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Die Welt · 1898-03-18 · 11 (18.3.1898) · p. 16

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
11 (18.3.1898)
Article
Eine Vorrede
Date
1898-03-18
Page
16 (sequence 4)
Language
German
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T6 Nr. 11 Er war mir nicht nur ein Freund, er war mir auch der „christliche Mitbürger", der gern mit mir verkehrte. Es war so. schmeichelhaft — wir haben ja doch immer was vom Ghetto in uns. Dankbarkeit, wenn man uns wie andere Menschen behaut Dafür wollte ich ihm dankbar sein, indem ich mich na h ihm modelte, seine Gewohnheiten annahm, soweit ich es vermochte, seine Sprache redete, seine Gedanken dachte .. . Und er lasst mich stehen, er lässt mich einfach stehei. l Vj Fr a u S a:m u e l. Wenn Du Dir selbst untreu wurdest, mein Kind, so darfst Du Dich nicht beklagen, wenn auch andere Dir untreu werden. Jacob. Du hast recht, Mutter! Recht, wie immer. S a 11t uel. Unsere Philosophin! Aber jetzt komm'! Ich bin schon eine Stunde fort vom Geschäft! H c r m i n e. Bleibet doch noch! Frau Samuel. Wir müssen, mein Kind. Das Geschäft darf nicht so lang allein bleiben. Samuel. Wenn der Geselle etwas schlecht macht, sagt die Kundschaft, ich bin der jüdische Schwindler. Frau Samuel. Du versprichst mir, Jacob, dass Du Dich nicht überanstrengst. Jacob. Ja, Mutter. (Küsst sie.) F-rau Samuel (zu Hermiue). Du gibst mir aus ihn acht! H e r m i n e (küsst ihr die Hand). Verlasst Dich darauf, Mama — wenn er folgt. Samuel (legt Herminen die Hand aus den Kops). Gott sei Dank dafür! (Ab durch die Mitte mit Frau Samuel, gefolgt von Hermine und Jacob, die nach einem Augenblick zurückkehren.) 5. Srene. Jacob, Hermine. Jacob (seufzend). Es ist wahr, schad' um jede Arbeit- Wenn der absallen konnte . . . (Wirst sich in den Lehnstuhl.) Ich weiß nicht, ich komme mir ärmer vor, mich sröstelt's ein bischen. H e r m i n e. Weil Herr Dr. Wurzlechner sich zurückzicht? (Setzt sich zu ihm.) _ Jacob. Siehst Du, es gibt Dinge, Fälle, wo ich gleich weiß: das werd' ich nicht verschmerzen. Es ist da etwas gebrochen, was nicht heilen kann — wie wenn einem innerlich was passiert, was durch jede Bewegung aufgerüttelt wird. Du dürftest Dich nie mehr bewegen — da würd' es vielleicht gut. Aber dann wärst Du todt. (Kleine Pause.) Hermine. Meine Schwester ließ herübersagen. Du sollst Rheinberg erwarten. Jacob. So? Hermine. Er kommt gegen elf Uhr. Jacob. Meinetwegen. H e r m i n e. Du bist nicht freundlich gegen ihn. Jacob (zerstreut). Ich? Das kommt Dir nur so vor. H e r m i n e. Nein, nein. Er nähert sich Dir immer und Du bist kühl. Jacob. Vielleicht — wohl möglich. Aber ich habe nichts gegen ihn. Es ist nur nicht mein Kreis, eine andere Atmosphäre. Da findet man sich schwer hinein. Die Freunde, mit denen ich bisher lebte, waren anders. Hermine (leise ironisch). Sprich mir von Deinen Freunden! Jacob. Du hast ganz Recht... (Lacht bitter.) Sie verstoßen mich, sie wollen nichts von mir wissen. . . Der da war noch der Beste! Und der konnte mir das anthun. Ah, es ist zum Lachen — oder zum Weinen. Weg, Jude! Zurück in's Ghetto! H e r m i n e. Jetzt, glaub' ich, übertreibst Du. Jacob, Nein. Das Ghetto ist die Absonderung, die ich nicht will, die mich kränkt und die ich ertragen soll. Hermine. Ertrage sie — sei gescheit! Jacob. Na ja, man hat sich's anders vorgestellt... H e r m i n e. Wenn sie Dich draußen nicht gelten lassen — hier bei uns giltst Du. Schau, meine Leute haben Dich alle gern. Sie sprechen init Achtung von Deinem Talent und Charakter. Genügt Dir das nicht? Jacob (lächelnd). Es muss wohl. Hermine. Rheinberg hält große Stücke auf Dich, sei also nicht schroff. Du weißt jetzt, wie die Ablehnung schmeckt. Jacob. Schau, wie Du plaidieren kannst! Hermine. Und wenn Du etwas von ihm haben wolltest. . . Jacob. Ich will nichts von ihm haben. Hermine. Ach, Jacques, sei doch nicht so... Denk', Du könntest mir eine Freude machen. Jacob. Schmeichelkatze. H e r m i n e. Und wenn Du ihn — angehst, dass er Dir — jetzt aushilst Jacob (verlegen). Du weißt? . . . Hermine. Ich hab's errathen — wie Du mir das Geld für die Herbsttoilette verweigert hast. Jacob. Ungern. H e r m i n e. Sag' ihm ein Wort und Du hast, was Du brauchst. Jacob. Und was D u brauchst! H e r m i n e. Sei lieb! Jacob. Du machst aus mir, was Du willst. (Man klopft.) Herein! (Fortsetzung folgt). Bücherwett. Tie von I. Z an g w i l l seit einigen Jahren unter dem Titel „vresmers of the Ghetto“ in verschiedenen Zeitschriften veröpentlichten Aussätze, unter denen sich auch ein Artikel über den (Kongress in Basel befindet, erscheinen in den nächsten Tagen als Sammelbuch. Bon demselben werden gleichzeitig sieben Ausgaben veranstaltet. Die amerikanische Ausgabe erscheint im Berlage der TJe\vi<li PublicatioQ Society“. Im Berlage von Siegfried Cronbach in Berlin erschien soeben eine Broschüre „Die Zioniftenfrage" von Maximilian Herausgeber: P. Das-chaner. Verantw. Red.: Dr.Siegm.Werner. Buchdruckerei „Industrie" (S.Bergmann), VIII., Schlösselg. 11.

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