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Die Welt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. 580

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Article
Die jüdische Bevölkerung Österreichs
Date
1914-06-12
Page
580 (sequence 2)
Language
German
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580 DlEX&ELT Nr. 24 als das Verhältnis der Juden zur G-esamtjudenheit Oesterreichs. Danach steht an Judenreichtum an der Spitze die Bukowina mit 128,63 pro Mille Juden, dann kommt gleich Galizien mit 108,64 pro Mille und in sehr weitem Abstande Niederösterreich mit 52,32 pro Mille, darauf wieder in ziemlich beträchtlichem Abstand Triest mit 23,06 pro Mille, Schlesien mit 17,76 pro Mille, Mähren mit 15,60 pro Mille, Böhmen mit 12,68 pro Mille, während die übrigen Landesteile als direkt judenarm bezeichnet werden können. Andererseits leben von den österreichischen Juden die meisten in Galizien mit 663,70 pro Mille, dann kommt im gewaltigen Abstand Niederösterreich mit 140,66 pro Mille, dann die Bukowina mit 78,34 pro Mille, Böhmen mit 65,33 pro Mille, Mähren mit 31,33 pro Mille und Schlesien mit 10,33 pro Mille, während die übrigen Landesteile zusammen nur etwas über 10 pro Mille der österreichischen Juden beherbergen. Zwei Drittel aller Juden wohnt also in Galizien, drei Viertel in Galizien und Bukowina, ein Siebentel in Niederösterreich, etwas über ein Zehntel in Böhmen, Mähren und Schlesien. — Die Anhäufung der Juden in den Großstädten über 100000 Einwohner und in den Mittelstädten zeigt Tabelle V. Danach leben in den sieben Großstädten Oesterreichs rund 300000 Juden oder fast der vierte Teil (23 °/o), von der Gesamtbevölkerung nur der neunte Teil, in den Mittelstädten rund 42000, in Groß- und Mittelstädten zusammen also rund 342 000. In Wien leben 13,3 °/o aller österreichischen Juden, aber nur 6,8, o/o der Gesamtbevölkerung. Im Verhältnis zur Zahl der Einwohner haben die meisten Juden von den Großstädten Lemberg (über ein Viertel) und Krakau (über ein Fünftel), dann folgen in weitem Abstande Wien, Prag und Brünn (ein Zwölftes bis ein Vierzehntel), zuletzt kommen Triest und Graz. Von den aufgeführten Mittelstädten steht Czernowitz in der Bukowina mit fast ein Drittel Juden an erster Stelle in Oesterreich, dann kommt Bielitz in Schlesien mit ein Sechstel Juden, dann in weitem Abstande Olmütz in Mähren mit über 7 o/o, Iglau in Mähren mit 5 °,o, Troppau in Schlesien mit 3,3 °/o und Reichenberg in Böhmen mit 3,2 o/o. Die übrigen Mittelstädte, darunter auch größere, wie Innsbruck, Laibach, Salzburg, Görz, Kla- Tabelle V In Großstädten lebten 1910 Ganzen: Juden °/o Wien. . . . 2 031498 175318 8.6 Graz. . . . 151 781 1971 1,3 Triest . . . 161 653 6161 3.2 Prag .... 223 741 18041 8,1 125 737 8 945 7,1 Lemberg . . 206113 57 387 27,8 Krakau . . . 154 141 32380 21,0 3 054 664 299 203 9,8 In Mittelstädten lebten im Juden 7o 1910 Ganzen: Czernowitz. . 87128 28 613 33,28 Innsbruck . . 53 194 384 0,72 Laibach. . . 41727 116 0,28 Reichenberg . 36 350 1240 3,41 Salzburg . . 36188 237 0,6 Wien-Neustadt 32 874 478 1,5 Görz . . . 30 995 252 0,81 Troppau . . 30 762 1112 3,61 30 049 56 0,2 Klagen furt. . 28 911 214 0,74 Marburg . . 27 994 66 0.24 25 914 1304 5,03 Bludenz. . 25 461 10 0,4 24126 50 0,21 Olmütz . . . 22 245 1679 7,54 18825 771 4,10 Bielitz . . . 