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Die Welt · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · p. 724

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Article
Aus den Ereignissen des Tages
Date
1914-07-10
Page
724 (sequence 2)
Language
German
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724 DIEXftELT „H a c h a k 1 a i“ bringt folgernde Mitteilung: Die Milchwirtschaft in den jüdischen Kolonien Palästinas befindet sich in erfreulicher Entwicklung. Allein in der Kolonie Ekron wurden im ersten Jahre nach Einrichtung der Milchwirtschaft 52000 Liter Milch produziert. In diesem Jahre wird der Ertrag noch größer werden. In Jerusalem, für dessen hygienische Entwicklung ein stärkeres Milchangebot eine wichtige Voraussetzung ist, gibt es bereits 72 jüdische Milchverkäufer, die täglich ca. 1000 Rottel (1 Rottel faßt ca. 3 Liter) Milch absetzen. Zirka 400 Rottel sind eigene Produktion, während ca. 600 Rottel in der Umgebung gekauft werden. Von nichtjüdischer Seite werden in Jerusalem täglich etwa 600 Rottel verkauft. In Jaffa kam es anläßlich der Aufführung des jiddischen Schauspiels „Sulamith“ von A. Goldfaden, der auch der Kaimakam beiwohnte, zu Streitigkeiten zwischen der nationalen Jugend und den Veranstaltern der Vorstellung. Der hebräische Lehrerverein und der Turnverein „Makkabi“ hatten bereits früher durch Plakate die Bevölkerung aufgefordert, der Vorstellung nicht beizuwohnen, da in Palästina kein Platz für das Jiddische im öffentlichen Leben sei. Die Veranstaltung hat mit einem Defizit abgeschlossen. In Jerusalem hat sich ein Verein der jüdischen Beamten gebildet. Prof. Schatz ist von seiner Auslandsreise nach Jerusalem zurückgekehrt. Die Arbeiter und Schüler des Bezalel bereiteten ihm einen herzlichen Empfang. Der Chassidim^Rabbi aus Harnistopol (Rußland) bereist jetzt Palästina und interessiert sich besonders für die landwirtschaftliche Kolonisation, für die er nach seiner Rückkehr nach Rußland wirken will. Einen besonders starken Eindruck haben Pethach - Tikwah und Ain-Ganim auf ihn ausgeübt. Die heißen Quellen von Tiberias sind für 35 Jahre an Oberingenieur Amin Effendi A b d 11 n u r und Dr. Samasch Effendi 11 f a k u r i verpachtet worden. Die Pächter sind verpflichtet, 200 000 Eres, in Gebäuden und Parkanlagen zu investieren. (Oberingenieur Äbd Ilnur ist auch publizistisch tätig und hat sich vor einem Jahre durch eine historische Abhandlung über die Staatsmänner, in der er auch die Angriffe auf die zionistische Arbeit widerlegte, bemerkbar gemacht.) Die Bevölkerung von Nablus (dem alten Sichern) ist an den Jerusalemer Gouverneur mit dem Gesuch herangetreten, die Bahnstrecke Haifa—Phule—Jenin—Nablus, die jetzt im Bau begriffen ist, bis Jerusalem weiterzuführen. Nach den bisherigen Berichten aus Galiläa ist in diesem Jahre auf eine gute Ernte zu rechnen. In M i k w e h-I s r ae 1 fand dieser Tage eine Konferenz jüdischer Agronomen statt, und es wurde ein Komitee zur Begründung eines Vereins der Agronome eingesetzt. Dem Komitee gehören die Herren Brill, Kohn, Krause, Z a - gorodsky und Wilkowsky an. Die jüngste Generalversammlung von Tel - Aw iw befaßte sich mit dem Projekt der Gründung einer lokalen Bank und mit der Frage der Wertzuwachssteuer für unbebaute Grundstücke. Durch die letztgenannte Maßregel hofft man. der Bodenspekulation und dem Mietwucher entgegentreten zu können. In Haifa fanden unter ungewöhnlich reger Beteiligung der Bevölkerung die Wahlen für den neuen Waad HaTr der aschkenasischen Gemeinde statt. Gewählt wurden: A. Friede m a n n, N. Friedemann, Kaisermann, Lewin, S o 1 o t o r o w, Tolzynskv