Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 8 (25.2.1898)
- Article
- Proceß Zola
- Date
- 1898-02-25
- Page
- 13 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Sette 13 Beweis von der Unschuld Dreyfus, der mit Donnerkrachen vom Himmel niederfahren sollte! Die Wahrhett geht gewöhnlich nicht so zu Werke; sie erfordert einiges Nachdenken und einige Intelligenz. Wir wissen wohl, wo man den Beweis finden könnte, aber wir denken dies nur in der geheimsten Tiefe unserer Seele, und unserer patriotischen Angst bangt davor, eines Tages diesen Beweis zu erhalten, nachdem man die Ehre der Armee in einer Lüge engagiert hat. Ich will auch offen heraus sagen: wenn wir gewisse Mitglieder der Gesandtschaften als Zeugen angemeldet hatten, war es nicht unser Vorsatz, sie hieher zu citieren. Man hat über unsere Kühnheit gelächelt; ich glaube nicht, dass man auf dem Ministerium des Auswärtigen gelächelt hat, denn dort hat man verstehen müffen, dass wir einfach denjenigen, welche die ganze Wahrheit kennen, sagen wollten, dass auch wir sie kennen. Diese Wahrheit ist auf den Botschaften bekannt: sie wird morgen schon aller Welt bekannt sein, und wenn es uns jetzt unmöglich ist, sie dort zu suchen, wo sie ist, so wird die Regierung, welche Alles weiß und ebenso wie wir von der Unschuld Dreyfus überzeugt ist, wenn sie nur will, ohne Gefahr die Zeugen finden können, die endlich Licht verbreiten werden. D r e y f u s i st u nschuldig, ich schwöre es. Ich setze mein üebcn zum Pfände, setze m e in e Eh r e z um P f and e in dieser feierlichen Stunde. Vor diesem Gerichte, welches die menschliche Justiz darstellt, vor Ihnen, meine Herren Geschwornen, die Sie die Verkörperung des Landes selbst sind, vor ganz Frankreich, vor der ganzen Welt schwöre ich, dass Dreyfus unschuldig ist. Bei meiner vierzigjährigen Arbeit, bei dem Ansehen, welches diese Arbeit mir hat geben können, schwöre ich, dass Dreyfus unschuldig ist. Bei Allem, was ich erworben, bei dem Flamen, den ich mir gemacht, bei meinen Werken, die zur Ausbreitung der französischen Literatur geholfen, schwöre ich, dass Dreyfus unschuldig ist! Möge Alles zusammenbreche n, m ö g e n m e i n e Werke unter gehen, wenn Dreyfus nicht unschuldig ist? E r i st unschuldig! Alles scheint gegen mich zu sein: die beiden Kammern, die Civilgewalt, die bewaffnete Macht, die Journale mit großer "Auflage, die öffentliche Meinung, die sie vergiftet haben. Ich habe für mich nichts als die Idee, ein Ideal der Wahrheit und Gerechtigkeit, und ich bin doch vollkommen ruhig. Ich werde siegen. Ich habe nicht gewoltt, dass mein Land in der Lüge und Ungerechtigkeit verharre. Man kann mich hier vernrtheilen. Eines Tages wird Frankreich mir dafür danken, dass ich ihm geholfen habe, seine Ehre zu retten." Das Publicum des Gerichtsaales nahm diesen Schrei nach Gerechtigkeit mit Gelächter, Lärm und Hohn auf. Es hat Zola bereits verurtheilt. Nerkmsmchnchttk. Wien. Die akademische Verbindung „K ad im ah" veranstaltet am 2. März a. c. unter dem Ehrenpräsidium des Herrn F k u U Eine Dainenspende.) Wenn man Menschen beobachten, wenn man Eharakrere entziffern will, so muss man das Augennrerk auf die kleinen Züge richten. Eine Idee ist wie der Elektricitärsgehalt der Luft. Da ist ein schwüler Sommertag, wo die Natur im Sonnenbrände mühsam athmet. Und in der Lust ist eine geheimnisvolle Spannung, das Befreiende, das sich entladen will. Tie Wesen da *) „S t r e i f l i ch t e r" : heransgegcbcn von der jüdisch-akademischen Verbindung „Unitas." -Hoftathes Prof. Dr. E. S. G r ü n h u t zur Feier des Jubiläums ihres 30. Semesters ein Ball fest im Ronachersaal. Das Comitelocal befindet sich vom 27. Februar a. c. an im Hotel de France, l. Bezirk, Schottenring. Die Verbindung „Unitas" vereinigte bei ihrem am 17.Februar stattgesundenen Tanzkränzchen ein ebenso zahlreiches als elegantes Publicum in den geschmackvoll decorierten Festräumen des „Hotel Eontinental". Tanzmeister Singer zählte beim Eotillon loo