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Die Welt · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · p. 634

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Article
Von unserem Schulwerk
Date
1914-06-26
Page
634 (sequence 3)
Language
German
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634 DIElggELT Nr. 26 in jedem Falle im Auslande werden finden müssen, so verlangt unsere gesamte Arbeit, daß diese Männer sich in Jerusalem, das so dringend neuer Kräfte bedarf, niederlassen. Die Arbeit . zur Stärkung des städtischen Jischub in wirtschaftlicher und in politisch-kultureller Hinsicht kann nur in Jerusalem und von Jerusalem ausgehen. Die neue Schuldirektion in Jerusalem soll den Anfang dieser Arbeit bilden. Andere Institutionen werden folgen. „H a ch e ruth“.betont ebenfalls in einigen Artikeln, wenn auch von einem anderen Gesichtspunkte, daß nur Jerusalem der Sitz der zu errichtenden Schulbehörde sein dürfe. So schreibt A. J. Schermann in Nummer 194: Wir alle stimmen darin überein, daß die neugegründeten Schulen durch eine Zentralleitung verwaltet werden sollen. Wir glauben aber, daß nur Jerusalem der Sitz der Leitung sein kann. Die Frage Jerusalems ist bei uns von ebenso fundamentaler Bedeutung wie etwa die religiöse Grundlage der Schulen, die nicht der Diskussion und der Abstimmung unterliegen kann. Jerusalem muß wieder das Zentrum für das geistige Leben Palästinas werden. Ueberdies haben wir gewisse religiöse Forderungen an die Schule, und fürchten, daß diese in Jaffa nicht genügend berücksichtigt werden. Schon diese kurze U ebersicht über die palästinensische Presse beweist, daß hier keine Einmütigkeit vorhanden ist. Das religiöse Moment hat besonders in den letzten Tagen zu Auseinandersetzungen Anlaß gegeben. Es wäre verfrüht, schon jetzt ein abschließendes Urteil zu fällen und es liegt auch kein Bedürfnis vor, die Lösung dieser Fragen zu überstürzen. Die neugeschaffenen Schulen haben sidh in der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestehens in pädagogischer und auch in anderer Hinsicht gut bewährt. Was die organisatorischen Mängel der autonomen Schulen betrifft, so ist zu bedenken, daß sie gerade ihrer Selbständigkeit ihre Blüte zu verdanken haben. Man hat es bei den Arbeitergenossenschaften konstatiert, daß sie durch ihre Selbständigkeit zu Leistungen angeregt werden, die sonst nie erreicht worden wären. Mutatis mutandis gilt dies auch von Schulen, die von den Lehrern schöpferische Arbeit verlangen und sie in der Hauptsache mit dem Bewußtsein entlohnen, daß sie aus freien Stücken ihr Bestes an ihr Werk gesetzt haben. ^‘Kleine Nachrichten Die Kunstgewerbeschule „Bezalel" eröffnet diesen Monat eine Ausstellung der Arbeiten der Schüler. In der Tabnud-Thorah „Ez-Chajim“ in Jerusalem, die wohl die größte seitens der Aschkenasim ist, wurden in letzter Zeit wichtige Verbesserungen bezüglich des Bibel- und Schreibunterrichts vorgenommen. langsames Tempo der Zuwanderung. Es gibt zahlreiche Leute, für die Palästina als Einwanderungsland in Betracht kommt, aber auch sehr. viele, die wegen ungenügender Mittel oder mangelnder Berufskenntnisse in Palästina jetzt absolut keine Existenz finden können. Es ist daher dringend zu empfehlen, nicht aufs Geratewohl unter Umgehung der zuständigen Informationsstellen in Palästina und den Emigrationsländern zu handeln. Ueber die Möglichkeit der Ansiedlung in Palästina erteilt das Palästina-Amt in Jaffa (Adresse: Dr. A. R u p p i n , Jaffa) bereitwilligst Auskunft. ■iniiiunj REVUE DER PRESSE »»»« Einwanderung in Pal&stina In den letzten Monaten hat die jüdische Einwanderung nach Palästina eine starke Zunahme erfahren. Fast jedes Schiff brachte große Gruppen von Emigranten, die die unhaltbare Lage in ihren bisherigen Wohnländern