Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 18 (6.5.1898)
- Article
- Max Nordau in Berlin
- Date
- 1898-05-06
- Page
- 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 18 ©eite 7 neue Mitglieder der Bereinigung beittaten, eine große Anzahl an den folgenden Tagen schriftlich ihren Beitritt anzeigten, und viele Anwesende sich in die Schekelbücher eintrugen. In gehobener Stimmung verließen die Versammelten gegen 12Uhr das Local, noch ganz erfüllt von dem gewaltigen Eindruck, den sie einmaligen, aber wohl zum kleinsten Theil erwartet hatten. H. T. Könnte man die Bundeslade wirderstnden?*) Von Henning Melander (Stockholm). (Fortsetzung.) Ja, die Bundeslade muss südwärts, das Josaphatthal (Kidron) entlang geführt worden sein. Eine derartige Meinung scheint auch der Verfasser des Buches Enochs gehabt zu haben, denn Cap. 89:38—39 berichtet er: „Ich stand und sähe ihn (den Herrn) herabsteigen in das alte Gebäude, während die Säulen desselben herausgetragen wurden, sowie alle darin befindlichen Blumen, der Epheu und das Elfenbein, womit es umgeben war. Sie trugen es hinaus und brachten es an einen Ort zur rechten der Erde", das ist südwärts vom Tepipel aus.**) Bemerkenswert ist es auch, dass man in dieser selben Richtung nach dem Brunnen gesucht hat, in welchem die Priester, nach 2 Makkabäer 1 :19, bei Beginn der Babylonischen Gefangenschaft das heilige Feuer verbargen. Denn da unsere Väter in Persien weggeführt worden, heißt es, haben die Priester das Feuer vom Altar in eine tiefe, trockene Grube versteckt und erhalten, dass es Niemand erführe und als man im Mittelalter, gestützt auf ältere Berichte tief unten im Josaphatthale B!r Eyüb entdeckte, so glaubte man in diesem den Brunnen wieder gefunden zu haben, in welchem das Feuer verborgen worden war, und die erwähnten Sagen dürften daher von Lebenselementen aus dem Salomonischen Tempel berichtet haben, welche in jener Gegend verborgen worden waren, wo Bir Eyub liegt. Ein weiter recht bemerkenswerter Umstand scheint mir auch zu sein, dass man in früheren Zeiten irgendwo im Josaphatthale eine Kirche erwähnt***) in welcher Gott das jüngste Gericht halten sollte, denn der Grundgedanke der Vorstellung, Gott werde in einer Kirche zum Gericht erscheinen, war, scheint mir, schwerlich ein anderer, als dass man die Bundeslade — den Thron Gottes — in dem erwähnten Thale verborgen wähnte, wo die Kirche erbauet war und dass das Gericht in diesem Thale mit der Erscheinung derselben beginnen werde. Hier hat man augenscheinlich die Sagen über das Wiederfinden der Bundeslade mü dem von Joel geweissagten Gericht im Thale des Josaphat in Verbindung gebracht und man hat sich die Bundeslade, den Thron des Herrn, als einen Richterstuhl gedacht, der im Gerichtsthale aufgestellt werden follte, in den Tagen, da Juda wieder ausgerichtet werden sollte. Diese Combination scheint mir auch in hohem Grade einleuchtend, denn wenn wirklich im Josaphatthale Recht gesprochen werden soll — und die Weissagung nicht ausbleibt — so ist es ja anzunehmen, dass das Gericht in der Weise gehandhabt wird, dass z. B. die Bundeslade zugleich mit den heiligen Schriften Israels, in welchen die Sünde Judas verzeichnet ist, herzugebracht wird. *) Vgl. Nr. 16 und 17 der „Welt". **) Vgl. die bereits wiedergegebene Sage aus Baruchs Apocalypsis von dem Engel, der herabstteg in den Tempel um seine Schätze zu nehmen und zu verbergen. Bis Evüb „The well was rediscovered by the Franks in 1184. A. D. — The Survey of Western Palestine-Jerusalem p. 371. „Puteus iste ab omnibus regionis islius habitatoribus, Nehemiae vel ignis puteus nuncupatur, Ratio est, quoniam ille esse creditur, in quo Sacerdotes jussu Jeremiae Prophetae acceptum de altari ignem absconderunt, quando de proxima Judaei in Persidem cupitui ducendi erant“. — Quaresmius. Toni. 11., Cap. XV, P. 270. — De puteo Nehemiae. ***) The itinerary of Bernard theWise (A. D. 870): „Also in the Walley of Jeliosaphat there is a church in honour of St Leontius, in wliick il is said the Lord will come