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Die Welt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. 667

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Article
Aus der ersten Zeit
Date
1914-07-03
Page
667 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27 667 Bezalel-Jerusalem. Leuchter für Vorbeter (Messingtreibarbeit) Bambus gesprochen, der zwar mit H e r z 1 rechnete, aber seine tapfere Deutlichkeit im Interesse der kleinkolonisatorischen Arbeiten fürchtete. Bambus' Politik ging dahin, die verkappten Juden für Palästina zu interessieren. So war ihm alle Arbeit gegliedert in die Heranbildung einer kleinen, zähen und energischen wissenden Kerntruppe, die zielbewußt und planvoll die atavistischen Instinkte und geheimen Anhänglichkeiten der jüdischen Masse (zumal ihrer wohlhabenden Anführer) für jüdische Aufgaben und für palästinische Arbeiten aktivieren sollte. Gegen Herzl mußte Bambus das tiefste Mißtrauen haben. Und es ist bekannt, wie sich dieses Mißtrauen bei der Einberufung des ersten Kongresses in Gegnerschaft, auf dem zweiten Kongreß zu aggressiver Feindseligkeit steigerte. Im Beginn des Jahres 1897 konnte Bambus noch hoffen, Herzl für seine Methode zu gewinnen und den Namen des angesehenen Schriftstellers für seine praktischen Pläne als Vorspann zu benutzen. Sein nächstes Ziel war die Begründung einer Agrarbank, die in erster Reihe den Export landwirtschaftlicher Produkte aus Palästina, Ankauf und Vertrieb landwirtschaftlicher Maschinen, industriellen Unternehmungen, Bodenankauf, Kolonisation und ähnl. dienen sollte. Als Anfangskapital sollten 200 000 Mark aufgebracht werden. Im Aufträge von Bambus habe ich als Schriftführer von „Jung-Israel" Herzl die Vorschläge unterbreitet. Wie Herzl sie aufnahm, zeigt der nachfolgende Brief. Ihm fehlte, wie er deutlich' zeigt, der Sinn für die Kleinarbeit nicht. Aber die erste Aufgabe war ihm die Aufrüttelung der Masse, die Agitation. Darum konnte ihm das Blättchen „Zion", das Heinrich Loewe unter Opfern herausgab, nicht imponieren, selbst nachdem wir eine Vereinigung mit der von Paperin herausgegebenen französischen „Kadimah" „schon so gut wie beschlossen hatten". Er drängte an die Oeffentlichkeit heran und hat in monatelanger Arbeit versucht, Dr. Heinrich Meyer-Cohn für ein Tageblatt zu gewinnen, das den allgemeinen Interessen dienend zugleich die jüdischen Fragen mannhaft und stolz behandelte. Dieses Blatt ist nie erschienen. Mit den Großen in Israel war nichts zu beginnen. Das lernte Herzl schnell. Und er ging zum Volke. Neue Freie Presse Redaktion : Wien, Kolowratring, Fichtegasse Nr. 11. 26. 1. 97. Sehr geehrter Herr! Herr Dr. Holtzmann hat Sie gut unterrichtet: ich wünsche durchaus eine Verständigung mit den Berliner Zionisten. Es kann sich ja wirklich nur um einen Unterschied von Nuancen handeln. Ich glaube, auf dem allgemeinen Zionistentag, den ich für den nächsten Sommer plane, werden wir einander näher kommen. Mit den beiden Entwürfen, die Sie mir freundlich mitteilen, kann ich nur einverstanden sein. Insbesondere das Bankprojekt für Palästina scheint mir — wenn die ausführenden Persönlichkeiten die richtigen sind — ein sehr gesundes zu sein. Ich kannte ja die Sache schon seit einiger Zeit. Aber diese und ähnliche Unternehmungen, die so schwer auf die Beine zu bringen sind, haben eine Voraussetzung: die Agitation. Zuerst agitieren, dann volkswirtschaftliche Unternehmungen in Palästina ins Leben rufen — das schiene mir die logische Reihenfolge zu Auch die Mehrsprachigkeit der Monatsschrift Zion ist eine gute Idee. Ich kann Ihnen dabei aber nicht verhehlen, daß nach meiner Ansicht eine Monatsschrift für die Agitation im Großen ein ganz untaugliches Werkzeug ist. Trachten Sie lieber, Einfluß zu gewinnen auf ein Berliner Tagesjournal. Vielleicht befinden sich unter den dortigen Zionsfreunden Besitzer von Aktien einer Verlagsgesellschaft. Man müßte der Zeitung darum nicht gleich ein zionistisches Gepräge geben, ja bei der feigen Scheu (leider der meisten Juden) vor dem Zionismus wäre es sogar viel intelligenter, die Sache ganz harmlos zu insinuieren. Ich habe schon viel von Ihrer agitatorischen Tüchtigkeit gehört und darum besonders bedauert, daß Sie sich nicht näherten. Wenn ich' mir nun eine richtige Vorstellung von Ihnen mache, so werden Sie meine Andeutung verstehen und ausgestalten. Vielleicht setzen Sie sich mit Dr Meyer-Cohn und Dr. Hirsch Hildesheimer zu dem Zweck in Verbindung, in Berlin ein nach außen als solches nicht erkennbares Organ des Zionismus zu acquirieren. Ich kann Ihnen sagen, daß ich daran arbeite, auch anderswo etwas Aehnliches ins Werk zu setzen. Der Zionismus war bisher stumm. Wir müssen ihm die Zunge lösen. Das ist die nächste Aufgabe. W>nn die erfüllt ist, wird alles leichter, ja von selbst Das ist meine Ansicht. Mit Zionsgruß Ihr ergebener Th. Herzl.

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