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Die Welt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. 582

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Article
[Kommentar]
Date
1914-06-12
Page
582 (sequence 2)
Language
German
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582 OIEÄELT Nr. 24 lachen teilweise geräumt werden, da sich ihnen an anderen Stellen bessere Lebensbedingungen bieten. Dem türkischen Staat kann aber die Besiedelung der menschenleeren Gebiete in Syrien unter zionistischer Leitung nur willkommen sein. Somit bleibt die jüdische Kolonisationsarbeit in Palästina ein Werk von weittragender Bedeutung, das schließlich auch vorbildlich werden kann für jüdische Siedelungen an anderen Steilen der Erde. Das Programm der palästinensischen Kolonisation: räumliche Konzentration der Bevölkerung unter Umschichtung der Berufe zur Landwirtschaft hin, stellt in einer Zeit, da fast alle Staaten in der alten und neuen Welt sich gegen die Einwanderung der osteuropäischen Juden abzuschließen beginnen, eine Möglichkeit dar, um für die aus dem europäischen Osten auswandemden Juden irgendwo ein sicheres Asyl zu schaffen. Von diesem Standpunkt aus gesehen, kann man dem Zionismus in der Tat das Verdienst zusprechen, den Weg gefunden zu haben, der einmal zur Lösung der osteuropäischen Judenfrage führen könnte, obwohl an ihre Lösung für die Gegenwart schwerlich zu denken ist. Wie sich aber auch immer der kolonisatorische Erfolg des Zionismus in Syrien stellen mag, der Zionismus bleibt auf jeden Fall eine Bewegung edeldenkender, im besten Sinn sozial- und nationalgesinnter Männer und Frauen, die ihre nationale Geistigkeit im Interesse der ganzen Kulturmenschheit erhalten und fortgebildet wissen wollen, und die zugleich die geknechteten osteuropäischen Juden von dem Gefühl der Heimatlosigkeit befreien und eine neue Stammheimat schaffen wollen, in der sie aus der tiefen Nacht sozialen und nationalen Elends zur Freiheit und Menschenwürde emporzudringen vermögen.“; PALÄSTINA - RUND SCHAU Die neue Einwanderung nach Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Wir haben jetzt eine verstärkte jüdische Einwanderung nach Palästina zu verzeichnen, die sich von ähnlichen Erscheinungen früherer Jahre unterscheidet. Während es nämlich sonst immer e i n Land war, das durch besondere Verfolgungen eine Auswanderungsbewegung nach Palästina hervorrief, haben wir jetzt gleichzeitig eine Einwanderung aus drei Ländern: Rußland, Mazedonien und dem Jemen. Die Lage der Juden in Rußland ist bekannt genug. Und sie wird immer unhaltbarer. Von Tag zu Tag verschärft sich der Druck, der von den Behörden und Verwaltungsorganen auf die jüdischen Massen ausgeübt wird, und die Habgier und Verfolgungswut des russischen Tschin kennt keine Grenzen. Auch im Jemen hat sich die Lage der Juden, trotz des höflichen Briefes des Iman Jach ja an Rabbi Nahum, in "keiner Weise verbessert. Auch dort hat eine stärkere Auswanderung eingesetzt, die zwar jetzt nicht mehr ausschließlich Palästina zum Ziele hat, aber immerhin alle paar Wochen. mehr oder minder zahlreiche Gruppen von Auswanderern nach den Häfen Palästinas führt. Als drittes Auswanderungsgebiet gesellt sich jetzt Mazedonien hinzu. Die dortige jüdische Bevölkerung, die des Druckes nicht gewöhnt ist, hat kein Zutrauen zu den neuen Verhältnissen. Die dortige Auswanderungsbewegung ergreift alle Schichten der jüdischen Bevölkerung, vom reichen Kaufmann bis zum Handwerksmann und Hafenarbeiter. Diese starke Zunahme der Einwanderung hat die jüdische Bevölkerung Palästinas, in erster Reihe aber die in Palästina arbeitenden jüdischen Organisationen, vor eine schwere Aufgabe gestellt. Die Einwanderung der Juden aus Saloniki war zwar schon vor einigen Wochen durch Briefe des Rabbi Jakob Mei'r angekündigt, und die „Hacheruth“ forderte in leitenden Artikeln zu