Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Article
- [Kommentar] / l. l.
- Date
- 1914-07-24
- Page
- 769 (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 30 769 DIE3^ELT in Rom, der die Anregung zu diesem Plan gegeben hat, und mit seinen Mitarbeitern noch über verschiedene andere Fragen, die für unser Land von größtem Interesse sind, diskutieren. In Italien und auch jetzt in Paris habe ich versucht, die theoretischen Kenntnisse zu vervollständigen, die mir in Palästina von Nutzen sein könnten. Und das Resultat aller dieser Reisen und meiner persönlichen Wahrnehmungen ist das Projekt, das ich jetzt der jüdischen öffentlichen Meinung und den kolonisatorischen Instituten für Palästina unterbreiten will. Es handelt sich darum, ein hygienisches Institut in Galiläa zu schaffen, dessen ganze Tätigkeit konzentriert sein soll auf a) eine allgemeine Festsetzung der sanitären Maßnahmen; b) eine Ausarbeitung der speziellen Maßnahmen, die den Verhältnissen gewisser Orte in Galiläa angepaßt sind; c) die Zentralisierung aller Daten über den öffentlichen Gesundheitszustand, besonders über die Krankheiten, die im Lande herrschen; d) die Einrichtung einfacher Laboratorien zu diagnostischen Zwecken, die den dortigen Aerzten und den Einwohnern der Kolonien zur Verfügung stehen; e) die Schaffung eines Zentrums für die sanitäre Ueberwachung aller Orte, in denen jüdische Ansiedlungen bestehen. Mit dieser Zentrale müßten in jeder Kolonie sanitäre Kommissionen, die unter der Leitung der Aerzte stehen, und eine kleine Entschädigung für ihre Arbeit bekommen, in ständiger Verbindung stehen. Diese Kommissionen müssen darüber wachen, daß die sanitären Instruktionen genau ausgeführt werden, und der Zentrale über ihre Tätigkeit und über interessante Tatsachen regelmäßig Bericht erstatten. Dieses hygienische Institut müßte mit andern sanitären Instituten in Palästina in Verbindung stehen, und ebenso auch mit wissenschaftlichen Autoritäten in Europa, die ihm nötigenfalls gern ihre Hilfe angedeihen ließen. Regelmäßige Zusammenkünfte der Aerzte in Galiläa, unter dem voraussichtlichen Beistand der Jüdischen Medizinischen Gesellschaft in Jaffa, werden die Arbeit des Instituts erleichtern, und indem sie dazu beitragen, wissenschaftliche und praktische Fragen aufzuklären, die Stellung des Instituts festigen. Ein Verwaltungsrat, der sich aus Vertretern der Institutionen zusammensetzt, die die Gelder für das Institut aufgebracht haben, müßte darüber wachen, daß die nötigen Mittel nicht fehlen; er müßte die Finanzen kontrollieren und darüber öffentlich Rechnung legen. Auch die palästinensische Bevölkerung könnte in größerem Maße zu den Kosten, die die Gründung eines solchen Institutes verursachen würde, beitragen. Um das nötige Kapital zu beschaffen, bedarf es nur von allen Seiten des redlichen Willens. Wenn die Sache richtig angefaßt wird, muß es sich ermöglichen lassen, die Existenz eines Gesundheitsamtes für Galiläa sicherzustellen. Und sollte das nicht ein schönes Zeichen jüdischer Solidarität sein, das zum Besten unseres Landes und seiner Bevölkerung dienen Landes ändern sich nirgends innerhalb weniger Jahrtausende, und in allen Fällen, in denen dauernde Verödung und Verwüstungen den äußeren Anblick eines fruchtbaren Landes verändert haben, würde eine rückläufige wirtschaftliche Entwicklung in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit den früheren blühenden Zustand des Landes wieder herbeiführen. Dies gilt sicherlich von Palästina. Als Beweis dafür können die Beispiele von. Gaza, Jaffa, Beirut und andere angesehen werden, die vor ganz wenigen Jahrzehnten sich kaum von andern, heute noch trostlos aussehenden berühmten Orten der Vergangenheit unterschieden, wo aber günstigere Bedingungen einer Entwicklung zur früheren Fruchtbarkeit günstig waren, während die andern Stätten nur der Menschen harren, deren Tätigkeit auch ihnen die alte Fruchtbarkeit wieder schaffen soll.