18 568 3 024 16,29 67 817 608 0,9 Steyr . . . 17 442 121 0,7 Kremsier . . 16 528 546 3,3 Rovcreto . . 11 618 5 0,04 Friedeck . . 9 879 318 3.99 Ung. Hradisch 5174 453 8.75 genfurt, Marburg, Trient, Bozen und Wiener Neustadt haben nur sehr wenig Juden, alle (mit Ausnahme von Wiener Neustadt, das über 1 °/o hat) V-i—1 °/o. Die größte Judengemeinde Oesterreichs hat naturgemäß Wien mit 175 000 Juden, dann kommen Lemberg mit 57 000, Krakau mit 32 000, Czernowitz mit 29 000, Prag mit 18 000, Brünn mit 9000, Triest mit 5000, Bielitz mit 3000 und Graz mit 2000, Olmütz mit 1700, Iglau mit 1300, Reichenberg mit 1200, Troppau mit 1100, die übrigen haben unter 1000. Die gewaltige Zunahme der Juden in einigen Groß- und Mittelstädten seit 1880 zeigt Tabelle VI. Tabelle VI Zunahme der Juden in einigen Haupstädten seit 1880 1880 1890 1900 1910 Wien. 73 222 118 495 146 926 175 318 Prag (mit Vorstädten) 21405 24 034 27 779 2888« Lemberg. 30 961 36 130 44258 57 387 Krakau . 20 269 20 939 25 670 32 321 Bielitz. 1660 1977 2 960! 3 024 In Wien wohnt jetzt, wie gesagt, ein Siebentel bis ein Achtel aller österreichischen Juden, in Prag ein Drittel der Juden Böhmens, in Krakau und Lemberg mehr als der zehnte Teil der Juden Galiziens, in Czernowitz zwei Siebentel der Juden der Bukowina, in Brünn über ein Fünftel der mährischen, in Graz zwei Drittel der steierischen, in der Stadt Triest 92 o/t, der Juden Triests. Zu ergänzen sind diese Daten noch durch die speziellen Daten über Galizien. In Westgalizien betrug die Zahl der Juden 1910 213 269 — 7,9 o/o, in Ostgalizien 659 706 — 12,1 o/o der Bevölkerung. Ueberall hat (durch die Auswanderung und die Abwanderung nach Wien usw.) die Verhältniszahl der Juden in zahlreichen Städten abgenommen. Es betrug die Zahl in den beiden Hauptstädten: Krakau Lemberg bevölk. Juden % Gesamt- Juden % 1880 66 095 20 269 30,7 100 746 30 961 28.2 1890 74593 20 939 28,1 127 073 36 130 28,2 1900 97 372 25 910 27,0 159 877 44258 27.7 1910 151 886 32 321 21,3 206 113 57 378 27,8 Was die übrigen größeren Städte (mit Magistraten und Gemeinderäten) betrifft, 11 in West- und 19 in Ostgalizien, so betrug die Zahl in Tabelle VII 11 Städten Westgaliziens 19 Städten Ostgalizien Gesamtbevölk. Juden % Gesamtbevölk. Juden % 1880 92 087 31293 34,0 250 831 114 455 45,6 1890 106 706 34 450 32,3 290 968 127 775 43,6 1900 128 947 39 771 30,9 342 706 138 264 40,4 1910 164 361 51 257 31,2 408 458 157 013 38,5 Besonders stark ist die relative Abnahme in Brody von 76,3 °/o auf 67,5 °/o; in Stanislau von 53,8 o/o auf 45,6 o/o; in Kolomea von 51,9 o/o auf 44,3 ° b; in Tarnopol von 52,2 o/o auf 41,3 o/o; in Zollkiew von 55,3 »o auf 44,6 ob; in Zloczow von 48,5 °/o auf 39,6 °o; zugenommen hat sie in Sokal von 35.8 o.o auf 38,9 »,»; in Sniatyn von 21,5 o/o auf 35,5 °/o; in Grodek von 29,2 <>.o auf 29,8 °/o; in Jaworow von 25,4 o/0 auf 25.9 o/o. Die 56 Städtchen Westgaliziens hatten 1880 unter einer Gesamtbevölkerung von 166 580 53 629 Juden 32,2 °/o; 1910 ebenso unter 222 339 68 046 Juden — 30,6 °/o; die 83 Städtchen Ostgaliziens 1880 unter 337 469 Bewohnern 162 489 Juden —- 48,1 o/o; 1910 unter 441817 Bewohnern 185 532 Juden 42,0 O/o. Auf dem Lande in Westgalizien sank die jüdische Bevölkerung von 38,0 °<> auf 28,8 °/o.

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