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Die Welt · 1898-04-29 · 17 (29.4.1898) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
17 (29.4.1898)
Article
Könnte man die Bundeslade wiederfinden?
Date
1898-04-29
Page
4 (sequence 3)
Language
German
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Seite 4 Nr. 17 geschwebt hatte, welche aber wohl nichts weiter war als aus der Erde aussteigende Gase vulkanischen Ursprungs. Ja, der Hinweis aus Nebo ist augenschenscheinlich irrig, wogegen der Hinweis am Schlüsse der Maccabäer-Neberlieserung auf einen von Salomo in Jerusalem hergerichteten Ort eher der Beachtung wert erscheint, und dies um so mehr, als man in älteren Zeiten die Maccabäer-Neberlieserung in der That mit Jerusalem in Verbindung gebracht hat, denn mit dieser Stadt wird sie von Ludolsus von Sudheim (1335), Joh. Tücher (1479). Beruh, von Breidenbach (1483) und von Peter Fassbender (1492) in Zusammenhang gebracht. Aus einen unterirdischen Ort in Jerusalem, der mit dem Tempelplatz in Verbindung steht und von Salomo eingerichtet war, werden wir auch von Maimonides (1135 n. CH.) verwiesen, wie ich dies vorhin gezeigt habe. Aus den gleichen Ort weist auch Baruchs Apokalypse hin und ersichtlich auch das Himmelsfahrtsbuch. Daraus deutet auch das Buch der Offenbarung hin, denn das Wiedererscheinen der Bundeslade ist daselbst mit der Eröffnung des Tempels zusammengesührt: und aus einen Ort in Jerusalem werden wir schließlich auch dadurch verwiesen, dass die Bundeslade bei der Gelegenheit verborgen N'vrden sein muss, als der Tempel restauriert wurde, zur Zeit des Josias, und dadurch, dass sie im Zusammenhang mit dem Befehl des Josias, sie an den von Salomo errichteten Ort zu bringen, aus der Weltgeschichte verschwand, denn dabei wurde erwähnt, sie solle ferner nicht mehr aus Schultern getragen werden wie sie in älteren Zeiten der Unruhe getrogen worden war, als man sie aus Furcht vor deni Feinde von einer Lagerstätte zur anderen schaffen musste*). Sie sollte in Jerusalem verbleiben; denn daselbst war ihr eine Stätte bereitet und dort sollte der Herr wohnen immerdar; und trug man sie nicht länger ans den Schultern, so führte man sie weder nach Nebo noch anders wohin, sondern verbarg sie in Jerusalem an der unterirdischen Stätte, die schon König Salomo ihr bereitet hatte ,nnd daselbst befindet sie sich auch noch heute, denn eine goldene Kiste konnte nicht verwittern. Eine andere Frage ist nun aber die, wo in Jerusalem die heimliche Temvelkammer zu suchen ist, in der die Bundeslade verborgen wurde. Dass sie nicht in unmittelbarer Nähe des Tempels verborgen wurde, ist augenscheinlich, denn daselbst mussten die Schatzgräber in erster Linie nach Schätzen forschen. Tie unterirdische Tempelkammer muss so weit von dem Allerheiligsten entfernt gelegen haben, wie cs die damals zu Gebote stehenden Mittel für unterirdische Arbeiten gestatteten, sich in den Felsen hineinzuarbeiten. In welcher Richtung mag aber wohl ein solcher Tunnel geführt worden sein? Diese Frage wird jeder Bibeltopograph beantworten können, denn ein längerer unterirdischer Tunnel kann schwerlich in anderer als in südlicher Richtung gefiihrt worden sein. (Fortsetzung folgt.) Anker jüdischen Proletariern. Von Dr. S. R. Landau. VI. Warschau. (Schluss.) Außerhalb der Stadt befindet sich ein großer, viereckiger Platz: plne droui. Dort ist der Trödelmarkt. In Holzzelten werden allerlei alte Gegenstände oder auch neue Sachen mindester Qualität für die Bekleidung oder Wirtschaft feilgeboten. Daneben versuchen auch Handelsschreier, ihre aufgekauften Waren an den Mann zu bringen. Oft bilden nur ein Paar Stieselröhren ihren ganzen Vorrath, und es vergeht ein ganzer Tag, ohne dass sie einen Käufer dafür fänden. Denn auch hier vertheilen sich An- 1 Chron. 