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Die Welt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. 764

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Article
Jacob Schiff über das Technikum in Haifa
Date
1914-07-24
Page
764 (sequence 3)
Language
German
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764 D1E3CTELT Nr. 30 zu begreifen, warum er wegen der „kleinen Gruppe von Jüdisch-Nationalen“ die amerikanische Judenheit vor einer weiteren Beteiligung an sämtlichen Palästinaunternehmungen warnt. Herr Schiff scheint die Bedeutung des jüdischen Nationalismus demnach höher einzuschätzen, als er in Worten zugeben will. Wir halten es für undenkbar, daß Herr Schiff, dessen Einsicht und jüdisches Interesse wir sonst zu schätzen Gelegenheit hatten, so völlig verständnislos der wundervollen jüdischen Renaissancebewegung, die in Palästina im Hebraismus ihren stärksten Ausdruck gefunden hat, gegenüberstehen sollte. Wir werden unsererseits unbeirrt durch die Angriffe mit verdoppelter Energie die Arbeiten zu Ende führen, die wir für die Schaffung eines jüdischen Palästina für notwendig hatten. REVUE DER PRESSE Im Anschluß, an die bekannten Debatten auf dem jüngsten Delegiertentag der deutschen Zionisten wird in unserem Bruderblatt, der „Jüdischen Rundschau“, die Aussprache über das Thema der national-radikalen Propaganda fortgesetzt. Richard Lichtheim führt in einem „Offenen Brief an Herrn Dr. Franz Oppenheimer“ u. a. folgendes aus: „Der Radikalismus, den S i e meinen, d. h. ein unreifer, immer zum Extrem drängender, die tatsächlichen Verhältnisse und die geschichtlichen Bedingungen übersehender Chauvinismus ist uns ganz fremd. Unser Radikalismus besteht darin, daß wir dem Problem unserer Existenz nicht ausweichen und auf die Frage nach der Zukunft unseres Volkes eine Antwort geben. Vielleicht scheitern wir bei der Ausführung unseres Programmes, aber es ist jedenfalls ein Programm. Sie dagegen, hochverehrter Herr Doktor, geben uns kein Programm, sondern nur Definitionen. Hierin liegt Ihr Hauptirrtum, denn das Problem der Verwirklichung des Zionismus fängt genau da an, wo Sie mit Ihren Definitionen aufhören. Sie analysieren Ihr Seelenleben, breiten die jüdischen und die nichtjüdischen Elemente sorglich auseinander, und glauben sonderbarerweise, damit etwas zur Begründung des Zionismus beigetragen zu haben. Ihre Definitionen sind unanfechtbar. Sie besitzen, nach Ihren Ausführungen auf dem Delegiertentage, jüdisches Stammesbewußtsein, deutsches Kulturbewußtsein, märkisches Heimatbewußtsein. Warum nicht auch Berliner Wbhnbewußtsein? Und englisches Parlamentsbewußtsein? Und französisches Malereigefühl? Merken Sie nicht, wie unfruchtbar solches Definieren ist, wo es sich nicht um wissenschaftliche Erörterungen, sondern um Wille und Tat handelt? Zugegeben, daß Sie und ich im wesentlichen in deutscher Kultur wurzeln, daß Ihnen und mir Deutschlands Dichter und Denker immer nah und unentbehrlich sind, daß Sie und ich den deutschen Wald lieben, daß unser bürgerliches Dasein hundert Gedanken- und Gefühlsverbindungen mit dem deutschen Volk und dem deutschen Lande schafft. Was folgt daraus für den Zionismus? Nichts und abermals nichts! Der Zionismus fordert, daß wir eine jüdische Heimstätte in Palästina schaffen. Das werden wir aber nur dann erreichen, wenn diese Heimstätte im Geiste öder in Wirklichkeit auch unsere eigene Heimstätte ist. Wenn Ihre Hinneigung zu deutschen Dingen — sei es Kunst, Literatur, Wissenschaft oder Politik — zur Folge hat, daß Ssie die Heimstätte, in Palästina für andere, nicht aber für sich und für Ihre Nachkommen wünschen, so sind Sie zwar noch ein Zionist im Sinne des