Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 24 (12.6.1914)
- Article
- Sitzung des großen Actions-Comités
- Date
- 1914-06-12
- Page
- 573 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 24 573 DIE3§Ö=LT SITZUNG DES GROSSEN ACTIONS-COMITfeS Die Sitzung des Großen Actions-Comites stellt die Zionistische Organisation wiederum vor neue Aufgaben. Nachdem der Kongreß die Gründung der hebräischen Universität in Jerusalem beschlossen hat, ist inzwischen in Palästina als Folge des Schulkampfes ein eigenes hebräisches Schulwerk geschaffen worden, und das Actions-Comite gibt heute die Parole für eine neue große Arbeit aus, die Kapitalwerbung für die P. L. D. C. Die Gegner des Zionismus leben noch immer in der Meinung, daß der zionistischen Bewegung ein bestimmtes Kräftereservoir zur Verfügung steht und warten auf den Augenblick, in dem die Kräfte der Zionistischen Organisation erschöpft sein werden. Die Ergebnisse dieser A. C.-Sitzung geben ihnen Gelegenheit, sich aufs neue darüber belehren zu lassen, daß die zionistische Organisation aus allen Kämpfen-gestärkt hervorgeht. Mit jeder neuen Arbeit wachsen die menschlichen Qualitäten der Zionisten und neue Hoffnungen spornen sie zu weiteren und größeren Opfern an. Die Sitzungen des Großen Actions-Comites haben der Zionistischen Organisation oft eine neue Parole gegeben, aber von diesen Sitzungen sind nicht nur neue Forderungen an die zionistische Bewegung gestellt worden, die zionistische Organisation hat auch immer durch sie ein stärkeres Gefühl der Sicherheit und Kraft des zionistischen Lebens erhalten. Wiederum ist die Partei organisatorisch gewachsen. In Wien und Budapest sind die Bureaus der Landesorganisation reorganisiert worden. Für das Landesorgan in Westösterreich sind neue Möglichkeiten geschaffen worden, und während die nichtzionistische Welt wähnt, daß wir mit der Erhaltung unseres Schulwerks noch alle Hände voll zu tun hätten, schreitet die Bewegung auf immer breiterem organisatorischem Unterbau zu neuen Aufgaben. Sachlichkeit und Verantwortlichkeitsgefühl haben die Debatten auch dieser A. C. - Sitzung ausgezeichnet. Die Beschlüsse, die gefaßt sind, verlangen neue Opfer, gehen aber nicht über die im Augenblick vorhandenen Möglichkeiten hinaus. Das Ergebnis der A. C. - Sitzung ist ein Beweis für die Kraft der Zionistischen Organisation und für die Werbefähigkeit des jüdisch-nationalen Gedankens. Anwesend sind die Herren: Professor Warburg, Dir. E. W. Tschlenow, Dr. H a n t k e, Dr. Jacobson, Dr. Levin, Justizrat Dr. M. J. Bodenheimer, Jean Fischer, Dr. Friedemann, Dr. H. G. Hey mann, A. Idelsohn, Dr. Klee, Leo Motzkin, J. A. Naiditsch, A. Podlischewsky, Dr. Reich, J. A. Roso ff ^.Julius Simon, Professor Weizraann. Ferner die Herren S. Kaplansky und W. Jabotinski. Es lagen Begrüßungen von den Herren Wolffsohn, B. Goldberg, Keßler, Schein, Stand und U s s i s c h- AIs Gäste wohnten der Sitzung bei die Herren: M. Feldstein, J. L. Goldberg, Leon L e v i t e , Prof. Kellner, Prof. Scjiatzund Dr. Turoff. Professor Warburg eröffnete die Sitzung, am Sonntag dem 7. Juni, um 10 Uhr vormittags, mit einer kurzen Ansprache Darauf erstattete Dr. Tschlenow den Bericht des E. A. C Wir entnehmen dem sehr eingehenden Bericht folgendes: Unsere letzte Zusammenkunft hat gleich nach der Ver ständigung mit dem Kuratorium des Technikums, die dem Kampfe wegen der Unterrichtssprache im Technikum ein Ende gemacht hatte, stattgefunden. Dieser Kampf hat unserer Organisation den Anstoß und die Möglichkeit gegeben, eine große und