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Die Welt · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · p. 651

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Article
Die Organisation
Date
1914-07-03
Page
651 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27 651 DIE2$BELT Diese inneren Kämpfe sind das Leben der Organisation, in ihnen liegt das Geheimnis unserer menschlichen Wirkung. Als Henri auftrat, da traf er auch feine, vornehm denkende Juden, die er zwar nicht zu Zionisten machte, weil sie ihn nicht mehr zu verstehen vermochten, die aber doch ahnten, daß er und die Zionisten die Kommenden im Judentum sind. Und diese Ahnung gewannen sie nicht aus einer halben Erkenntnis, sondern aus der elementaren, leidenschaftlichen Wucht, mit der Henris Zionismus zu ihnen sprach. Auch zuuns werden heute und später neue Zionisten kommen, die uns Anschauungen vortragen, die wir nicht mehr voll verstehen. Wir werden solche Anschauungen persönlich ablehnen, aber die Organisation wird uns daran gewöhnen, manches nicht zu verstehen und dennoch zionistisch zu würdigen, genau so wie wir nicht verstanden worden sind und auch verlangt haben, gewürdigt zu werden. Nur so lange werden wir wachsen, so lange wir die Bewegung der neuen Ideen und der neuen Begeisterung im Judentum sind. Solange leben wir wahrhaftig im Geiste Theodor Herzls. Herzl, dem das feste Gefüge seine Entstehung verdankt, ist unserer Organisation zugleich das Symbol dafür, wie die freie Persönlichkeit unbeengt in ihrer geistigen Entwicklung dennoch in Reih und Glied mit allen anderen für gemeinsame Zwecke und Ziele bei uns zu arbeiten vermag. In der Geschichte des Zionismus haben wir Männer kennen gelernt, die geglaubt haben, sie könnten außerhalb der Organisation ihr jüdisches Leben führen. Keiner von ihnen ist zur vollen Entfaltung seiner Kräfte gekommen. Und sie alle hätten unserem Volke mehr bedeuten können, wenn sie vermocht hätten, in der zionistischen Gesamtheit zugleich die Bewegung schlechthin zu erblicken. Diese Erfahrungen sind eine Warnung an diejenigen, die glauben, daß sie in einer Zeit des Kampfes in der Vereinzelung, das Höchste leisten können. Im Kampfe nach außen, im Kampfe um konkrete Dinge, ist die Macht und Geschlossenheit der Organisation alles. Die Organisation aber, die sich ihrer Unentbehrlichkeit für alle wahrhaft schöpferischen Geister unseres Volkes bewußt ist, darf nie zum Boykott zionistischer Anschauungen gelangen und wird immer den Mut haben müssen, neuen Wahrheiten in ihrer Mitte Raum zu gewähren. In unerhörter Kühnheit hat Henri mit ihrer Gründung allen gewohnten Gedankengängen der Assimilation eine Absage erteilt. Sie wird leben, wenn schöpferische Kräfte in ihr und durch sie wiederum neue, unbekannte Ideen verbreiten. Die Erinnerung an Theodor Herzl wird uns davor bewahren, in Erinnerungen den Lebensinhalt zu finden, innerlich Ueberwundenes zu erhalten, letzte Wahrheiten in Entwicklungsphasen vergangener Zeiten zu erblicken und so zum Partei-Schematismus herabzusinken, der in Selbstgenügsamkeit geistig verdorrt. Henris Persönlichkeit in ihrer rastlos fortschreitenden Entwicklung ist uns ein lebendiger Quell und bürgt uns dafür, daß der Geist der Bewegung im Getriebe unserer Organisation lebt. iGsr * MM ML« BMKM v-<?* U?/<-.4M MM dD Bezalel Jerusalem. Teller (Silberfiligranarbeit)

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