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Die Welt · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Article
Das neue Ghetto
Date
1898-04-15
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Nr- 15 Termine. Nichts von Wichtigkeit. Sie blieben nur ein paar Minuten. Jacques sagte mir nachher, es handle sich um einen Erbschastsprocess, in dem er einmal den Wurzlechner vertreten hat. Und wirklich, sie hatten von Wurzlechner gesprochen — er und die Officiere. Ich marnämlich an der Thür und lauschte — aus Angst, glauben Sie mir, nur aus Angst. W a s s e r st e i n. Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Lauschen is menschlich — wenn man etwas erfahren will. Hermine. Jacques nannte ein paarmal Wurzlechners Flamen — mehr hörte ich nicht, sie sprachen so leise. Wasser st ein. Sie sprachen leise? Nu, Gott sei Dank, dann is es nichts Ernstes. H e r m i n e. Und Wurzlechner war auch heute Vormittag da, seit langer Zeit zum erstenmal — und Jacques ist mit ihm fortgegangen. Sie haben mir lachend Adieu gesagt. Was ferst ein (erleichtert). Nu also, nu also! ... Was haben Sie sich eingebildet? H e r m i n e. Das, woran aud; Sie jetzt dachten, dass es mit Schromm Zusammenhänge. Was ferste in. Der wird sich hüten, dem Herrn Gemahl in die Nähe zu kommen. Eine Ohrfeige hat er doch bekommen! Ich sag' Ihnen, geklatscht hat sie. Hermine (seufzt). Ich kann darüber nicht lachen. Was ferst ein. Aber ich! Der ganzen Welt Hab' ich es erzählt. Es hat auf die Bors einen sehr guten Eindruck gemacht. H e r m i n e. Ach. Unsinn! Was ferst ein. Und wie es mich gepackt hat, ich kann es gar nicht sagen. Wenn Sie gehört hätten, wie er sich angenommen hat für die armen Arbeiter! Es is mir geworden heiß, es is mir geworden kalt über den Rücken. Ich geb', ich nehm', alles dreht sich um Geld. Aber es gibt noch etwas anderes: Ehre! H e r m i n e. Ja, er sagt das oft! Wasserstein. Ich kann es nicht so sagen. Aber aufgeregt hat es mich. Ich weiß, ich bin der Niemand — ob ich Geld Hab' oder keins . . . Mir muss alles recht sein. Aber Gott sei Dank, dass es noch andere Juden auch gibt . . . Vielleicht, wenn ich etwas gelernt hätt' und nicht immer so ein gedrückter Mensch gewesen war', an dem sich alle die Stiefel abgewischt haben — wär' ich vielleicht auch anders . . . Sie brauchen mir nicht zu widersprechen . . . Wie steh' ich da? Ich muss mir alles erkaufen — mit Geld. Ich muss zahlen für die Freundschaft, für die Liebe, zahlen, dass man mich nicht schief ansieht — wie wenn ich immer im Gasthaus wär' . . . Hab' ich Geld, heißt man mich ins Gesicht Herr von Wasserstein — und lacht mich aus, wenn ich mich umkehr' . . . (Weich). Ich thu mir leid. Hermine. Was haben Sie denn heute? Wasserstein. Es geht etwas in mir vor — ich weiß nicht, was. Es dreht sich etwas in mir herum — da drin — ich kann nur nicht sagen, was es ist. Es is mir, als wenn ich Bleipatzen auf mir hält', dass ich mich schleppen muss — und Jemand neben mir sangt auf einmal an zu stiegen, wie ein Vogel! Ich versteh' nicht, wie er fliegen kann'— der Herr Gemahl und ich schau ihm nach, ich schau' ihm nach ... Hermine. Sie sind doch ein guter Mensch, Herr Wasserstein. Wasserstein. Lächerlich! . . . (Man klopft). 