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Die Welt · 1914-06-19 · 25 (19.6.1914) · p. 601

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
25 (19.6.1914)
Article
Die Sitzung des großen Actions-Comités
Date
1914-06-19
Page
601 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 daß wir bei unserer nächsten Zusammenkunft im Herbst von guten Ergebnissen dieser Sommerarbeit einander werden berichten können. Auf Wiedersehen bei der Jahreskonferenz.“ Justizrat Dr. Lodenheime r: „Ich glaube berechtigt zu sein, im Namen aller Anwesenden zu sprechen, und danke dem E. A. C. für seine ersprießliche Tätigkeit in den letzten Monaten, sowie Herrn Dr. Tschlenow für die umsichtige Leitung dieser Tagung. Es hat mich besonders gefreut, daß 601 bei unseren letzten Beratungen ein so ruhiger und sachlicher Ton geherrscht hat. Ich fasse das als eine erfreuliche Vorbedeutung für die Art und Weise auf, mit der das E. A. C. an seine neuen großen Aufgaben herantreten wird. Ihre Verwirklichung wird möglich sein, wenn wir immer, auch draußen, mit dieser Ruhe und Sachlichkeit auftreten.“ Dr. Tschlenow: „Ich danke Herrn Dr. Bodenheimer für seine freundlichen Worte und schließe die Sitzung des Großen Actions-Gomites.“ Der XIV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die diesjährige Tagung der deutschen zionistischen Organisation, die am 14. und 15. Juni im Krystallpalast in Leipzig stattgefunden hat, überragt in mancher Beziehung die früheren Delegiertentage. Schon äußerlich dokumentierte sich dies durch eine überaus starke Beteiligung seitens unserer Gesinnungsgenossen aus Deutschland. 124 Delegierte aus mehr als 80 Gruppen waren anwesend, und die Zahl der Gäste, die aus Leipzig, Berlin und zahlreichen anderen Orten Deutschlands gekommen waren, betrug mehrere Hundert. Die reichhaltige Tagesordnung des E>elegiertentages erhielt ihr Gepräge durch die bedeutsamen Vorgänge. die seit dem Posener Delegiertentag in Deutschland vor sich gegangen waren und das zionistische Leben Deutschlands in den letzten zwei Jahren ausfüllten. Zwei Fragen waren es vor allem, die den 14. Delegiertentag beschäftigten: die Stellungnahme zu den anderen jüdischen Organisationen in Deutschland und die Frage der zionistischen Jugenderziehung. Zu der ersten Frage, die eine innerpolitische ist, haben wir im Leitartikel der vorigen Nummer Stellung genommen. Die zionistische Jugenderziehung ist in Deutschland genau so wie in anderen Ländern ein aktuelles Problem unserer Gegenwartsarbeit geworden. Diese beiden wichtigen Fragen wurden in ausführlicher Weise in der Eröffnungsrede des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Rechtsanwalt Dr. H a n t k e, behandelt, die einen Gesamtüberblick auch über die anderen wichtigen Vorkommnisse und künftigen Aufgaben des Zionismus in Deutschland gab. Wir lassen die Eröffnungsrede des Herrn Dr. Hantke im Wortlaut folgen. Geehrter Delegiertentag! Die äußere Geschichte des deutschen Zionismus seit dem 13. Delegiertentag in Posen zeigt uns mehr denn je eine Zeit des Kampfes, der Abwehr, aber auch des Erfolges. Im Anschluß an die Diskussionen im „Kunstwart“, an die Vorträge Professor Sombarts und seine Schrift: Die Zukunft der Juden — Momente, die die steigende Beschäftigung der öffentlichen Meinung mit dem Problem des Zionismus zeigten — nahm der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Revision seiner Stellung zum Zionismus vor. Sein Organ „Im Deutschen Reich“ wandte sich mit Schärfe gegen den jüdischen Nationalgedanken. Es folgten Zusammenstöße in Oberschlesien, dem Wetterwinkel des jüdisch-politischen Lebens in Deutschland, in der Rheinprovinz und anderswo. Und die Generalversammlung des Zentralvereins am 31. März 1913 faßte jene bekannte Resolution, die im Gegensatz zur früheren Praxis den Zentralverein gegen den jüdischen Nationalismus festlegte. Es war nur die selbstverständliche Antwort, wenn daraufhin am 1. Mai 1913 unser Zentralkomitee unter Beteiligung von Vertretern aller Ortsgruppen fast einstimmig eine weitere Mitarbeit von Zionisten im Zentralverein für unmöglich erklärte. ' Dasselbe Jahr brachte uns eine Fortsetzung der Kämpfe im Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, aber auch deren vorläufigen Abschluß. Denn allem Anschein nach gedenkt der Gemeindebund das Gebiet jüdischer Politik, auf das er sich zu seinem Schaden begeben, wieder zu verlassen und sich auf sein ursprünglich rein humanitäres und daher dem Kampf der Parteien entzogenes