23: 25—27. gebot und Nachfrage ganz ungleichmäßig. Die Conjuncturen sind nach Jahreszeiten und Tagen stets verschieden. Auch Lebensmittel-Verkäuferinnen suchen hier Absatz und Verdienst. Sie sitzen bei ihrem Kram, der mit Bäckereien, Kuchen und Früchten bedeckt ist und machen einen Umsatz, der das Ergebnis von l oder 2 Kopeken- Verkäusen bildet. Einige nichtsthuende Gaffer stehen umher und leisten ihnen Gesellschaft, da ihnen die Kunden nicht allzuviel zu schaffen geben. Das sind die Lastträger ohne „Nummer", die keine Concession besitzen, weil sie nicht die Taxe zu bezahlen haben. Sie warten, bis es etwas zum Tragen gibt, oft den ganzen Tag. 15—20 Kopeken bilden ihre durchschnittliche Tageseinnahme. Verdienen sie auch manchmal mehr, so gibt es wiederum Tage, an denen ihr geselliger Verkehr mit den redegewandten Nachbarinnen durch nichts gestört wird. Die große Arena, die sich um den Markt ausbreitet, ist ganz leer und gewährt uns eine freie Aussicht bis zu der sich im Hintergründe hügelartig erhebenden „Citadelle". In der entgegengesetzten Richtung, ganz nahe vorn Trödelmarkt, von dessen Besuchern stark in Anspruch genommen, befindet sich die jüdische Volksküche. Ein kleines Holzgebäude aus einem großen Platze. Aus dem Freien gelangt man durch eine Thüre sofort in den Speisesaal. Schon um 11 Uhr beginnen sie, zum Mittag zu erscheinen: Männer, Frauen, Kinder, Juden und auch Christen; kümmerliche Gestalten in fadenscheinigen Kleidern, mit verwilderten Bärten und Halstüchern, deren Farbe nicht mehr zu erkennen ist, die Frauen, vorzeitig gealtert, mit welken, gramdurchfurchten Gesichtszügen, die uns unter der verblichenen Perrücke angrinsen. Die Kinder, die in großer Zahl anwesend sind, bilden einen angenehmen Contrast zu ihrer Umgebung. Bald sich schüchtern in einen Winkel verkriechend, bald trotzig mit den Altersgenossen um einen Platz kämpfend, sind sie doch reinlich und nett. Sie fühlen sich hier wohl, denn sie können sich sattessen. So lernen sie frühzeitig das Heim entbehren, das ihnen nichts zu bieten vermag. Es sind Schüler der Talmud-Thora- und Handwerkerschulen. Durch eine Barriöre vom Speisesaale abgegrenzt, befindet sich die Küche. Ein Ehepaar in älteren Jahren, joviale Leute, deren unversiegbarer Humor sich auch manchmal den Gästen mittheilt, führen hier das Scepter. Sie ist die Köchin, er der Verwalter, Cassier und --- Unternehmer. Das Volksküchen-Comitö hat sich ein ganz eigenes System zurechtgelegt. Es erhält die Küche nicht in eigener Regie, es vergibt sie selbstverständlich auch nicht an einen Pächter: die Regie wird von einem Unternehmer bestritten, der zur Deckung seiner Spesen und als eventuelle Entschädigung für seine Mühewaltung eine Subvention von 40 Rubel monatlich erhält. Dadurch entfallen für das Comitö jede weitere Verrechnung und alle sonstigen Betriebskosten. Es bleibt ihm nur die Controle über die Qualität der verabreichten Speisen und über die Einhaltung der fixierten Preise. Das Ehepaar macht an diesem „Unternehmen" kein Geschäft. Die Preise sind verblüffend billig. Die Suppe kostet 2 Kopeken, das Fleisch (4 Loth in gekochtem Zustande) ebensoviel, das Brot 1 Kopeke, zusammen ein Mittag für 5 Kopeken. Dabei ist die Kost gesund und nahrhaft. Und trotzdem sie streng rituell ist, wird die Küche mit Vorliebe von Christen besucht. Oder vielleicht, weil sie es ist? Viele begnügen sich zu Mittag mit der bloßen Suppe und Brot. Sie werden „durchwärmt", nachdem sie lange in der großen Kälte dieses nördlichen Klimas aus offener Straße ihrem Erwerbe nach gegangen sind. In Warschau gibt es drei jüdische Volksküchen; eine davon nur fürli th au isch eJuden. Die oben geschilderte wird an manchen Tagen von 1200 Menschen besucht. Die meisten sind hier Stammgäste. Denn nur von einem Sonnabend zum andern wird zuhause gegessen, bei denen, die Familie haben. Und die von der Fremde nach Warschau

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