Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Article
- Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten
- Date
- 1914-07-17
- Page
- 749 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 29 749 DIE^ELT war eine kleine Zahl von Pionieren, die den Boden des alten Landes im Schweiße ihres Angesichts bearbeitete. Sie schufen, von glühender Begeisterung getrieben, Pflanzungen, Kolonien und Schulen, und hatten dabei mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die oft unüberwindlich schienen. Diejenigen „Praktiker“, die alle ihre Handlungen nur von der Vernunft bestimmen lassen, lächelten über diese Versuche. Sie prophezeiten den tapferen Pionieren Elend und Enttäuschungen. Sie erfaßten nicht den Urgrund der jüdischen Renaissancebewegung, in der sie nur eine Reaktion sahen gegen den äußeren Druck, der in vielen Ländern auf den Juden lastete. Allein elektrisches Licht kann nicht durch das Drücken auf einen Knopf erzeugt werden. Um elektrisches Licht zu erzeugen, braucht man elektrischen Strom und Drähte, durch die dieser Strom geleitet werden kann. Und so war auch die jüdische Palästinabewegung nicht das Resultat der Unterdrückung, sondern entsprang inneren Impulsen des Gemütes und einer tiefen historischen Sehnsucht. Sie wurde in erster Linie durch den Trieb der Selbsterhaltung, der alle Völker beherrscht, geschaffen. Diese kleine Gruppe von Juden zog bald das Interesse der ganzen Welt auf sich. Die Zahl der Freunde und Gegner dieser Bewegung steht in keinem Vergleich zu der verhältnismäßig kleinen Gruppe aktiver Kräfte, deren Gegner nichts unversucht lassen, sie zu entmutigen. Das eine haben die Freunde und Gegner der Bewegung gleichzeitig erfaßt: daß das Werk, das in Palästina im Entstehen begriffen ist, nicht ein Wiederaufleben der Diaspora, sondern etwas ganz Neues bedeutet. Der neue Jischub strebt nach innerer Einheit, etwas, das es bisher in der Diaspora niemals gab. Die drei großen Faktoren Volk, Land und Sprache sind die Lebenselemente des neuen Jischub, und es ist daher natürlich, daß Palästina mit aller Macht protestiert, wenn diese Lebenselemente gefährdet werden. Es war gewiß nicht leicht, aus der alten hebräischen Sprache eine neue zu schaffen, die allen modernen Anforderungen genügt. Aber es kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß Palästina gerade in dieser Beziehung Wunder geschaffen hat. Der Anfang ist gemacht, an uns ist es jetzt, dafür zu sorgen, daß die hebräische Kultur in Palästina sich ungehemmt entwickeln kann. Am Montag abend fand den Delegierten zu Ehren ein Bankett statt, bei dem die Herren Bernard Rosenblatt, Abraham Goldberg, Max Shulman, Jacob de Haas und A. H. Fromenson sprachen. Nach der Rede Mr. Fromensons wurden 2000 § für das hebräische Schulwerk gesammelt. Dr. Levin sprach am Schluß des Banketts in sehr interessanter Art von seinen Erlebnissen in Palästina. Der Schluß der Convention am Dienstag war sehr eindrucksvoll. Rabbi Sadowsky sprach sehr begeistert über das neue Palästina, daß für die Juden die einzige Rettung aus äußerer und innerer Not bedeutet. Mme. Pevsner sprach über die Erfahrungen, die sie auf ihren Propagandareisen gesammelt hat und über ihre Erfolge im Kreise der Logen und der Frauenvereinigungen. Mr. L i p s k y schloß die Versammlung mit einem Appell an alle Delegierten, sich ihrer großen Verantwortlichkeit als Zionisten bewußt zu sein und in brüderlicher Weise gemeinsam für die Förderung unserer großen Sache unverdrossen tätig zu sein. Deutschland Berlin. Die Herzlfeier der B. Z. V. fand am 2S. Juni in der Singakademie statt. Dr. Adolf Friedemann hielt die Gedenkrede, in der er Herzls Entwicklungsgang schilderte und seine Bedeutung als Führer und als Mensch würdigte. Der Synagogenchor unter Leitung von Herrn Wein bäum sang einige biblische Chöre schön und stimmungsvoll. Herr Richard rezitierte aus der Bibel und aus Herzls Schriften. Köln. Anläßlich des 10. Todestages Theodor Herzls veranstaltete der Verein „Haschachar“ am Sonntag, den 4. d. M. im großen Saale des Colonia-Hauses eine Herzl