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Die Welt · 1898-03-11 · 10 (11.3.1898) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
10 (11.3.1898)
Article
Ein Judenort
Date
1898-03-11
Page
14 (sequence 3)
Language
German
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©eite 14 jkut«r Nr. 10 wie die Bauernpatzen in seiner Umgebung, z. B. Harka, N< k oder Szt. Marion. Ich fürchte aber sehr, dass der Judenort noch weiter im christlichen Staat unbeachtet bleiben wird. L. Neu mann. m Das neue Ghetto. Schauspiel in 4 Acten von Theodor Hcrzl. Illustrationen von I. M. O k i n. (Fortsetzung) 5. Scene. Charlotte, Hcrmine, Rheinberg, Jacob, dann Wasserstein, Franz, später Schromm. Charlotte (zu Hermine). Hast Du die Schlesinger im Tempel gesehen? Ein Pariser Kleid. Hermine. Im Tempel sollte ich daraus achten? Charlotte. O weh. Du bist sentimental. H e r m i n e. Charlotte! Charlotte. Denke Dir: die Schlesinger --- solche Aermel! Prachtvoll. . . (Sic gehen nach hinten, setzen sich vor dem Balkonausgang nieder.) Rheinberg (sieht nicht jüdisch aus, aufrechte Haltung, röthlicher Cavalleristen Schnurrbart, ruft. dem vorkommenden Jacob zu). Schwager! Jacob. Schwager! (Fester Händedruck.» R h e i n b e r g. Zwischen uns nicht viel Worte! Wir werden Zusammenhalten. (Blickt umher.) I a c o b. Versteht sich! . . . Du suchst jemanden? R h e inb e r g. Meinen Agenten. Kennst Du Wasserstein? Jacob. Nein... Ach ja, dieser Komische! (Lacht.) Vorhin war er da. Wasser st e i n. «von links hinten, in der einen Hand ein Champagnerglas, in der anderen ein Sandwich, er kaut mit beiden Backen). Rheinberg (gebieterisch). Wasserstein! W a s s e r st e i n (kommt eilig vor, spricht kauend). Dreihundertsiebzig, zweihunderisechsundsechzig, zweihunderteinundachtzig, vierhundertachtundneunzig. Franz (von links hinten, tritt zu Jacob, hört erstaunt zu). Jacob. Jetzt bleib' ich mit Dir. W a s s e r st e i n. Hunderlsechs fünfzig, sehr flau, dreineunundsechzig fünfundzwanzig, dreiundachtzig. Schluss flau. Iran z (halblaut). Was ist das? Jacob (achfelzuckend). Der Courszettel! . . . Komm', rauchen wir eine Cigarette. (Setzt sich links vorn mit F r a n z. Beide rauchen.) Rheinberg. Berlitz? W a s s e r st e i n. Neunundneunzig. Zweiundachtzig fünfundsiebzig, hundertneun, weil sich der Sultan den Fuß verstaucht haben soll. Rheinberg. Den Witz kenn' ich. W a s s e r st ein. Montanwerte abgeschwücht. R h e i n b e r g. Paris? Wasser st e i n. Matt auf London. R h e i n b e r g. Was spricht man? W a s s e r st ein. In Berlin starke Kohlenverkäufe. Hier kauft jemand Massen. Man vermuthet Schlesinger. Rheinberg (lacht). Wasserstein, Sie sind ein Esel. Wasser st ein (demüthig). Warum, Herr von Rheinberg? R h e i n b e r g. Der Jemand, der hier kauft — bin ich. W affe r st e i n (gekränkt). Durch einen anderen Agenten, Herr von Rheinberg? Rheinberg. Weil man weiß, dass Sie für mich arbeiten . . . Uebrigens paßt es mir jetzt schon, dass man mich in der Kohlensache sieht. Wenn ich sie im Tempel bemerkt hatte — ich wollte Ihnen einen Auftrag geben. Jetzt ist es zu spät. W affe r st e i n (kaut betrübt). Mein Pech! . . . Ich bin weggegangen. Wer denkt im Tempel ans Geschäft? R h e i n