Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Article
- Die Nationalfonds-Eingänge des ersten Halbjahres 1914
- Date
- 1914-07-24
- Page
- 779 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 LT 779 Die Nationalfonds-Eingänge des ersten Halbjahres 1914 Das Ergebnis der ersten sechs Monate dieses Jahres (367 000 M.) zeigt auch diesmal eine Steigerung der Einnahmen und übertrifft das des ersten Halbjahres 1913 (344 000 M.). Diese Erhöhung um 23 000 M. ist aber sowohl im Vergleich zu 1913 (103000 M.) als auch im Hinblick auf die wachsenden Bedürfnisse nicht ausreichend. Wohl darf man mit dem Wachstum der Erträge der einzelnen Sammelmittel, mit Ausnahme der „Arbeiterheimstätten“, zufrieden sein und aus ihr die Folgerung ziehen, daß die getroffenen organisatorischen Maßnahmen sich durchaus bewährt haben und für die Stabilisierung der Eingänge in der Zukunft das Beste erhoffen lassen. Die Blumen tage als eine Neueinrichtung des N. F., deren Ergebnis größtenteils in der Statistik des ersten Halbjahres enthalten ist, haben in einigen Ländern einen nicht unerheblichen Zuwachs der Einnahmen verursacht. Tabelle I. Sammelstelle I. Halbjahr 1914 JL I. Halbjahr 1913 Jt 1. Rußland. 110858,45 112408,52 2. Nordamerika. + 78679,90 6034541 3. Deutschland. 37 165,63 43272,18 4. Galizien. -F 31378,97 5. Oesterreich.. . 30824,41 (60241,06 6. England. + 14 516,88 1 8016,65 7. Südafrika. + 10865,07 9636,42 8- Ungarn. + 9041,35 4 845,85 9. Belgien. + 7 840,41 3616,65 10. Canada. 7 517,82 8344.82 11. Rumänien. 6955,41 7 47330 12. Türkei. + 4315,13 4242,08 13. Südslavische Länder . . . 2994,23 3406,60 14. Holland. 2889,35 4774,66 15. Griechenland. + 2866,12 1850,03 16. Argentinien. -F 2552,71 2021,81 17. Schweiz. + 2267,68 1751,62 18. Bulgarien. -F 2013,16 708,40 19. Aegypten. -F 1098,35 451,24 20. Italien. + 1077,05 698/21 21. Ostasien. 1066,52 1898,34 22. Frankreich. 925,89 1801,50 23. Australien. 862,23 1082,54 24. Brasilien. -F 751,47 590,90 25. Serbien. + 329,70 150,— 26. Schweden .. 304,57 398.33 27. Dänemark. 162,06 28. Portugal. — — 28- Rußland zeigt einen kleinen Rückgang. Wir würden jedoch unseren dortigen Freunden nicht gerecht werden, wenn wir nicht gleichzeitig feststellten, daß mit Ausnahme der „Arbeiterheimstätten“ fast alle Sammelmittel eine große Steigerung erfahren haben, die ebenso sehr als Beweis für die unermüdliche Opferfreudigkeit unserer dortigen Gesinnungsgenossen als auch für die umsichtige organisatorische Arbeit unter unglaublich schwierigen Verhältnissen gelten darf. Daß die begeisterte Stimmung für die Ansiedlung jemenitischer und anderer Arbeiter nicht angehalten hat, ist gewiß bedauerlich, aber als eine Folge zeitweiliger stärkerer Inanspruchnahme für andere palästinensische Zwecke erklärlich. Nordamerika zeigt ein Plus von 13 000 M., das in erster Linie auf Rechnung der Blumentage gesetzt werden darf. (Die „Allgemeinen Spenden“ haben im ersten Halbjahr 1913 3800 M., dagegen 1914 21 300 M. betragen.) Daß eine Stadt wie New York mit einer Million Juden bei einer entsprechenden Organisation dieses Blumentags statt 1000 Dollar das Zehn- und Zwanzigfache bringen könnte, ist sicher, und wir wollen hoffen, daß dieses Resultat durch Energie und Eifer unserer dortigen Kommission bald erreicht werden möge. Auch in Amerika haben alle Sammelmittei außer den „Arbeiterheimstätten“ gegenüber 1913 eine