seit langem empfundene Lücke im zionistischen Arbeitsgebiet auszufüllen. Den Arbeiten auf politischem, kolonisatorischem und organisatorischem Gebiete hat sich die kulturelle Arbeit angegliedert. Unser Arbeitsprogramm ist reicher geworden; und nach dem alten Spruche: „marbeh nechassim, marbeh daagah" sind wir jetzt auch an Sorgen reicher. Von mancher Seite, von nah und fern wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß diese neuen Bürden über unsere Kräfte gingen und die Organisation von der Ausführung anderer Aufgaben ablenken würden. Wir bestreiten diese beiden Behauptungen entschieden und erwarten, daß der Verlauf der jetzigen Tagung diejenigen unter Ihnen, die vielleicht ähnliche Befürchtungen hegen, beruhigen wird. Wir fühlen uns den neuen Bedürfnissen vollständig gewachsen und vertrauen so zuversichtlich auf die unerschöpfliche Quelle der Volksmöglichkeiten, daß wir, vom Kampfe einigermaßen befreit, unverzüglich an die Verwirklichung anderer Aufgaben herantreten. I. Kolonisatorische Arbeiten. 1. Ergänzung des Kapitals der Palestine Land Development Company. Das Große Actions-Gomite hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, das Kapital der P. L. D. C. zu ergänzen und uns beauftragt, den geeigneten Zeitpunkt für den Beginn der Subskription zu bestimmen. Wir hielten es zunächst für notwendig, eine befriedigende Bilanz der Gesellschaft abzuwarten. Wie Sie wohl wissen, hat die P. L. D. C. in der letzten Zeit die Möglichkeit bekommen, ihr Defizit bedeutend zu verkleinern. Die letzte Bilanz per 31. Dezember 1*013 ist kurz vor der Sitzung in unsere Hände gelangt; sie wird erst von uns und den Auditors in London genau geprüft werden. Nach den Angaben, die wir jetzt zur Verfügung haben, betrugdas Defizit per 30. September 1012 2755 £, der Gewinn der Gesellschaft betrug in der Zeit vom 1. Oktober 1912 bis 30. Juni 1913 S70 L, in der Zeit vom 1. Juli 1913 bis 31. Dezember 1913 1352 £, so daß das Defizit am 31. Dezember 533 £ betrug. In der letzten Zeit hat die P. L. D. C. eine größere Anleihe zum Ankauf von Boden erhalten. Aus diesem und weiteren Geschäften wird die Gesellschaft vermutlich schon in den nächsten Jahren imstande sein, eine bescheidene Dividende auszuschütten. Es war für uns andererseits notwendig, uns zu überzeugen, inwiefern die Kapitalwerbung für die P. L. D. C. jetzt auf Erfolg rechnen könnte. Es mußte dabei berücksichtigt werden, daß die Gesellschaft unter einem ungünstigen Stern geboren wurde. Schon von Anfang an ist sie auf große Gegnerschaft gestoßen. Einige Gegner haben dann ihre Ansichten geändert; andere aber sind bei ihrer Gegnerschaft und aktiven Bekämpfung unverändert geblieben und halten es für ihre Pflicht, bei jeder Gelegenheit ihr Mißtrauen gegen die P. L. D. C. zu äußern. Wir hielten daher einen Sondierungsversuch für notwendig, den wir in Moskau machten, wo man in zionistischen Sachen orientiert ist und wo man gerade in der letzten Zeit auch für Zentralfonds und Schulwerk gegen 25000 M. aufgebracht hat. Es wurden bis , jetzt 1640 £ gezeichnet und die erste Anzahlung bereits geleistet. Man wird allein in dieser Stadt bis 2000 £, vielleicht noch mehr aufbringen. Wenn wir berücksichtigen, daß Moskau seinerzeit bei intensiver Arbeit und bei der damaligen beispiellosen Begeisterung für den J. C. T. nur ca. 5000 £ gezeichnet hat, werden wir das jetzige Ergebnis als ein günstiges Symptom betrachten können. Wir sind daher der Ansicht, daß der Augenblick für den Beginn der Subskription günstig ist. Wir werden Ihnen einen