und Dr. T i r o vv s k y. In Merchawja wurde eine Konferenz der jüdischen Landarbeiterinnen abgehalten. Die Konferenz wurde von Frl. Sara M a 1 k i n, die bereits mehrere Jahre im Lande arbeitet, eröffnet. Es wurde beschlossen, daß die Arbeiterinnen weiter in den allgemeinen Arbeiterorganisationen verbleiben, und es wurde ein Komitee eingesetzt, das als Beirat der Arbeitervorstände für die besonderen Angelegenheiten der Arbeiterinnen fungieren soll. wini>iiuihiiniiuiiiiinniniiiiinniiinmuiiiuiiiiiHii»iiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiHiiiiiiiinr.:iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii«iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii[iiii»iiiii:iiiiiiniiuiiiiig iiiiiiiiiBiiiiiBMiiiiiiiiiiill| WELTCHRONIK HiiujiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiinuiiHnniiiiMiiiiniumiiiuiiiiiiiiiiiiummiiiimmiiiiiiiiiiimiiuiimmiHmiiiuiiminiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiniiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiu.imi.iiiuiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiUiiiiiiiiiiiiniiiitiiiiiiiiiiiuainiiiiiiiiiiniitiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiii;:::^ Joseph Chamberlain (Von unserem Londoner Berichterstatter) X. Y. Z. — Mittwoch, den 2. Juli, ist in London ein englischer Staatsmann verschieden, der es sicherlich verdient, daß wir Juden seiner in Ehren und Dankbarkeit gedenken. Joseph Chamberlain, der ehemalige Kolonialminister im Balfour- Kabinett, gehörte nicht zu dem bekannten Typus der Philosemiten, die behaupten, auch die Juden verdienten menschlich behandelt zu werden, sondern er war auch dem jüdischen Volk freundlich gesinnt, und er wollte dem jüdischen Volk politisch helfen. Wie Chamberlain als Staatsmann immer groß ausholte, so war er auch in seiner Konzeption der Judenfrage großzügig. Er verstand die Judenfrage nicht als Frage unterdrückter Individuen, sondern als Problem eines unterdrückten und verfolgten Volkes, und den Grund der Unterdrückung sah er in der national-politischen Heimatlosigkeit der Juden. Er wollte ihnen zu einem Heim verhelfen, rechnete aber nicht mit den psychologischen Imponderabilien und glaubte, wenn das Judenvolk das Höchste nicht erlangen könne, werde es sich mit einem Minimum zufrieden geben. Darum bot er unserem verewigten Führer Herzl ein Territorium in Ostafrika zur Ansiedlung jüdischer Massen an. Seine Absicht war gewiß die beste, und für das gute Wollen allein schon müssen wir ihm Dank wissen. Chamberlain, der ein tief religiöser Mann war, interessierte sich für die Juden von seiner frühesten Jugend an. Er war sehr stolz darauf, daß einer seiner Ahnen zu jenen 2000 englischen Geistlichen gehörte, die von den katholischen Stuarts aus Amt und Würden verjagt und später verfolgt wurden, weil sie dem bibelfreundlichen Christentum huldigten und mit der Kirche des Papstes nichts zu tun haben wollten. Es ist charakteristisch für Chamberlain, daß er schon als Schulknabe einen Friedens verein gründete und später Religionslehrer in Ehrenamt war. Da er der unitarischen Kirche angehörte, bestand der von ihm erteilte Religionsunterricht im Vorlesen und Erklären der Bibel. Zu den Juden seiner Vaterstadt Birmingham unterhielt er die besten Beziehungen und speziell mit seinem engeren Landsmann, unserem Gesinnungsgenossen Herrn Greenberg, dem Redakteur der „Jewish Chronicle“, stand er auf freundschaftlichem Fuße. Die Persönlichkeit Theodor Herzls übte auf den englischen Staatsmann einen unauslöschlichen Eindruck aus, und noch viele Jahre 99999999999999999999999

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