verbinden musste, um sich auf kurze Zeit noch an der Gewalt zu behaupten, weil die unbewaffnete Autorität der Priester nicht mehr ausreichte. „Die junge ägyptische Welt*), übersättigt von tausendjährigen Ueberlieferungen einer längst entschwundenen Vergangenheit, fand Geschmack an der frischen Lebenskraft des semittschen Geistes, dem eine andere, viel anziehendere Weltanschauung eine Richtung nach Vorwärts gab. Dazu kam, dass die fortdauernden Kriegszüge die geistige Enttvickluug in den Priesterschulen des Landes gelähmt hatten. Der Stand der heiligen Väter selber zählte manchen Missvergnügten in seinen Reihen." Diese ftische Lebenskraft und diese semitische Weltanschauung hat Moses zu einem Führer und Retter gemacht. Die Goldschilds. Roman aus dem Ende des 19. Jahrhunderts Friedrich Fürst Wreve. (Fortsetzung.) Welche Fülle von Begebenheiten umkleidete dieses Gerippe in der Erinnerung der alten Apfel-Jüdin! Bon jeder der 11 Leidensstationen wusste sie Erschreckliches zu berichten. Biele Generationen hindurch hatten die Großmütter ihren Enkeln diese Geschichten erzählt, und diese hatten sie wieder durch die eigenen Erfahrungen bereichert, ihren Kindeskindern vererbt. So kam es, dass Sarah um die Leiden und Enttäuschungen der Gemeinden, denen die Familie im Laufe der Zeit angehört, ebensogut unterrichtet war, als hätte sie all diese Trauer selbst mit erlebt. Bon dem Schmerze über Joseph Besons — des Rothschild des 14. Jahrhunderts — Abfall augefangen, bis zu den Triumphen des Mendelssohn'schen Geistes war ihr nichts fremd. Aber nicht nur von Entbehrungen und Schmerz wusste sie zu erzählen! Auch Perioden des Wohlstandes, ja des Glanzes hatten sich ihrem Gedächtnisse eingeprägt. Mehr als einmal' waren große Reichthnmer von ihren Ahnen in erschreckend kurzer Zeit erworben worden. Hatte doch die Abtei Trebitsch die Mitra des Abtes bei einem ihrer Borfahren verpfändet! Es war dies sicherlich ein Zeichen wohlbegründeten Credites, wenn sich das Pfand auch schwerlich an Wert mit den Kronjuwelen des Wviwoden Gregorius meffen konnte, die in gleicher Eigenschaft die Caffe ihres Glaubensgenoffen Koppel Frankl im Ghetto zu Wien zierten. Am liebsten erzählte die alte Frau vom Aufenthalte ihrer Familie in der österreichischen Kaiserstadt. Das halbe dort zugebrachte Jahrhundert bildete ihren größten und edelsten Stolz. War doch die junge Wiener Gemeinde an Gelehrsamkeit, Gottesfurcht und Bildung kaum einer in ganz Europa nachgestanden. Bier Generationen waren seither in das Grab gesunken. Und noch lebten im Sttibel der Apfel-Jüdin die bedeutenderen *) Brugsch-Bey, Gesch. Aegyptens, 052. Namen jener Epoche fort! Mit scheuer Ehrfurcht und Dankbarkeit wurde der berühmten Aerzte Aron und Juda Löb Maorkaton, der einflussreichen Familien Rapopvrt, Hurwiz, Auerbach oder Austerlitz gedacht. Vom berühmten Rabbiner Lipmann Heller gar nicht zu reden! Es war wohl kein Wunder, dass eine Frau, die solche Geschichten zu erzählen wusste, aufgeweckte Kinder an sich zog. David — der doch längst den Knabenschuhen entwachsen war — freute sich den ganzen Tag auf den Abend. Auch ohne die leidenschaftlichen Bitten Sarah's wäre dieser für einen Besuch bei der Großmutter bestimmt gewesen. Kaum dass der Sabbath beendet, machte sich der Mediciner in Begleitung Raphaels auf den Weg. IV. Jsak Goldschild erwartete die Vettern vor der Thüre des Häuschens und führte sie im Triumphe in die Stube, wo die Großmutter David willkommen hieß. Der Student musste vor der alten Frau niederknieen und sich lange von ihr aufmerksam in das Gesicht sehen laffcn. Dann strich sie ihm' mit der welken, zitternden Hand das Haar aus der Stirne und sprach feierlich: „Ja — Du bist David — meines Sohnes Joseph Kind!" Die alte Sarah war die Erste, die dem Mediciner seit seiner Rückkehr in die Heimat von seinem Vater sprach. Und damit hatte sie den Schlüffel zu seinem Herzen gefunden! In der Synagoge, beim Oheim Rüben, geschweige denn bei Nathan, war David ein Fremder geblieben. Die Heimat hatte er dort nicht gefunden, denn er hatte es ja längst verlernt, wie seine Angehörigen zu denken und zu hoffen. Nun aber kam diese alte Iran und sprach ihm von seinem Vater! Und mit einem Schlage löste sich die Eiskruste von seinem Herzen! Das unbeschreibliche, weiche Gefichl: Hier gehörst Du hin! Das ist Dein Stamm, dessen Vergangenheit Du unwiderruflich theilst! trübte ihm die sonst so klar blickenden Augen. Die kluge alte Sarah schien die Regung seiner Seele zu verstehen. Sie legte den Arm um den Kopf des Enkels, so dass der weite, falttge Aermel den beiden anderen seine Thränen verbarg und fragte zärtlich: „Willst Du noch einen gebratenen Apfel mein Jnigel*)?" David ermannte sich. Er sprang auf und rief, seine wehmüthige Stimmung durch laute Lustigkeit verbergend, lachend: „Ja freilich will ich einen, Babe**) — wenn sie noch so gut sind wie früher!" „Besser — Jnigelchen — bester sag ich Dir!" kicherte die Alte sich mühsam erhebend. „Und eine neue Art habe ich, sie zu bereiten — süß — dass Dir das Waffer im Mäulchen gerinnen wird!" Damit humpelte sie durch die Stube, holte vom Fensterbrette vier große, rothwangige Früchte herbei, höhlte in jede mittels eines spitzen Messers ein Loch und steckte in dieses je ein großes Stück Zucker. Das war die neue Art der Zubereitung. Denn zur Zeit, wo David noch als Kind zu den Füßen der alten Sarah gesessen, hätte man vergebens nach süßem Naschwerk im Sttibel gesucht. Der Student verfehlte daher auch nicht, seinem Erstaunen über die Findigkeit seiner Babe beredten Ausdruck zu geben. Da im kleinen Ofen Winter und Sommer stets Feuer praffelte, waren die Aepfel bald gebräunt und die drei Vettern Goldschild saßen nun, jeder seine Frucht andächtig verzehrend, um die Großmutter, die sich die ihre vortrefflich schmecken ließ. Dann bat David um ein „Maiszele"***), wie es mir die Babe zu erzählen wiffe. Aber Sarah schüttelte den Kopf. *) Jnigel, Enkel. **) Babe, Großmutter. ***) Maiszele, Geschichtchen.

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