Parteiprogramms, aber ein solcher Zionismus widerlegt sich selbst, denn er bleibt in der Sphäre des frommen Wunsches. Er wird nicht zur Tat, kann nicht zur Tat werden. Wir wissen heute, daß die Ausführung des Zionismus davon abhängt, ob sich genügend Juden finden, die ihre Arbeit, ihr Geld und vielleicht noch mehr für Palästina einzusetzen gewillt sind. Mögen diese Zionisten auf Grund ihrer Erziehung die tiefsten Empfindungen für Deutschland oder ein anderes Land hegen; mögen sie hinsichtlich der Bildung ihres Intellektes und ihres Gemütes völlig in deutschem oder russischem oder französischem Boden wurzeln — sie werden, wenn sie Zionisten sind, die Frage nicht umgehen können, ob sie selbst für sich und ihre Nachkommen nach Palästina streben, denn ohne solches Streben ist der Zionismus unausführbar. Das ist keine radikale Phrase, sondern eine Tatsache. Hiermit ist nicht gesagt, daß alle guten Zionisten nach Palästina auswandem müssen. Aber alle guten Zionisten müssen sich darüber klar werden, daß die Verwirklichung des Zionismus ihre eigene Sache ist und daß es ganz ohne Sinn ist, sich mit Worten für eine Idee einzusetzen, wenn man die allein mögliche Methode ihrer Ausführung verwirft. Die Methode aber, unsere „radikale“ Methode, besteht darin, die Erkenntnis der zionistischen Notwendigkeiten in den Willen zu ihrer Erfüllung umzuwandeln. Sie fragen, wie die Vereinigung dieses zionistischen Strebens mit unserer tatsächlichen Verwurzelung im deutschen Boden möglich sei? Ich weiß nicht, ob es auf diese Frage eine theoretisch völlig befriedigende Antwort gibt. Aber aus praktischer Psychologie weiß ich, daß die menschliche Seele viel reicher ist, als sie in der öden Terminologie der deutschjüdischen Patentpatrioten erscheint; daß nationale Begeisterung eine inkommensurable Größe ist, neben der in unserer Seele alles andere, zuweilen freilich — nichts anderes Platz findet; und daß wir die Bedeutung unseres eigenen Schicksals herabsetzen, wenn wir unsere mächtigsten Gedanken und Empfindungen einem leeren Formalismus unterwerfen. . . . Ja, wir müssen die Jugend so erziehen, daß sie bei ihrem deutschen Kulturbewußtsein und trotz aller inneren und äußeren Widerstände sich dafür entscheidet, in der persönlichen Anteilnahme an dem Aufbau unseres palästinensischen Daseins das höchste Ideal ihres Lebens zu erblicken. Keine Phrasen! Kein Strohfeuer! Nicht jeder Zionist kann und wird hinübergehen. Nicht jeder Zionist kann und wird Kapital in Palästina investieren. Aber auf die Tendenz kommt es an, wie Blumenfeld sehr richtig gesagt hat, und diese Tendenz wollte auch die vielgenannte Posener Resolution zum Ausdruck bringen.“ Dr. Adolf Friedemamn präzisiert in einem „Sachlicher Radikalismus oder endlich radikale Sachlichkeit“ überschriebenen Artikel seinen und seiner Freunde Standpunkt in dieser Frage. Dr. Friedemann nimmt dabei auch auf den Aufsatz „Zionistische Streitfragen“ von Dr. Otto A b e 1 e s („Die Welt“, Nr. 26) Bezug und äußert sich hierzu: „Herr Abeies meint, daß diejenigen, welche die Assimilation für möglich halten, dahin streben müssen, nur die nationalen Elemente zu sammeln. Die anderen, welche eine Assimilation für ausgeschlossen erachten, seien genötigt, für die Erlösung der Gesamtheit zu kämpfen. Daraus leitet er dann die Fragestellung her, ob man für oder gegen die Betätigung in der Diaspora eintreten, ob man Judentumsfragen lösen wolle oder nicht. Leider ist die Sache nicht so einfach. Herr Abeies macht den Fehler der meisten unserer Freunde: er plagt sich weder mit dem Begriff des Nationalismus, noch 99999999999999999991 9999312154 ^6546281 6984

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