b e r g. Wasserstein, Sie sind . . . W a s s e r st e i n. Ein Esel, ich. weiß, Herr von Rheinberg . .. Sie stecken also hinter den Kohlen? Dann ist es aber auch wahr, dass Sie das Schrommische Bergwerk gründen. Rheinberg. Wer sagt das? Wasserstein. Man! Rheinberg (wegwerfend). „Man" sagt Lügen. W a s s e r st e i n. Man hat Sie auch, Herr von Rheinberg, ein paarmal mit dem Herrn Rittmeister von Schromm geh'n geseh'n. Rheinberg (geschmeichelt). Hat man mich? Nun ja, ich geh' mit ihm. . . Der Rittmeister Schromm ist mein Freund. W a s se r st e i n (ungläubig). So ein dicker Freund ist er von Ihnen, Herr von Rheinberg? Rheinberg (herablasiend). Mein lieber Wasserstein, bei mir verkehrt auch ein Hofrath. W a s s e r ste i n. Geht er mit Ihnen auf der Gaffe? Rheinberg. Wie heißt? Wenn ich es will... Sie scheinen nicht zu wissen, dass auf meinen Soire en die feinsten Leute sind. Wasserstein. Woher soll ich es wissen? Sie laden mich doch nicht ein, Herr von Rheinberg. Rheinberg (ausweichend). Also, wie gesagt. Sie können überall erzählen, dass kein wahres Wort daran ist. Ich gründe das Bergwerk nicht! K a t h i (eilt von rechts herein zu Hermine und Charlotte). Der Herr Rittmeister von Schromm! Jacob (hört es, steht überrascht auf, halblaut.) Wie? Schromm? Franz. Was ist denn? Rbeinberg (geht der Thür rechts zu, streckt dem auftretenden Schromm die Hand hin). Schromm (eleganter Sportsman im Straßenanzug, 42 Jahre alt, geht mit Rheinberg zu den Damen, die sich erheben; stumme Begrüßung). W affe r stein (für sich). Wie heißt, kein wahres Wort? . . . Und wenn es nicht wahr ist — zu was soll ich es ableugnen? . . . Jetzt werden wir sehen, ob Wasserstein ein Esel ist? . . . Ich werd' mich früher noch etwas stärken — mit aufgelegte Brötchen . . . (Windet sich wieder links hinten hinaus, unter Bücklingen, die keiner der Anwesenden beachtet.) Franz (halblaut). Du hast also mit dem Herrn dort was vorgehabt! Jacob. Ja. Vor Jahren. Eine unangenehme Geschichte. R h e i n b e r g. Meine Schwiegereltern kennen Sie noch gar nicht? Schromm (schnarrend). Nicht die Ehre! . . . Nur Fräulein Hermine! . .. Hehe, pardon! Gnädige Frau . . . (Zu den Damen mit einer Nuance von Herablasiung.) Bin nur auf einen Augenblick gekommen — gratulieren! Charlotte. Liebenswürdig, wie gewöhnlich! Schromm. Bitte, bitte! . . . (Zn Hermine.) Herrn Gemahl kenne ich auch noch nicht. H e r m i n e (macht einen Schritt vor). Jacques, lasse Dich vorstellen! Mein Mann — Herr Rittmeister von Schromm. Schromm (kommt zwei Schritte vor, die Rechte ein wenig vorgestreckt, als wollte er Jacob die Hand reichen; dann erkennt er ihn, stutzt eine Secunde, lässt die Hand sinken und verneigt sich sehr höflich). Sehr angenehm! Jacob (auch zwei Schritte Schromm entgegen, sieht ihm fest in die Augen, verbeugt sich dann gemessen). Ersreut! Schromm (für sich). Der ist es! . . . (Wendet sich wieder zu den Damen.) Wenn Sie noch die Gnade hahen wollen, mich zu Ihren Eltern zu sühren. . . Charlotte. Mit größtem Vergnügen! Rbeinberg (geht geschäfttg voraus). Sie sollen bedient werden. (Links hinten ab.) S ch r o ni m (hinter Charlotte und Hermine links hinten ab).

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