Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Article
- Generalversammlung des jüdischen Nationalfonds
- Date
- 1914-06-26
- Page
- 636 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE3§BELT 636 Die Bilanz wurde von der Generalversammlung nach eingehender Aussprache genehmigt. Genossenschaftsfonds. Im Anschluß an den Bericht des Hauptbureaus verweist der Vorsitzende auf den Beschluß der letzten Generalversammlung, eine besondere Aktion für den Genossenschaftsfonds einzuleiten. Diese Aktion sei zunächst aus dem Grunde notwendig geworden, um der Siedlungsgesellschaft Erez-Israel die Ausgestaltung des genossenschaftlichen Betriebes in Merchawjah zu ermöglichen. Außerdem solle die Arbeitergenossenschaft Dagania, die der Nationalfonds von der P.L.D.C. zurücknehmen und provisorisch verwalten mußte, von der Siedlungsgesellschaft übernommen werden. Schließlich habe der letzte Kongreß in Wien dem Actions- Comite einen Beschluß seiner Palästina-Kommission zur Durchführung überwiesen, wonach der Genossenschaftsfonds derartig erweitert werden soll, daß er außer den Siedlungsgenossenschaften auch die Förderung anderer landwirtschaftlicher Arbeitergenossenschaften in sein Arbeitsprogramm aufnehmen könne. Es entspricht auch dem Interesse des J. N. F., auf die Heranbildung eines geeigneten Pächterelements hinzuarbeiten, wozu die Arbeitergenossenschaften eine Möglichkeit bieten. Im Sinne dieser Beschlüsse wurde im Frühjahr dieses Jahres die Propaganda für den Genossenschaftsfonds! wieder aufgenommen und zunächst in Amerika durch eine Reisetoumee des Herrn Dr. Oppenheimer eingeleitet. Herr Dr. Oppenheimer erstattete hierauf zunächst einen kurzen Bericht über den Stand der Genossenschaft in Merchawjah. Er verweist auf den schriftlich vorliegenden Bericht des Aufsichtsrates an die Gesellschafterversammlung und auf seine in englischer und jiddischer Sprache entschiedene Schrift „Merchawja“, in der er die Eindrücke seiner letzten Reise nach Palästina im Jahre 1913 eingehend geschildert hat. Er müsse mit allem Nachdruck betonen, daß die bisherige in Merchawjah geleistete Arbeit nichts anderes als Pionierarbeit gewesen sei. Erst jetzt wurden die Bauten und die Wasserleitung vollendet und damit die Vorbedingungen für einen normalen Gesundheitszustand von Menschen und Tieren geschaffen. Es müsse überhaupt beachtet werden, daß zumindest die ersten drei Jahre jeder Ackerbauwirtschaft in Palästina eine Vorbereitungszeit darstellen, da der Boden durch Dung und Fruchtwechsel erst in anbaufähigen Zustand gebracht werden müsse. Diese Tatsache haben die palästinensischen Fachleute, die er im Jahre 1910 bei der Aufstellung seiner Rentabilitätsberechnung und den erforderlichen Investitionen zu Rate gezogen hatte, vollständig übersehen. Herr Dr. Oppenheimer berichtete weiter über den Verlauf seiner Propaganda reise in Amerika, die ihn zu angesehenen einflußreichen Persönlichkeiten in wertvolle Beziehungen gebracht hat. Nunmehr können das Hauptbureau des Nationalfonds und alle Freunde der genossenschaftlichen Sache die Aktion in Amerika mit guten Aussichten auf Erfolg fortsetzen. Baum spende. Der Vorsitzende verweist auf den erfreulichen Fortschritt der Baumspende, die nun bereits mehr als 90 000 Bäume aufgebracht habe. Die Wichtigkeit dieser Institution für die Landeskultur Palästinas und für die Heranziehung eines Standes von geübten jüdischen Landarbeitern, sowie die Ausgestaltung der Betriebe der Baumspende verlangen aber eine verstärkte Propaganda für diesen Zweig des Jüdischen Nationalfonds. Das Hauptbureau habe anläßlich der bevorstehenden zehnten