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Die Welt · 1914-07-17 · 29 (17.7.1914) · p. 742

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
29 (17.7.1914)
Article
Die hebräische Presse in Palästina
Date
1914-07-17
Page
742 (sequence 1)
Language
German
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742 Nr. 29 D1E2KKELT swimniimuiiiirnnuiiiimuitnin I PALÄSTINA-RUNDSCHAU Die hebräische Presse in Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Vor einem Jahre war in Palästina von der Gründung einer neuen hebräischen Tageszeitung viel die Rede. Es war beinahe die Frage des Tages. Sitzungen wurden abgehalten und, wie üblich, Memoranden ins Ausland gesandt. In Nr. 10 der „Welt“ des vorigen Jahres wurde hierüber ausführlich berichtet. Da kam der Schulkampf und hatte unter anderem auch zur Folge, daß die Frage der neuen Tageszeitung von der Tagesordnung verschwand. Nicht, daß jetzt die Chancen für ein neues Tageblatt sich verschlechtert hätten. Im Gegenteil: Wenn je, so zeigte sich im Sprachenstreit, daß in Palästina eine neue Tageszeitung ein notwendiges Bedürfnis ist. Die beiden Tageszeitungen, „Hacheruth“ und „Moriah“, die von je einer Partei als Sprachrohr benutzt wurden, fanden eine für Palästina große Verbreitung. So verdoppelte sich in Jaffa die Zahl der Abonnenten des „Hacheruth“. Von 150 Exemplaren stieg der Absatz auf 300. In der Kolonie Pethach- Tikwah erhöhte sich der Absatz von 60 auf 100 Exemplare. Das palästinensische Publikum hat sich ferner immer mehr daran gewöhnt, zu inserieren. Man kann sagen, daß auch die Annoncen der Tagespresse, namentlich des „Hacheruth“, sich verdoppelt haben. Während die „Moriah“ nach Beendigung des Schulkampfes wieder „unter Ausschluß der Öffentlichkeit“ erscheint, ist das Glück dem „Hacheruth“ günstiger gewesen. Man kann auch nicht leugnen, daß das Blatt im öffentlichen Leben Palästinas eine Lücke ausfüllt. Alle diejenigen, die aus prinzipiellen oder anderen Gründen in den von den Arbeitern herausgegebenen Wochenblättern nicht zum Worte kommen können, haben im „Hacheruth“ eine Tribüne für ihre Anschauungen. Die Folge ist, daß die Bevölkerung gerade im „Hacheruth“ ein kräftiges, freimütiges Wort zu hören bekommt. „Hapoel HazaTr“ und „Achduth“ sind ja nun einmal Arbeiterzeitungen, und so liegt es in der Natur der Dinge, daß sie das palästinensische Leben einseitig vom Gesichtspunkte der Arbeiter betrachten, mögen die beiden Blätter oft auch einen Anlauf zu unparteiischer Darstellung der Ereignisse nehmen. Sehr charakteristisch ist in dieser Beziehung die Darstellung des Streites in Merchawja zwischen dem Leiter der Siedlungsgenossenschaft und den dortigen Arbeitern, wie sie in der letzten Nummer des „Achduth“ (Nr. 34) gegeben ist. Unbefangene, gänzlich unparteiische Kenner der Verhältnisse versichern, daß Herr Dyk, der Leiter der Genossenschaftsfarm, alles mögliche getan hat, um den Wünschen der Arbeiter stets entgegenzukommen, daß er aber in einem bestimmten Fall — es handelte sich um die Verwendung nichtjüdischer Saisonarbeiter für ganz kurze Zeit — im dringenden Interesse der Wirtschaft den Forderungen der Arbeiter bei bestem Willen nicht willfahren konnte. Nun bringt die letzte Nummer des „Achduth“ einen Brief aus Merchawja, der mit „Poel“ (Arbeiter) unterzeichnet ist und sich auf mehr als zwei Spalten erstreckt. Merkwürdigerweise aber enthält dieser Brief, der sich ausschließlich mit dem Streit zwischen Leiter und Arbeiterschaft befaßt, keine' einzige Silbe über den hier erw äh nten Fall, der den Anlaß zum Konflikt bildete. Anstatt dessen wird die Person des Leiters heftig angegriffen, er wird als Tyrann schlimmster Art und die ihm gegenüberstehende Arbeiterschaft als der Ausbund engelgleicher Güte