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Die Welt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. 763

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Article
Jacob Schiff über das Technikum in Haifa
Date
1914-07-24
Page
763 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 30 DIE3&ELT 763 mehr aber veranlaßt gesehen hat, gegen jede weitere Förderung der Palästinaarbeit Stellung zu nehmen, sind auch wir davon überzeugt, daß Dr. Paul Nathan einen sehr starken Einfluß auf ihn ausgeübt hat. Die persönliche Bemerkung des Herrn Schiff gegen Dr. Levin hat für uns deshalb Interesse, weil wir den Eindruck haben, daß Herr Schiff in seinem Briefe nicht so sehr Vergangenes richtig stellen will, als die Gründe für seinen gegenwärtigen Standpunkt zu erklären bemüht ist. Die Ausführungen des Herrn Schiff widersprechen aber nicht nur vielem, was er früher selbst öffentlich erklärt hat, sondern sind auch in sich widerspruchsvoll. Herr Schiff verurteilt es, daß die ehemaligen drei zionistischen Kuratoren im Herbst vorigen Jahres aus dem Kuratorium ausgeschieden sind. Herr Schiff vergißt aber, daß sämtliche amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums, seine nächsten Freunde, erst vor wenigen Wochen ebenfalls ausgetreten sind. Wir wollen untersuchen, ob der Rücktritt der amerikanischen Kuratoren, mit dem Herr Schiff einverstanden ist, ihm nicht mindestens ebenso tadelnswert erscheint, wie der von Herrn Schiff gemißbilligte Rücktritt der Zionisten. Der Rücktritt der zionistischen Kuratoren war eine moralische Notwendigkeit, sie hätten ihrer nationalen Würde etwas vergeben, wenn sie nach der bekannten, dem Hebräischen feindlichen Stellungnahme des Kuratoriums ihre Aemter weiter behalten hätten. Wie Herr Schiff aber auch die sachliche Stellungnahme der ehemaligen zionistischen Kuratoren beurteilen mag, er wird zugeben müssen, daß es doch prinzipielle, für jeden erkennbare Gründe für ihren Rücktritt gegeben hat. Für das unlängst erfolgte Austreten der Freunde des Herrn Schiff läßt sich aber beim besten Willen auch nicht der Schatten eines Grundes finden. Im Gegenteil, nach allem, was vorgegangen ist, mußten wir annehmen, daß die amerikanischen Kuratoren mit der Entwicklung der Dinge durchaus zufrieden sind. Die von ihnen aufgestellten Forderungen sind einstimmig angenommen worden. Die zionistische Organisation, die selbstverständlich nur durch die Schaffung eines rein hebräischen Technikums voll befriedigt werden kann, hat dennoch um des friedlichen Zusammenarbeiten willen sofort nach Bekanntgabe der amerikanischen Kompromiß Vorschläge erklärt, daß sie sich diesen Beschlüssen anschließt und im Falle der Annahme dieser Beschlüsse zu erneuter, freudiger Mitarbeit bereit ist. Die Beschlüsse sind angenommen worden und auf der Basis der von Herrn Schiff befürworteten Bedingungen sind die neugewählten zionistischen Kuratoren entschlossen, mit allen Kräften für die gedeihliche Entwickelung des Technikums zu arbeiten. Wie in aller Welt kann man nunmehr den Rücktritt der amerikanischen Kuratoren und die ganz überraschende Veröffentlichung von Herrn Schiff begreifen? Mit den „bedauerlichen Geschehnissen, die jetzt den Zusammenbruch herbeigeführt haben“, kann Herr Schiff doch nur die Vorgänge im Sprachkampf gemeint haben, auf die wir bei dieser Gelegenheit aus dem Grunde nicht nochmals eingehen wollen, weil dieser Kampf durch die Annahme der amerikanischen Forderungen im Kuratorium für das Technikum erledigt ist. Ueberdies ist zu bemerken, daß seit dem Herbst vorigen Jahres kein Zionist an den Arbeiten des Kuratoriums beteiligt gewesen ist. Die neugewählten zionistischen Kuratoren haben ihr Amt erst in der letzten Sitzung des Kuratoriums angetreten, die vor wenigen Tagen stattfand. Es bleibt somit nur übrig, den Grund für die veränderte Stellungnahme des Herrn Schiff in seiner pessimistischen Auffassung über die Beschaffung neuer Gelder zu erblicken. Zunächst können wir nicht glauben, daß das momentane Fehlen von etwa 300 000 M. auf seine Auffassung so ungünstig gewirkt hat. Ueberdies aber ist jetzt unseres Erachtens ein Verzweifeln am Zustandekommen des Technikums weniger denn je am Platze. Der Betrag von 300 000 M. ist bei einem friedlichen und ehrlichen Zusammenarbeiten der beteiligten Faktoren mit Leichtigkeit aufzubringen. Auch wir Zionisten sind gern bereit, uns an der Beschaffung der Mittel zu beteiligen. Irgend welche objektiv zu erkennenden Schwierigkeiten und Wirrnisse, auf die Herr Schiff bedeutungsvoll hinweist, existieren nicht. Es gibt vor allem keine neuen Konflikte, die unsererseits hervorgerufen wären und die geeignet sein könnten, das Zustandekommen des Technikums zu gefährden. Unser Standpunkt ist klar und deutlich, und er fußt auf den auch für Herrn Schiff allein maßgebenden Forderungen, die am 22. Februar einstimmig zum Beschluß erhoben worden sind. Unser ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, diese Beschlüsse zur wirklichen Durchführung zu bringen. Zu diesem Zwecke haben das Haus Wissotzky und unsere neuen Kuratoren die Einsetzung eines vom geschäftsführenden Ausschuß einzurichtenden gesonderten Sekretariats verlangt, das die Aufgabe haben soll, die gesamte Verwaltung in einer der Größe des Unternehmens entsprechenden und alle Beteiligten befriedigenden Weise einzurichten. Wenn überall das aufrichtige und ehrliche Bestreben vorhanden sein wird, die Beschlüsse vom 22. Februar wirklich zu respektieren, dann wird Herr Schiff keine Ursache zu pessimistischen Auffassungen über die Zukunft des Technikums zu haben brauchen. Wir haben es unsererseits an dieser Ehrlichkeit niemals fehlen lassen. Der Schlußpassus des Briefes von Herrn Schiff steht in einem besonders krassen Widerspruch zu den sonst von ihm vertretenen Auffassungen. Es ist übrigens nicht Zionistische Broschüren-Bibliothek Nr. 1 Soeben erschien: THEODOR HERZL von Dr. Os?as Thon Deutsche Ausgabe 2ZH Bogen In Preis pro Hcfi bei direktem Bezug durch das Zionistische Zentralbureau Berlin IS PL / IS Heller, einschl. Porto, resp. 25 Pf. / 25 Heller 20 Pt 10 Pf. 10 Heller 20 Heller 200 Exemplare mit 10% Rabatt 500 „ „ 20% 1000 „ 30% zuzüglich Porto /• Auf ein Postpaket gehen 120 Exemplare Die Lieferung erfolgt nnr gegen Voreinsendung des Betrages NO Der Oberaus niedrige Preis lieb sieh nur unter der Voraussetzung der Vermeidung allen Schreibwerks, Buchung usw. erzielen.' Wir bitten' daher , dringend, auf die Bezugsbedingungen , genau zu achten und Korre- 0 spondenzen möglichst zu vermeiden. ZIONISTISCHES ZENTRALBUREAU BERLIN W IS SÄCHSISCHE STR. & 2 Bogen In Umsdilng Preis pro Heft

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