to judgmeut“. Palest. Pilgr. Text Soc. Gott wird richten durch das Wort, welches er geredet, und ein Urtheilsspruch dürfte über Israel und die ganze Welt hinausgehen von den Schriften, die man neben der Bundeslade wieder finden wird. So lässt es sich auch denken, dass dieser Gottesthron auf dem Richtplatze im Josaphatthale aufgestellt wird, dass ein wieder errichtetes Zion vor diesem seine Rechtszwistigkeiten schlichten wird, wie in alten Zeiten, und dass derselbe Thron endlich auch für die heidnischen Völker ein Richterstuhl werden wird — ein bleibendes Schiedsgericht, etwa wie es unsere heutigen „Freunde des Friedens" anstreben, vor welchem sie ihre Zwistigkeiten im Guten entscheiden können, anstatt zu wandeln nach des bösen Herzens Härtigkeit und sich zu bekriegen, denn in den Tagen, da die Bundeslade ihre Bestimmung erfüllt haben wird, da wird Jerusalem für die Völker das geworden sein, was die Bundeslade für Israel war — ein solcher Thron des Herrn, und Israels Aufgabe wird es sein, den Frieder: zu vermitteln. (Jerem. 3 :17). Ein Bundesvermittler soll es für die Völker werden, und danach werden diese sich nicht mehr bekriegen. (Jesaia 4-2:6; Sak. 10 :4-, Dan. 7 : 27, Mika 4-: L—3 jc.'). Wenn aber die Bundeslade demnach als ein Zeichen des Gerichts im Gerichtsthale aitfgestellt werden soll, dann ist sie vielleicht bereits hinaufgeftiyrt worden dahin. (Her. 37 : 26—27). Ja, die Bundeslade war ein Richterstuhl, und wo sonst hat man wohl den Richter st uhl zu suchen als auf dem Richtplatze? Es ist ja selbstredend, dass er dort gesucht werden muss. Im Thale Josaphats, das ist im Schlachtthale, ist die Bundeslade zu suchen, ganz unten in dem traditionellen Josaphatthale, wo die Räte Judas und Jerusalems sich erschöpfen sollten (Jerem. 19 :7), denn dahin zeigt gleichfalls die Tradition wie wir gesehen haben, und dies bedingt auch die topographische Lage von Jerusalem, sofern die Bundeslade auf unterirdischen Wegen hinweggeführt wurde. Wir werden auf den Ott in dieser Gegend hingewiesen, der ehemals den Namen „Thopheth" hatte und später Gehenna genannt wurde, wo das ewige Feuer außerhalb Jerusalems aufrecht erhalten wurde, denn in Thopheth war cs, wo die Ratschläge Judas sich erschöpfen sollten und gerade dieser Ort ist daher Israels Richtplatz im allerengsten Sinne. Aber die heiliggehaltene Bundeslade sollte sie in dem unrein geachteten Thopheth verborgen worden sein? Das klingt anfänglich unwahrscheinlich, aber der Herr spttcht durch Hezekiel: „Siehe, ich will mein Heiligthum euren höchsten Trost, die Lust eurer Augen und eures Herzens Wunsch, entheiligen" (24:21) und dann liegt das Gericht über die Sünde Judas, dass das Heiligthmn eben an jenen Ott gebracht werden sollte, wo man dem Moloch zu opfern pflegte; und ferner war es, auch von einem näher liegenden Standpunkte aus bettachtet, klug gehandelt, wenn man die Bundeslade an einem Orte verbarg, der wie dieser durch seine überaus große Unreinigkeit alle Schatzgräber fern halten musste, denn am unreinen Orte fiel es keinem ein, Schätze zu suchen. Und nun sagt auch Jeremias, der die Bundeslade verborgen hat, selbst so deutlich wie möglich, dass kein anderer Ort so unzugänglich für Schatzgräber sei, wie dieser, und diese des Propheten eigene Worte dürsten wohl in gewifier Weise maßgebend sein. Diese seine Worte scheinen mir auch so deutlich wie möglich erkennen zn lasten, dass er die Bundeslade in der That an diesem Orte verborgen haben umss, denn liest man den Anfang des 8. Capitels Jeremias im Zusammenhang ulit dem 7. Capitel, so ersieht man daraus, wie der Prophet einerseits von einem Begräbnis spricht, das in Thopheth stattfinden sollte, anderseits aber von einem Auswerfen der Totengebeine ans allen übrigen Gräbern. Man sollte in Thopheth begraben, aber aus den Gräbern der Könige, der Fürsten, der Priester, der Propheten und der Bürger sollten die Gebeine ausgeworfen werden, und mit diesen Wotten gibt er zu verstehen, dass sie ü b e r a l l, a u ß e r i n T h o p h e t h, ausgeworfen werden sollten.