“ 1.1.— In der Budapester Tageszeitung „Az Est“ äußert sich ein nach dem Balkan entsandter Spezialberichterstatter unter anderem folgendermaßen über die Lage der Juden in Saloniki: „Jetzt beginnt hier förmlich eine neue Völkerwanderung. Die Juden, die einst aus Spanien hierher flüchteten und in ihrer Seele etwas von dem Sonnenschein der Ufer des Tajo und des Guadalquivir mitbrachten, müssen tiefgebeugt wieder zum Wanderstabe greifen. Da die siegreichen Griechen sie ihres Brotes berauben, siedeln viele von ihnen nach Konstantinopel und Klein-Asien über. Andere bleiben in Erwartung einer Besserung vorläufig noch in Saloniki, die halbgeöffnete Tür ihrer Geschäfts- und Bureaulokalitäten zeigt jedoch, daß diese Hoffnung wohl trügerisch ist. Das Viertel hinter dem Hafen ist das Viertel der Donna e s, der ganze Stadtteil ist voll Rätselhaftigkeit. Diese zum Islam übergetretenen Juden, die selbst nach ihrem Glaubenswechsel in gewisser Hinsicht die Kulten ihrer alten Gemeinschaft beibehielten, werden von den Juden gleichwie von den rassenreinen Bekennem des Islams gemieden. Sie leben in einer geschlossenen Sekte und ihre Seele ist jetzt von Unruhen erfüllt. Sie sind weder Juden noch wirkliche, vollwertige Bekenner des Islams. Der Islam wird immer weiter zurückgedrängt. Was können sie jetzt in dieser Lage anfangen? Diese deklassierten und in jeder Hinsicht entwurzelten Menschen werden von einer schmerzlichen Ungewißheit geplagt. Viele wollen den nur äußerlich bekannten Islam verlassen und zum Judentum zurückkehren. Andere können sich nicht dazu entschließen. Ein schweres Problem, voll von Trauer, Zweifeln und Leiden, eine rechte Tragödie ist es, die sich in den Seelen der Dönmes abspielt, da diese Leute vollkommen zurückgezogen leben und über ihre Person nicht gerne sprechen. Juden und Dönmes müssen auswandern, da das Schicksal Salonikis, seitdem es sein Hinterland verloren hat. besiegelt ist . . . ." könnte? In Nr. 14 der „Deutschen Levante-Zeitung“ vom 15. Juli dieses Jahres finden wir eine bemerkenswerte Studie über „Das Schwinden des Bodens in den Mittelmeerländem und die heutige Anbaufähigkeit Lybiens und Palästinas. Wir geben hier den auf Palästina bezüglichen Teil des Aufsatzes im Wortlaut „Auch von Palästina wird oft behauptet, daß das Klima innerhalb der historischen Periode sich verändert habe, und man schließt aus der früheren großen Fruchtbarkeit des Landes, daß damals günstigere natürliche Bedingungen vorhanden gewesen sein müßten. Indessen entsprechen alle Angaben der Bibel, die sich auf diese Frage beziehen, genau den jetzigen klimatischen Bedingungen. Selbst wenn es damals mehr und größere Wälder gegeben hat, so hätten die klimatischen Verhältnisse dadurch nicht so wesentlich beeinflußt werden können. Die klimatischen Verhältnisse eines Palästina-Rundschau ■iiilimilll Neue Industrie.Unternehmungen In Palästina Mr. A. Blum aus New York, der in Amerika Inhaber einer Fabrik zur Erzeugung künstlicher Zähne war, hat sich in Jaffa niedergelassen und geht daran, hier einen ähnlichen Betrieb einzurichten. Herr Blum hofft, in diesem Unternehmen Hunderte von jüdischen Arbeitern beschäftigen zu können. Zwei andere amerikanische Juden, die Herren L e v i n s o n und Pollak, beabsichtigen in Jerusalem eine große Kleiderfabrik nach amerikanischem Muster zu gründen. Ein Zwischenfall in Haifa Vor einigen Tagen ereignete sich in Haifa bei der Landung einer Gruppe jüdischer Einwanderer ein Zwischenfall. Die Hafenbehörde bereitete diesen Einwanderern