Gedenkfeier. Herr Nathan Groß hielt die tiefergreifende Gedenkrede. Hierauf sprach Herr Fronman über den Herzl-Wald. Es wurden eine Anzahl Bäume gesammelt. Ferner spendeteder Verein eine Summe für das hebräische Schulwerk in Palästina. Die Gesangsvorträge von Frl. Lehrfeld und Herrn G e r 1 i c h, die von Frl. Turyn begleitet wurden, fanden großen Beifall. Der Vorsitzende Herr B. Prechner rezitierte die „Awoda" von Lilienblum und den „Jüdischen Mai“ von Rosenfeld. Zum Schlüsse trug Herr Nathan Groß „Mausc’nel“ von Theodor Herzl vor. Mit dem Gesang der „Hatikwah" wurde die Feier geschlossen. Oesterreich Der Gang zum Grabe Herzls Es war ein stattlicher Zug, der Sonntag, den 12. Juli, anläßlich des 10. Todestages unseres Führers am Grabe Theodor Herzls vorbeidefilierte. Mehr als 1260 Zionisten und Zionistinnen trafen sich vor der Hochschule für Bodenkultur und zogen geschlossen zum Döblinger Friedhof. Den Zug eröffneten die in Wien anwesenden Mitglieder der zionistischen Behörden, diesen folgten der zionistische Zentralverein, die studentischen Vereine, eine Deputation des jüdischen Handlungsgehilfenvereins und starke Abordnungen der Wiener jüdischen Turnvereine. Am Grabe sang Herr Oberkantor Landau in ergreifender Weise das Eimole Rachamim. Stumm bewegte sich der Zug am Grabe vorüber und löste sich vor dem Friedhofe auf. Es war eine schlichte und erhebende Demonstration Der Trauergottesdienst im Stadttempel fand unter massenhaftem Zudrange am 13. Juli statt. Die großartige, von echtem nationalem Geiste getragene Gedenkrede des Herrn Rabbiners Dr. Ta glicht hat einen tiefen Eindruck gemacht. Die gehaltvolle Ansprache behandelte die geistige und körperliche Renaissance des jüdischen Volkes seit dem Auftreten Herzls, die schöne und gesunde Entwicklung der nationalen, zionistischen Jugend, das Aufleben des Hebraismus und schloß mit einem tiefsinnigen Hinweis auf das herrliche Denkmal, welches die Erben Herzls dem Meister in Palästina gesetzt haben — den Herzl-Wald. Die rituellen Gesänge trug Herr Oberkantor Don Fuchs vor. der eigens nach Wien zurückgekehrt war, um mit seinem herrlichen Organe an der Feier mitzuwirken. Auch im dritten Gemeindebezirke (Landstraße) fand auf Anregung unseres verdienstvollen Ggg. Herrn Markus ein feierlicher Trauergottesdienst statt. Herr Rabbiner Dr. Bach hielt die Gedenkrede. Wien. Der Jüdische Turnverein Favoriten hielt am 11. Juni d. J. in den Räumen des Jüdischen Schulvereins seine diesjährige Generalversammlung ab. Aus dem Jahresbericht des Obmanns Herrn S. Insel konnte festgestellt werden, daß die Zahl der Mitglieder im abgelaufenen Jahre eine starke Zunahme aufzuweisen hatte, die sich besonders in der Jugendabteilung bemerkbar machte, ln dieser Abteilung turnten an einem Abend durchschnittlich SO Kinder. Der Verein hat sich auch an den sportlichen Veranstaltungen anläßlich des XL Zionistenkongresses beteiligt und auch hier volles Lob für seine Leistungen geerntet. Die finanzielle Lage des Vereins hat sich bedeutend günstiger gestaltet. Der Verein steht jetzt in Unterhandlung wegen Erbauung einer eigenen Turnhalle. Auch die Tätigkeit des Vereins in nationaler Beziehung verdient besondere Aufmerksamkeit. Dem Verein ist die Gründung einer Sektion Favoriten des zionistischen Zentralvereins zu danken. Der Verbreitung des jüdisch-nationalen Gedankens dient auch eine Bibliothek jüdischnationaler Literatur, die der Verein gegründet hat und die sich einer regen Benützung erfreut. Der Verein hat die Einführung der hebräischen Kommandosprache -nn Turnplätze beschlossen und wird zur Erlernung derselben vom Herbst d. J. an hebräische Sprachkurse abhalten. Auf Grund eines Beschlusses der Kreisleitung hat die Generalversammlung die Aenderung des bisherigen Namens des Vereins in „Jüdischer Turnverein M a k k a b i Wien X" beschlossen. Prag. Im Berichte der „Welt" über den ersten Blumentag des Jüdischen Frauen Vereins in Prag (Nr. 25, Seite 6151 soll es richtig heißen: „Der Reinertrag wurde dem Jüdischen Nationalfonds (nicht dem Jüdischen Frauenverein) zugewiesen."