Paare. Den Tanz eröffneten die Damen Mela Fried, Lotte Grauer, Johanna T i n t n e r, Hedwig Grund mann, Grete Löwenthal, Edith Lederer, Elsa K o h n, Olga Grauer :c. rc. Die Damenspcnde, ein originell ausgestattetes Album, enthält geistvolle Beiträge hervorragender Autoren, wie der Herren Ferd. Groß, Heinr. Bulthaupt, Theodor Herzl, Julius Bauer, Leo Ebermann, Georg Hirschfeld, Leon Kellner rc. rc. Die erste Seite des Albums bildet das wohlgetroffene Porträt Tr. Theodor Herzls. Das Fest kann als ein m jeder Beziehung gelungenes bezeichnet werden. Die „Unitas" hat den Beweis erbracht, dass sie in den besten Kreisen des jüdischen Bürgerthums von Wien ihre Freunde gesucht und gesunden har. Wer den früheren Widerstand gerade dieser Kreise gegen die jüdisch-nationale Studentenschaft kennt, der wird diesen Erfolg der „Unitas" vollkommen zu würdigen wissen. Brünn. Zu den bestehenden drei zionistischen Verbänden ist ein vierter hinzugekommen, der „Leseverein jüdischer Mädchen I e h u d i t h", dessen Statuten bereits vor einiger Zeit überreicht wurden. & Mschriftenrimbschllu. Das „Chicago« Wochenblatt" berichtet in der letzten, uns zugekommenen Nummer über eine Rede, die ein dortiger christlicher Palästinareisender über seine letzte Reise gehalten hat. „Beim Betreten dieses Bodens — sagte unter anderem der Gelehrte — dieses unansehnlichen Winkels, der so reich ist an classischen und religiösen Erinnerungen, muss sich jeder, selbst wenn er nicht dem jüdischen Volke angehört, dem Gedanken an die Zukunft dieses merkwürdigen Volkes hingebcn, die seiner aus diesem seinem historischen Boden harrt. Wenn etwa bei einer Lösung der orientalischen Frage die großen Mächte, von Gefühlen wahrer Menschlichkeit geleitet, an das von ihnen seit Jahrhunderten verfolgte und gehetzte Volk denken sollten, so müssten sie diesem sagen: ,Gehet zurück in das Land Eurer Väter. Wir garantieren Euch dort Ruhe und Frieden. Wir wollen so die blutigen Thaten sühnen, die wir an Euch durch Jahrhunderte begangen. Ihr seid ein Volk, das jetzt von keiner wahren Heimat sprechen kann, gehet in Eure alte Heimat zurück. Vereinigt Euch da zur Erfüllung Eurer Ausgaben, die Eure Propheten gestellt haben. Kehret zurück, es ist Euer Vaterland/ Können aber solche Träume verwirklicht werden? Können die Juden wieder ein Volk auf eigenem Grund und Boden bilden? Ja.' Alan denke an die große Zahl der tüchtigsten Männer, welche die Geschichte dem Judenthum verdankt! Gras v. Arnim, einer der größten Diplomaten Deutschlands, Laster, der Anführer der Liberalen Deutschlands, den Bismarck respectieren musste, Disraeli und viele undere waren von jüdischer Abstammung. Erst die Leistungen der Juden in der neuzeitlichen Literatur! Ter größte Schriftsteller und beste Redner Spaniens. Emilio Eastelar, ist aus jüdischem Blute. Zwei Drittel der europäischen Presse ist in jüdischen Händen: von 37<> Schriftstellern, die in Oesterreich leben, sind bekanntlich 22.'» Juden. Deutschlands große Dichter, Heine, Auerbach, auch der Schöpfer der modernen Philosophie, Spinoza, waren Juden. Auch aus den Gebieten der Kunst, der Wissenschaft und aus allen Gebieten des socialen Lebens finden wir Juden in hervorragender Weise bethätigt. All' diese Kräfte vereinigt, könnten ihrem eigenen Volke vortreffliche Dienste leisten..." 8. l e t o u. unten gebenden sich verschieden. Manche merken gar nichts von dem, was im Luftnreer vorgeht. Sie tappen ruhig vorwärts, und erst, wenn der Regen ihnen um die Ohren klatscht, fahren sie auf und machen erstaunte Mienen. Viele spüren etwas Kommendes in dämmriger Verschwommenheit. Was soll das sonderbare Gefühl bedeuten? Nur dorr auf der Krone des Waldriesen sitzt ein Vogel und singt ein Srnrmlied. Klar, markig, verständlich. Auch Heimchen gibt es im Grase, die haben auch begriffen, was sich da in den Lüften vorbereitet, vielleicht sogar früher als der Sturmvogel, aber ihre schwachen, dünnen Stimmchen verhallen in den Halmen. Ein Zirpen ist kein Stnrmli-d.