un'd Geduld geschildert. Ein geübteres Äuge merkt freilich, wie parteiisch dieser Bericht ist, an dem insbesondere das Fehlen alles Tatsächlichen auffallen muß. Bei der großen Masse der Leser aber, die die Berichte der Arbeiterpresse kritiklos hinnimmt, ist in einem solchen Falle die angegriffene Person „erledigt“. Der Weg der Richtigstellung ist für die angegriffenen Personen bei der Häufigkeit der Angriffe oft nicht gangbar. Was sollte auch in dem vorliegenden Falle der Leiter der Siedlungsgenossenschaft richtigstellen, da es sich im wesentlichen um persönliche Beschuldigungen ohne Angabe von Tatsachen handelt? Unter solchen Umständen könnte eine unparteiisch geleitete, unabhängige Zeitung — einerlei ob Tage- oder Wochenblatt — von großem Nutzen sein. Wir werden aber auf das Erscheinen einer solchen Zeitung wohl solange warten müssen, bis sich ein völlig unabhängiger Privatmann findet, der den Mut hat, das Blatt auf eigene Faust zu gründen. Die finanziellen Voraussetzungen für ein solches Unternehmen sind durchaus nicht ungünstig. Von den hier geschilderten publizistischen Schwächen der palästinensischen Wochenblätter abgesehen, muß man dem „Hapoel Haza'ir“ und dem „Achduth“ das Zeugnis ausstellen, daß sie auf rein literarischem Gebiete Hervorragendes leisten. Die Anstrengungen des „Hapoel Haza'ir“, seinen Lesern gediegene Belletristik zu bieten, sind wahrhaft bewundernswert. Stil und Form auch der publizistischen Produktionen lassen Sorgfalt, Geschmack und redliches Streben nicht vermissen. Das in Jerusalem erscheinende Wochenblatt der Poale Zion „Achduth“ unterscheidet sich nur wenig von seinem Bruderorgan. Das Erscheinen des „Achduth“ in Jerusalem, wo es in Wirklichkeit jüdische Volksmassen gibt und wo dennoch die Gegensätze nicht wie anderswo zugespitzt sind, verleiht diese Zeitung ein gewisses eigenes Kolorit. Seit J. Ch. Brenner die Redaktion des literarischen Teiles übernommen hat, ist auch darin ein steter Fortschritt zu beobachten. In letzter Zeit ist die „Achduth“ wöchentlich um einen halben Bogen vergrößert worden, so daß sie jetzt in einem Umfange von zwei Druckbogen erscheint. Von den übrigen in Palästina erscheinenden Zeitschriften verdient die Monatsschrift „Moledeth“ (Die Heimat) in erster Reihe genannt zu werden. Sie war zuerst als Zeitschrift für die reifere Jugend gedacht und ist es noch jetzt in dem Sinne, daß jeder anstößige und rein parteiische Stoff ausgeschaltet ist. Sonst aber ist keine Grenze wahrnehmbar, und vieles, was die „Moledeth“ veröffentlicht hat, setzt ein sehr reifes literarisches Verständnis voraus. Dank den Fähigkeiten Jakob Fichmanns, der bis jetzt diese Zeitschrift redigierte, hat sie sich immer mehr Freunde erworben. Jetzt geht Fichmann nach Berlin, um dort eine neue hebräische Monatsschrift zu redigieren und einige andere literarische Arbeiten durchzuführen. Es ist zu wünschen, daß die Herausgeber der „Moledeth“ einen vollwertigen Ersatz für Herrn Fichmann finden mögen, um die Zeitschrift auf der bisherigen Höhe zu er- Es ist begreiflich, daß die von dem Agronomen Dr. Z a - gorodsky herausgegebene Monatsschrift „Hachaklai“ (Der Landwirt) einen beschränkteren Kreis von Mitarbeitern und Lesern hat. Um so mehr ist das Niveau dieser Zeitschrift anzuerkennen, die ohne große Worte sich bemüht, der palästinensischen Landwirtschaft zu dienen. Die Zahl der Mitarbeiter vergrößert sich stetig, — trotz der gerade unter den Agronomen vielfach herrschenden Eigenbrödelei. „Hachaklai“ ist übrigens die einzige periodische Zeitschrift Palästinas, die auf pünktliches Erscheinen Gewicht legt. Mit den anderen Zeitschriften geht es wie mit den Eisenbahnen gewisser Länder: 9923362149258462

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