zur Auswanderung getrieben hatte. Außer Rußland und Galizien sind neuerdings die früher ottomanischen, jetzt unter griechischer Oberhoheit stehenden Balkangebiete Herde der Emigration. Es sind bereits eine erhebliche Zahl von Emigranten aus diesen Gegenden in Palästina eingetroffen, die als ehemalige Ottomanen ein besonders wertvolles Kolonisationselement bilden. Infolge dieser Steigerung der Einwanderung, die ein erfreuliches Zeichen für die Zunahme des überall einsetzenden Interesses für das Land Israel darstellt, sind alle Maßregeln getroffen, um den Strom der Zuwanderung in geregelte Bahnen zu führen. Es liegt jedoch im Interesse eines gesunden Fortschritts des jüdischen Kolonisationswerkes, daß die Einwanderung ohne jede Ueberstürzung vor sich geht. Die Rücksicht auf die Landesverhältnisse Palästinas gestattet ein stetiges, aber vorläufig nur Ueber den Sprachenstreit in Palästina dind einige interessante Aeußerungen zu verzeichnen. Im „Near East“ wird ausgesprochen, daß der Versuch der Zurückdrängung der hebräischen Sprache genau die gegenteilige Folge gehabt und den Hebraisten die Stärke ihrer Position erst deutlich gemacht habe. Hier wird — sicherlich nicht unbeeinflußt von dem sich vorbereitenden anderen Sprachenstreit, nämlich dem zwischen dem Englischen und Deutschen als europäische Verständigungssprachen im Orient — diese Entwicklung mit großer Wärme begrüßt. Kein aufmerksamer Beobachter könne in Palästina daran Vorbeigehen, daß dort, etwas wie eine jüdische Wiedergeburt vor sich gehe. Der Sprachenstreit bezüglich des- Technikums, der mit einer Anerkennung der Berechtigung des Hebräischen geendet habe, sei nur das erste Kapitel einer Entwicklung von hervorragendem Interesse. Mit der Errichtung einer hebräischen Universität in Jerusalem würde ein neues, bedeutsames Element die Kultur der zivilisierten Welt bereichern usw. usw. Von der sozusagen entgegengesetzten Seite wird die Sache in einem Artikel „Die Juden in Jerusalem“ von Professor Guthe in der „Vossischen Zeitung“ behandelt. Dieser hervorragende Kenner Palästinas betrachtet die Angelegenheit mit sehr gemischten Gefühlen. Der hebräische Unterricht hm Jaffaer Gymnasium hat ihm sichtlich imponiert. Andererseits klingt ein Bedauern mit, wenn er konstatiert, daß in Sachen des Technikums der Zionismus einen Sieg zu verzeichnen habe. Aber er ist objektiv genug, zuzugeben, daß der Sprachenstreit keineswegs als Kampf gegen das Deutschtum gemeint gewesen sei, „wenn er auch von ausländischer Seite wiederholt so verstanden und benutzt worden ist“. Uebrigens sei bemerkt, daß doch nicht erst neuerdings Jerusalem wieder eine vorwiegend jüdische Stadt geworden ist. Die von Guthe konstatierte jüdische Majorität besteht schon seit fast 20 Jahren, wenn sie auch .erst seit kürzerer Zeit zu einer vollen Zweidrittelmehrheit angewchsen ist. — Auch daß das Hebräische lange Zeit nur inoch als Gelehrten- und gar nicht als Verkehrssprache gelebt habe, ist nicht ohne Widerspruch hinzunehmen. dt.— In einer Arbeit über die Anbaufähigkeit der arabischen Provinzen der Türkei gibt der bekannte Forscher Alois Musil in der Oesterreichischen Monatsschrift für den Orient, März-Juni 1914, wertvolle Hinweise auf die Kulturfähigkeit der allgemein für wertlos gehaltenen südlichen Grenzend Nachbargebiete des engeren Palästina. Nach ihm könnten südlich von Palästina, in dem altbiblischen Negeb, in einer Länge von v150 und einer Breite von 50 km an den Hängen ertragreiche Weinberge und in den Mulden fruchtbare Felder entstehen. Hierzu wäre nur nötig, die alten Terrassen, Wehren und Schutzmauern auszubessern. Auch die Ruinen der verfallenen Ortschaften könnten noch gute Dienste leisten. Ein Anfang wurde bereits mit dem

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