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Die Welt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. 759

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Article
Deutscher Zionismus und hebräische Sprache
Date
1914-07-24
Page
759 (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG Nr. 30 BERLIN, 24. Juli 1914 rV'Onn 'X 2X m ,^12 XVIII. JAHRG. ■ -vt |__j A i T'. GEORG ORKIN: Deutscher Zionismus und hebräische Sprache — Jakob Schiff über das Technikum * Fl ALI . in Haifa — REVUE DER PRESSE: Jüdische Rundschau (Offener Brief von Richard Lichtheim, Sachlicher Radikalismus und radikale Sachlichkeit von Dr. Friedemanu) u. a. — PALÄSTINA-RUNDSCHAU — WELTCHRONIK — ZIONISTISCHER ZENTRALFONDS — AUS DER BEWEGUNG: Der Zusammenschluss der zionistischen Studentenschaft Deutschlands — Paris (Rede Dr. Max Nordaus) u. a. — Geschäftliche Nachrichten Deutscher Zionismus und hebräische Sprache Von Georg Orkin, Posen Die hebräische Sprachbewegung in Deutschland scheint allmählich aus den ersten Schwierigkeiten herauszukommen. Vor einigen Jahren setzte sie mit großem Elan ein, man agitierte eifrig in großen Volksversammlungen, veranstaltete Sprachkurse, an denen sich zahlreiche Mitglieder beteiligten usw. Der Erfolg der ersten Jahre war nicht groß. Im Gegenteil, die meisten, welche damals anfingen zu lernen, sind zu dem Schluß gekommen, daß das Erlernen der Sprache doch gar zu schwer für uns assimilierte Westjuden sei, daß sich die Sprache nie werde bei uns einbürgern können, ja man hörte hier und da sogar die Ansicht, durch die Festlegung auf den Hebraismus erweitere man nur die Kluft zwischen uns und den Nichtzionisten, welche dann gar nicht mehr den Weg zu uns finden würden. — Ich möchte nun versuchen, den Nachweis zu führen, daß die hebräische Sprachbewegung gerade für uns Westjuden, die wir zum größten Teil durch unsere Erziehung so wenig positives Judentum besitzen, von eminenter Bedeutung ist, daß aber auch die ganze Entwicklung des deutschen Zionismus und die Propaganda für unser Nationaljudentum und für Palästina von dem Willen, wenn auch nur unserer Besten, abhängig ist, hebräisch zu lernen. Das Traurigste, was wir Zionisten bei unserer ganzen Arbeit empfinden, ist, daß wir die Dinge, welche bei jedem unter normalen Verhältnissen lebenden Volke die einfachsten sind und außerhalb jeder Diskussion stehen, für uns immer erst „beweisen" müssen und daß aus diesem Beweis eine Begeisterung entspringen soll, die fast übermenschliche Schwierigkeiten zu überwinden hat. Aber was hilft es? — Für uns, die wir im Anfang unserer Bewegung stehen und die wir alle auf diesem Wege Zionisten geworden sind, gibt es kein anderes Mittel; später, wenn wir erst einmal die Basis zu neuen Werten auch im Galuth gelegt haben, werden wir diese Beweise hoffentlich nicht mehr nötig haben. Doch gehen wir gleich in medias res. Nehmen wir die Entwicklung jedes Einzelnen von uns. Hätten wir noch den alten Herzischen Zionismus, der uns das Land, den Boden, auf dem wir gesunden sollten, in allernächster Zeit versprach, so wäre, ohne Frage, das nächste Ziel der Entwicklung jedes aufrichtigen, jedenfalls aller besten Zionisten gewesen, sofort in dieses Land überzusiedeln. Nachdem aber jetzt nur wenige Glückliche in der Lage sind, sich schon in allernächster Zeit in Palästina niederzulassen, müssen wir sehen, wie wir uns unsere Zionsliebe auch außerhalb unseres Landes bewahren. Die beste Methode dazu gibt uns zweifellos unsere tausendjährige Galuthgeschichte an die Hand. Hat doch unser Volk während des ganzen Galuth in erster Linie mit ungeheurem Kraftaufwand daran gearbeitet, diese alte Sehnsucht nach unserem Lande und nach normalem Volksleben sich zu erhalten. Was ist aber das Charakteristische dieser Methode? — Doch wohl das, daß sie das ganze Leben jedes Einzelnen in spezifische Formen einzwängte und mit ungeheurem Kraftaufwand arbeitete. Kein Bissen wurde in den Mund gesteckt, der nicht seine religiös-nationale Weihe und Würze bekommen hatte, kein Schluck Wein getrunken, dem das jüdische Bouquet gefehlt hätte. Das Hineingehen in das Haus und das Herausgehen, das Schlafengehen und das Aufstehen, das Händewaschen, jede noch so nebensächliche Handlung geschieht unter bestimmt ten Formen und Formeln, selbstverständlich hebräischen Formen, denn daß es nirgends eine nationale Form ohne nationale Sprache gibt, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden. Das ganze Leben des Kindes und des Jünglings diente lediglich der Aufnahme dieser nationalen Werte, Werte, welche die Strenge des religiösen Gesetzes zu dem Heiligsten, was es in der Welt gab, gestempelt hatte. Ein derartiges Einspannen der ganzen Lebensverhältnisse in diese spezifischen Formen, eine derartige Konzentration aller Geistes- und Forschungsrichtung nach dieser national-religiösen Seite hin steht einzig in der Menschheitsgeschichte. Und doch will es so vielen noch

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