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Die Welt · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · p. 579

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Article
Die jüdische Bevölkerung Österreichs
Date
1914-06-12
Page
579 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 24 579 DIE :elt Die jüdische Bevölkerung Oesterreichs Von H. Hoppe, Königsberg i. Pr. Seitdem A. R u p p i n mit seinen „Juden der Gegenwart“ und Theilhaber mit seinem „Untergang der <reutschen Juden“ die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf die jüdischen Bevölkerungsprobleme gelenkt haben, sind diese ein nicht unwesentlicher Gegenstand zionistischen Interesses geworden, und so darf denn eine Uebersicht über den Stand und die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in einem der wichtigsten Judenländer, in Oesterreich, nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1910 des allgemeinen Interesses sicher sein. Die gesamte jüdische Bevölkerung Oesterreichs im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung hat seit 1880, wie Tabelle 1 zeigt, erst schneller, dann seit 1891 langsamer als diese zugenommen. Tabelle I Zunahme der jüdischen Bevölkerung im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung Zunahme 1 1880 i 1890 | überhaupt 1900 | 1910 Zunahme in % 1881—1890 | 1891—1900 | 1901—1910 Zahl der Juden . . Gesamtbevölkerung 1005 394 I 1 143 305 i 22 044 344 | 23 895 413 1224 894 I 1813 687 | 126 150 708 | 28 571 934 1 (jesamtbevölkerung . . 13,72 | 7,14 I 7,25 7,91 j 9,44 1 9,26 Wir sehen also, daß in den letzten 20 Jahren die jüdische Bevölkerung Oesterreichs, ebenso wie die Deutschlands, wenn auch nicht in so starkem Maße, hinter der Entwicklung der übrigen Völker zurückgeblieben ist. Ohne Zweifel sind auch hier die gleichen Faktoren wie in Deutschland (stärkere Abnahme der Geburtenzahl, sowie Taufen und Mischehen) wenigstens zum Teil mittätig. Tabelle II Zunahme der Juden in den hauptsächlichsten Ländern Zunahme der Gesamt-Bevolkerung Zahl u b e r h a u p t i n Prozi :nt P r 0 z < :nt 1880 | 1 1890 | 1900! 1910 1881-1890 1891-1900 1901-1910 1881—90 11896-1900 1901—10 Niederösterreich. 95 058 128 729 157 278 184 779 35,42 22,16 17,49 14,24 16,49 13,91 Böhmen. 94 449 94 479 92 745 85 826 0.03 - 1,84 - 7,46 5,12 8,14 7,13 Mähren. 44175 45 324 44 255 41 158 2,60 — 2,34 — 7,00 5,73 7,07 7,57 Schlesien. 8 580 10 042 11988 13 442 17,04 19.38 12.13 7,10 12,35 11,24 Galizien. 686 596 772 213 811371 871 895 12,47 5,07 7,46 10.89 10,72 9,70 Bukowina. 67 418 1 82 717 96 150 102 919 22,69 16,24 7,09 13,11 12,93 9,57 Ehe Zunahme der Juden in den am meisten mit Juden bevölkerten Landesteilen zeigt Tabelle II. Wir sehen, daß Niederösterreich, wo Wien einen so gewaltigen Anziehungspunkt bildet, die bedeutendste Zunahme der Juden aufzuweisen hat, in zweiter Reihe kommt Schlesien, in dritter die Bukowina, in vierter Galizien, während in Böhmen und Mähren die Zahl der Juden, auch absolut, besonders seit 1900, ab-, genommen hat. In Niederösterreich, wo, wie gesagt, die Zunahme im wesentlichen auf der Zunahme der Wiener Judengemeinde durch Zuwanderung beruht — von den 184 779 Juden Niederösterreichs i. J. 1910 wohnten 175 318 in Wien (vgl. Tab. V) — übersteigt die Zunahme die der übrigen Bevölkerung eben infolge der gewaltigen Zuwanderung ganz wesentlich, aber auch hier ist sie seit dem Jahrzehnt 1880/90, wo sie 2Vs mal so stark war, auf die Hälfte gesunken und hat sich der Zunahme der Gesamtbevölkerung immer mehr genähert, die sie nur noch um 3,5 °/o übertrifft. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Oesterreich-Schlesien, wo die Zunahme im letzten Jahrzehnt lange nicht mehr so stark war wie in den vergangenen Jahren und sich der Zunahme der Gesamtbevölkerung sehr genähert hat, die sie nur noch um 0,9 0/0 übertrifft. Ganz bedeutend und unter die Zunahme in der Gesamtbevölkerung ist die Zunahme der Juden in der Bukowina und in Galizien heruntergegangen; in Böhmen und Mähren ist die Zunahme, die im Jahrzehnt 1880—1890 schon minimal war, in den beiden letzten Jahrzehnten in eine steigende und im letzten Jahrzehnt nicht unbeträchtliche Abnahme übergegangen. Hier, wie besonders in Galizien und der Bukowina ist die sinkende Zunahme bzw. die Abnahme, wenigstens zum Teil, der starken Abwanderung bzw. Auswanderung zuzuschreiben (1890—1900 sind allein aus Galizien über 100000 Juden ausgewandert.) Die sinkende Zunahme der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs seit 1890 tritt auch in ihrem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung zutage, das Tabelle 111 zeigt. Tabelle III Es bildeten in ganz Oesterreich die Juden auf alle Personen Pro Mille: 1880 45,40 1890 47,85 1900 46,84 1910 45,98 Während von 1880—1890 das Verhältnis um 2 pro Mille gestiegen war, hat es seitdem ständig abgenommen, wenn es auch 1910 immer noch eine Kleinigkeit über der Zahl von 1880 steht. Tabelle- IV Verhältnis der Juden in den einzelnen Landesteilen 1910 Länder Gesamtbevölkerung Juden p/ m der Bt Völker. Judenheit N jeder Österreich 3 531 814 184 779 52,32 140,66 Oberösterreich . 853 006 1215 1,42 0,92 Salzburg . . . 214 737 285 1,33 0,22 Steiermark . . 1 444 157 2 895 2,00 2.20 Kärnten . . . 396 200 341 0,86 0,26 525 995 146 0,28 0,11 225 510 5 498 23,96 4,19 Görz u Gradiska 260 721 338 1,30 0,26 403 566 677 1,68 0,52 Tirol .... 946 613 1624 1,72 1,24 Vorarlberg . . 145 406 126 0,87 0,09 Böhmen . . . 6 769 548 85 826 12,68 65,33 Mähren . . . 2 622 271 4: 158 15,69 1 31.33 Schlesien . . . 756 949 13 442 17,76 | 10,23 Galizien . . . 8 025 982 871 906 108.64 1 663,70 Bukowina . . . 800 098 102 919 128,63 I 78,34 Dalmatien . . 645 666 523 0,81 j 0,40 Ganz Oesterreich . . 28 572241! 1313 698 | Tabelle IV zeigt in den einzelnen Landesteilen Oesterreichs sowohl das Verhältnis der Juden zur Gesamtbevölkerung

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