Arbeitsfeld zu beschränken. In gleicher Weise hat sich die deutsche Konferenzgemeinschaft. der Alliance Israelite Universelle aus der jüdischen Politik ausgeschaltet und ist wieder der Verwaltungskörper der Alliance für Deutschland geworden wie in früheren Jahren. Trotzdem müssen beide Kämpfe an dieser Stelle erwähnt werden, denn sie zeigten, daß in jeder jüdisch-politischen Aktion mit der Meinung der Zionisten gerechnet werden muß und daß die Zeiten vorüber sind, in denen einige kleine assimilatorische Kreise in Beratungen, die jedweder Oeffentlichkeit sorgsam entzogen waren, widerspruchslos regieren konnten. Andererseits haben alle diese Kämpfe, ebenso die Wahlkämpfe in einer Reihe der größeren Gemeinden, zur Festigung des Antizionistischen Komitees beigetragen. Stellte doch die Gründung dieses Komitees im Jahre 1911 den Bruch mit der 14 jährigen Totschweigetaktik der Assimilation dar. Es muß daher alle diejenigen an sich ziehen, die nun einmal im Zionismus eine Gefahr sehen und versuchen wollen, seinen steigenden Einfluß durch eine Gegenaktion wieder zu verringern. Die bisherigen Erfolge des Komitees scheinen uns allerdings die großen Anstrengungen nicht ganz zu rechtfertigen. Das beweist wohl am besten der Verlauf des größten Kampfes, den unsere Organisation bisher überhaupt geführt hat, des Kampfes um die hebräische Unterrichtssprache in Palästina. Hier war uns ein Kampfobjekt gegeben, würdig der Größe unserer Organisation und der Kraft unserer Idee und damit geeignet, höchste Anstrengungen zu heischen. Eine der größten jüdischen Organisationen, gleichzeitig eine der populärsten und Jahre hindurch von unserer Presse verwöhnt und gelobt, stand uns gegenüber. Sie fand bei allen Assimilänten Deutschlands weitestgehende Unterstützung. Auch heimliche Gegner unserer Arbeit schlossen sich an. Die stärkste Waffe im Judentum wurde gegen uns geschleudert: Radikale Assimilänten erklärten die jüdische Religion in Gefahr. Die Autorität der Regierung wurde ins Feld geführt und das Schreckgespenst behördlichen Eingreifens gegen antipatriotische Betätigung an die Wand gemalt. Adressen aus Palästina sollten die Gegnerschaft der eingeborenen arabischen Bevölkerung, ja sogar der einheimischen Juden beweisen. Wir haben diesem konzentrierten Angriff widerstanden, ihn siegreich zurückgeschlagen und wertvolle Konzessionen errungen. Es gelang uns, die deutsche Oeffentlichkeit und die führenden Kreise über die Ursachen dieses Kampfes und über berechtigten Wünsche der palästinensischen Juden aufzuklären. Wir fanden auch den Weg zu den Herzen der jüdischen Massen der ganzen Welt und konnten so die großen Mittel aufbringen, die die Eroberung der neuen Positionen in Palästina von uns fordert. Wir verdanken diese Ergebnisse aber nicht nur der Energie unserer Ortsgruppen und unserer Landesverbände. Auch uns standen starke Faktoren zur Seite, weniger bekannt in der Außenwelt als die Vereine und Gruppen jüdischer Notabein, aber weit lebenskräftiger: die Liebe des Juden zur hebräischen Sprache und die nationale Kraft des neuen Judentums in .Palästina. Mit ihnen siegten wir und mit ihnen werden wir das Werk fortsetzen und zu einem guten- Ende bringen. Denn nur der erste Schritt ist bisher getan. Er war der entscheidende. Denn er verhinderte das Auftauchen einer bewußten Assimilation im palästinensischen Judentum der Zukunft und er ermöglichte gleichzeitig die nationalkulturelle Vereinheitlichung des jüdischen Palästina. Er bereitete die allmähliche Hebraisierung des Technikums in Haifa vor und er schuf ein nationales hebräisches und von assimilatorischen Einflüssen unabhängiges Schulwerk in Palästina. Die widerstrebenden Tendenzen sind aber noch nicht niedergerungen. In kleinen und kleinlichen Gegenaktionen suchen sie den realen Wert unseres Erfolges zu schmälern und ihrer assimilatorischen Tendenz weiterhin einen Eingang in Palästina offenzuhalten. Wir dürfen zu unserer Leitung das Vertrauen haben, daß sie dieser heimlichen Arbeit gegenüber auf dem Plätze sein wird, und unsere Leitung soll wissen, daß auch in Zukunft die deutschen Zionisten ihr in der Sicherung des Hebraismus in Palästina uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Diese Zeit höchster Anspannung des jüdisch-politischen Lebens hat das Antizionistische Komitee benutzt, um einen, wie es glaubte, entscheidenden Schlag gegen uns zu führen. Wenige Wochen vor der uns günstigen Entscheidung in der

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