einem herzlichen Empfang der aus ehemals türkischen Landen eintreffenden Juden auf. Allein über den ganzen Ernst der Angelegenheit wurde man sich erst klar, als die ersten 30 Familien aus Saloniki landeten. Ein besonders reges Interesse an dem Schicksal dieser Einwanderer nahmen begreiflicherweise die Sephardim Jaffas. Vor einigen Tagen fand in den Räumen des Palästinaamtes unter dem Vorsitz des Jaffaer Chachambaschi eine Beratung statt, an der ca. 30 Personen, darunter Kaufleute, Handwerker und Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen. Die Beratung wurde durch Dr. Thon eröffnet. Herr Ephraim Blumenfeld, der Leiter des Arbeitsbureaus, betonte die Notwendigkeit der Schaffung eines Einwanderungsamtes, das sich besonders mit den industriellen Fragen zu befassen hätte. Nach seiner Ansicht sind, unsere bisherigen Institutionen bloß für die landwirtschaftliche Kolonisation zugeschnitten. Das Palästinaamt befaßt sich hauptsächlich mit Fragen des Bodenerwerbs. Das von den „Poale-Zion“ geschaffene Arbeitsbureau dient den Interessen der landwirtschaftlichen Arbeiter. Auf dem Gebiete der städtischen Siedlung und der industriellen Information aber fehlt es gegenwärtig an einer zuständigen Instanz, worauf übrigens Davis Trietsch schon wiederholt aufmerksam gemacht hat. Dieser Mangel ist besonders angesichts der Einwanderung aus Saloniki sehr fühlbar, da diese Emigranten, die über kleine und mittlere Kapitalien verfügen, besonders für städtische Industrien in Betracht kämen. Auch in Amerika gibt es größere Gruppen von Einwanderungslustigen, die über Kapitalien verfügen und industriell tätig sein möchten. Dieser Ansicht schlossen sich auch einige Kaufleute, die an der Beratung teilnahmen, an. Auch sie wiesen auf verschiedene industrielle Möglichkeiten hin. Zum Schluß wurden folgende Resolutionen gefaßt: 1. Mit den Einwanderern aus Saloniki soll sich die sephardische Gesellschaft „Agudath Hamagen“ gemeinsam mit Vertretern der Arbeiterorganisationen und der Institutionen befassen. 2. Zum Studium der kommerziellen und industriellen Möglichkeiten wird eine Kommission eingesetzt, die mit der Anglo-Palestine Company und dem Palästinaamt Hand in Hand arbeiten soll. In diese Kommission wurden gewählt Ing. Wilbuschewitz, die Kaufleute Chaim, Chajesman, Schiusch, Chanoch, Fabrikant G u r a 1 s k i und Dr. M o y a 1. Auch der Waad-Hair von Jaffa ist sich seiner Pflicht gegenüber der Einwanderung bewußt geworden. Er erachtete es besonders als seine Aufgabe, den Einwandemden nach der Landung und während der ersten Tage in Jaffa mit Rat und Information zur Seite zu stehen. Die Frage der Erbauung eines Einwandererhauses wurde einer besonderen Kommission überwiesen. Inzwischen sind in der letzten Woche wieder 210 Juden, darunter 33 aus Saloniki und 4 Gerimfamilien aus Rußland eingetroffen. Die Saloniker sind fast durchweg stramme junge Leute und der Arbeit gewohnt. Es befinden sich unter ihnen 9 Maurer, 3 Tischler und einige Schuhmacher. Angesichts der von allen Seiten zunehmenden Einwanderung sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die jüdische Presse in Osteuropa gegenwärtig auf eine Einschränkung der Auswanderung nach Palästina hinwirken sollte, wenigstens so lange, bis die neuen Emigranten festen Fuß gefaßt haben. Andererseits sollte jetzt mit größtem Nachdruck für den Arbeiterheimstättenfonds des Jüdischen Nationalfonds gesammelt werden, damit noch im Laufe des Sommers für den neuen Zustrom der Arbeiterfamilien Unterkunft geschaffen werden kann. Gründungsfest eines Jemenitenvereins Dieser Tage fand in Jaffa das Gründungsfest des Vereines junger Jemeniten „Zeirej-Hamisrach“ statt, der jetzt das erste Jahr seines Bestehens vollendet hat. Der Verein zählt gegenwärtig 85 Mitglieder. Er betrachtet als seine Hauptaufgabe 86407401

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