3. Scene. Vorige, Rhcinbcrg. Rheinberg (aus der Mitte). Sagt niemand herein? ... Ich habe die Ehre, Herr von Wasserstein!^ Wasserstein (nachlässig). Tag, Rheinberg . . . Ich werd' mich also jetzt empfehlen. Rheinberg (drückt Herminens Arm, leise, dringend), Lass' ihn nicht fort! H e r m i n e (leise). Warum? Rheinberg (wie früher). Du musst mir helfen! (Laut). Herr von Wasserstein! W a s s e r st e i n (bleibt am Ausgang stehen). Nun? Rheinberg. Warten Sie ein bisschen auf mich. Wasser st e i n. Wozu? Rheinberg. Sie können mich dann in Ihren Wagen mitnehmen — den ich unten gesehen Hab'. Wass er st ein sironisch). Hab'ns geseh'n, mein Wagen -- Gummiräder! . . . Aber ich Hab' mich schon empfohlen. H ermine (lächelt«. Sie können ja zurückkommen. W a s s e r st e i n. Ist auch wahr. Kann ich auch « Kehrt um, setzt sich links vorn). R h e i n b e r g. Gleich bin ich fertig, Herr von Wasserslein! (Zu Hermine). Ist Dein Mann nicht zuhause? (Zieht sie nach rechts vorn). H ermine. Er ist bei einer Tagsatzung. (Wieder besorgt). Er sollte schon zurück sein . . . Was willst Tu von ihm? Rheinberg (flüsternd). Nichts. Es ist nur eine Ausrede . . . Du musst Wasserstein bitten, dass er mich schont! Dir wird er es nicht abschlagen. Er war in Dich vernarrt. Er isi's noch . . . D e r m i n e. Was gibt es denn? Rheinberg. Er'kann mich erdrosseln. Er hat die Rosamunden-Actien, die ich schuldig bin. Jetzt weis; ich es. Wenn er mich einzwicken will, bin ich verloren . . . Bitt' ihn um Gnade für mich! H e r m i n e. Gut. (Wendet sich nach links). R h e i n b e r g (laut). Weißt Du was, Hermine, ich schreibe das lieber für Jacques auf . . . (Setzt sich an den Schreibtisch). Du könntest etwas vergessen. (Lauscht, schreib: scheinbar). Her min e (geht zu Wassersteiu). Lieber Herr Wasscrstein, ich habe einen diplomatischen Auftrag an Sie. W a s s e r st e i n. (aufstehend). So? Von wem? Hermine. Von Fritz. Er hat mir seine Lage eröffnet. Sie können ihn verderben. W a s s e r st e i n. Ich? Spass! H ermine. Genau versteh' ich's nicht. Er sagt, er wäre eingezwickt. W a s s e r st e i n. (erräth). In Kohlen? Rosamunden! H ermine. Ja. W affe r st e i n. Ich Hab' geglaubt, cs ist Schlesinger ... Er ist es? Hermine chittend). Richten Sie ihn nicht zugrunde! Soll ich Sie mit ihm allein lassen? Wasser st e i n (nickt). H e r m i n e (links ab). W a s s e r st e i n (geht nach rechts, klopft Rheinberg auf die Schulter). Rheinberg, Sie sind ein Esel! Rheinberg (steht auf, demüthig). Warum, Herr von Wasserstein? Wasser st ein. Weil Sie sich einzwicken lassen. Rheinberg. Ich bin in Ihrer Hand. W a s s e r st e i n. Und weil Sie sich vor mir fürchten. Vor Ernanuel Wasserstein! Verdient hätten Sie es, denn Sie haben mich oft gekränkt . . . aber. . . (Mit einem Blick nach links) ... ich werd' Sie herauslassen! R h e i n b e r g (ergreift Wassersteins beide Hände). Mein Wohlthäter. . . Sie edler Mensch! 4. Scene. Vorige, Wabi. W a b i «stürzt herein). Herr von Rheinberg! Rheinberg. Was schreien Sie denn so? W a b i. Der Herr Doctor Wurzlechner is draußt, und er will mit Ihnen sprechen. R h e i n b e r g. Mit mir?

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