Wiederkehr des Todestages von Theodor Herzl die Parole ausgegeben: Zum 10. Todestage Herzls spende jeder Jude und Zionist mindestens einen Baum für den Herzl-Wald. Es sei zu erwarten, daß alle Freunde des Nationalfonds dazu beitragen werden, den 20. Tamus zu einem würdigen Gedenktage für Theodor Herzl zu gestalten und für die Bepflanzung und Aufforstung Palästinas mehr Mittel als bis nun zur Verfügung zu stellen. Bezüglich der Arbeiterheimstätten berichtete der Vorsitzende, daß in den letzten Wochen wieder eine starke Einwunderung jemenitischer Juden eingesetzt habe. Es spreche eine große Wahrscheinlichkeit dafür, daß diese Einwanderung den ganzen Sommer hindurch anhalten werde. Alle Warnungen vor einer überstürzten Einwanderung bleiben angesichts der trostlosen Lage der Juden in Jemen wirkungslos. Für die erste Unterbringung der neuen Ankömmlinge, den Transport zu den Arbeitsstätten, für Anschaffung von Zelten und andere Fürsorgezwecke bittet das Palästinaamt um Bewilligung eines Betrages von 3000 Frcs. Diese fortdauernde Einwanderung zwinge den Nationalfonds zu einer Vermehrung der Arbeiterhäuser, deren Errichtung in diesem Jahre in Aussicht genommen wurde. Der Vorsitzende berichtet über die Maßnahmen der Nationalfonds-Verwaltung auf diesem Gebiete. Die seit Einführung der Arbeiterhausspende für diesen Zweck eingegangene Summe beträgt insgesamt ca. 364 000 Francs. Davon sind aber voll eingezahlte Häusers^penden nur im Betrage von 219 000 Frcs. eingelaufen. Der Restbetrag von 144 000 Frcs. setzt sich aus Teilzahlungen zusammen, deren rasche Komplettierung sehr wünschenswert wäre. Aus den Mitteln des Arbeiterheimstätten-Fonds wurden im Jahre 1913 ca. 105 000 Francs verausgabt. Für das laufende Jahr sind bereits 100 Arbeiterfamilienhäuser bewilligt worden. Wenn es möglich ist, einen einheitlichen billigen Hausbau-Typ einzuführen, der es ermöglicht, um den Betrag von 1000 Frcs. ein wohnliches Familienhaus sowohl für jemenitische als für aschkenasische Arbeiter zu errichten, so werden wir an diesem Typus als Norm festhalten. Da bis jetzt die Kosten regelmäßig etwas höher waren, schlägt das Direktorium der Generalversammlung vor, neben der bestehenden Hausspende von 1000 Francs auch eine solche von 2000 Frcs. zu schaffen, die es ermöglicht. Arbeiterhäuser auch für größere -Familien und an wichtigen Orten zu errichten, wo die Beschaffung des Materials und die Transportverhältnisse eine Verteuerung des Baues herbeiführen. Die Generalversammlung beschließt hierauf auf Antrag des Herrn Prof. Warburg. zur provisorischen Unterbringung. Anschaffung von Zelten und Erbauung von Baracken für die jetzt eingewunderten jemenitischen Flüchtlinge 3000 Frcs. zu bewilligen. Ferner wurde beschlossen, eine Arbeiterhaus-Spende in Höhe von 2000 Francs zur Errichtung von Arbeiterhäusem für größere Familien einzuführen. Es sollen propagandistische Maßnahmen getroffen werden, um die Eingänge für den Arbeiterheimstätten - Fonds neuerdings wesentlich zu stärken. Landkauf. Die Generalversammlung beschließt, den Ankauf eines größeren Areals an einem wichtigen Punkte Palästinas vorzunehmen. — Das Svnagcgen-Comite in Tel-Awiw hat um die Ueberlassim.c eines Bauplatzes im Werte von etwa 50 000 Frcs. füi die Synagoge der jüdischen Gemeinde Jaffas ge- Herr Dr. T s c h 1 e n o vv ist der Ansicht, die National fonds-Verwaltung solle ihren Standpunkt revidieren, daf der Nationalfonds grundsätzlich den Baugrund für alh öffentlichen Gebäude stellt. Das würde unsere Mitte mit der wuchsenden Zahl der Schulen, Krankenhäuser Synagogen allzu stark in Anspruch nehmen und e!n<