Zunahme erfahren. Sicher ist, daß es dort für eine regelmäßige stärkere Werbetätigkeit zugunsten des N. F. noch viel zu tun gibt. Deutschland hat den durch die Schulfonds-Sammlungen veranlaßen Spendenrückgang (der sich besonders in dem mäßigen Ergebnis der „Arbeiterheimstätten“ dokumentiert) noch nicht ganz eingeholt. Wir erwarten aber, daß dies in den nächsten Wochen der Fall sein wird, da die Herzljahrzeit-Spenden dank einer wirkungsvollen Propaganda entsprechende Einnahmen gebracht haben dürften. Im einzelnen haben hier die Sammelbüchsen nahezu 50 o/o mehr eingebracht, als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Ein Rückgang ist bei der „Baumspende“ zu konstatieren. — ln Galizien, das seit dem 1. Februar d. J. unter der Leitung seines energischen Landeskommissärs, Herrn Dr. Zipper, eine besondere Sammelstelle bildet, nimmt eine außerordentlich erfreuliche Entwicklung. Das übrige Oesterreich ist hingegen etwas zurückgeblieben, läßt aber durch jüngst getroffene organisatorische Maßnahmen bald eine Besserung erwarten. Die Ziffer für Galizien (31 000 M.) umfaßt die fünf Monate Februar bis Juni, während Oesterreich in einem vollen Halbjahr 30800 M. erzielt hat, wobei die im Januar aus Galizien eingeflossenen Spenden in dieser Summe inbegriffen sind. — ln England bewährt sich die durch geführte Reorganisation der Londoner Sammelstelle, die besonders für die musterhafte Vorbereitung der Blumentage volle Anerkennung verdient. Während in England die Resultate fast aller Sammelmittel sich gebessert Haben, zeigen merkwürdigerweise die Sammelbüchsen ein Minus, was zu um so eifrigerer Tätigkeit auf dem Gebiete des Sammelbüchsenwesens anspornen sollte. — In Südafrika sieht man zwar kleine Fortschritte, die aber nach unserer Ansicht keineswegs den erreichbaren Leistungen entsprechen. Es ist auch bedauerlich, daß dort für Arbeiterhäuser während des verflossenen Halbjahres überhaupt keine Spende eingegangen ist. — Die Sammlungen in Ungarn haben eine Zunahme um zirka 86 °,'o erfahren, so daß die Erwartung berechtigt ist, dies Land werde in absehbarer Zeit im Verhältnis der zahlenmäßigen und finanziellen Kraft seiner jüdischen Bevölkerung zum N.-F. beisteuern. Im einzelnen zeigt die Statistik, daß unsere Freunde in Ungarn besonders noch auf Arbeiterheimstätten und Büchsen ihr Augenmerk richten sollten. — Belgien weist eine mehr als 100prozentige Steigerung der Einkünfte auf, wovon ein erheblicher Teil dem ausgezeichnet arrangierten Blumentage in Antwerpen zu verdanken ist. Auch hier wäre eine Agitation für Arbeiterhäuser wünschenswert. — Der Rückgang in Kanada, wo unsere Freunde 1913 mit großem Eifer für die Landspende gearbeitet hatten, wird hoffentlich demnächst wettgemacht werden. — Ungünstig liegen die Verhältnisse in Rumänien, woher wir früher ein Vielfaches der jetzigen Spenden erhalten haben. Die dort vorhandenen Mängel drücken sich am klarsten in dem . Rückgang der Erträge der Sammelbüchsen aus. Freudiger stimmt das stetige Wachstum der Spenden aus der Türkei. Wenn nun auch die starke Beteiligung Palästinas an diesem Resultat als Beweis für die Sympathie seiner Bewohner gegenüber dem N.-F. sehr willkommen ist, so bleibt doch auf der anderen Seite zu bedauern, daß die übrige Türkei nur ganz geringfügige Beträge an den. N.-F. abliefert. Eingebüßt haben hier als Sammelmittel, wenn man zwischen 1913 und 1914