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Die Welt · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · p. 552

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Article
Die Wilnaer Achusa
Date
1914-06-05
Page
552 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 23 blE^EELT 552 '^ - Die Wilnaer Achusa Bereits in den Monaten September und Oktober 1912 begann unser bekannter Gesinnungsgenosse ß. A. Goldberg unter den Wilnaer Palästinafreunden eine Propaganda zugunsten der Bildung einer Wilnaer Achusa. Aber nur ganz langsam drang diese Idee in die Kreise der wohlhabenden Juden Wilnas ein. Dem Initiator der Wilnaer Achusa schien die Grundlage der amerikanischen Achusoth, wonach jedes Mitglied sich mit einem Betrag von 7300 Pres, beteiligt, zu unsicher, und er bestand vom Anfang an darauf, daß die Wilnaer Achusa auf einer festeren, mehr gesicherten Basis aufgebaut werde, nämlich auf einer Beteiligung mit einem mindestens doppelt so hohen Betrag. Und zu einer solchen Beteiligung fanden sich im Anfänge nur ganz wenige Interessenten bereit. Für kleinere Achusoth wie die amerikanischen- (mit einer Beteiligung von 3000 Rbl., auszahlbar in 10 Jahren ä 300 Rbl.) konnte man schon damals eine sehr ansehnliche Zahl von Reflektanten vereinigen, aber, wie gesagt, dem Initiator der Wilnaer Achusa war sehr daran gelegen, im Laufe der Zeit eine gesichertere materielle Grundlage zu schaffen, damit die Teilnehmer sich tatsächlich auch in Palästina niederlassen könnten. Deswegen bestand er auf einer Beteiligung von 15—16 000 Francs. Aus diesem Grunde zog sich die Angelegenheit etwas in die Länge. Noch im Frühjahr 1913, als Herr M. Scheinkin Wilna besuchte und aus diesem Anlasse eine Versammlung der Achusareflektanten stattfand, gab es im ganzen nur sieben Mitglieder, die sich einer Achusa mit einer Beteiligung von 16 000 Frcs. anschließen wollten, und von denen nur vier endgültig beigetreten sind. Erst im Herbst 1913 begann das Interesse reger zu werden, und als Dr. A. R u p p i n im November in Wilna weilte, konnte sich in seiner Anwesenheit die Wilnaer Achusa schon konstituieren. Die Versammlung vom 30. November, die bereits 12 Teilnehmer aufwies, setzte die Grundlagen der Achusa fest und beschloß, an die Legalisierung der Achusa zu schreiten. Die Grundlagen der Wilnaer Achusa sind folgende: 1. Erwerb einer Parzelle Boden von 150 Dunam für jeden Teilnehmer, wovon die Hälfte — 75 Dunam — gemeinschaftlich bepflanzt werden muß. 2. Die Beteiligung jedes Mitgliedes beträgt sechstausend (6000) Rubel, auszahlbar in sechzehn Halbjahresraten von je 375 Rbl. 3. Die Achusa wird als Treugesellschaft (Towarischtschestwo na Were) durch einen notariellen Vertrag gebildet. Es ist dies eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftung, bei der einige oder mindestens einer, als sogenannter voller Gesellschafter (polnyj towarischtsch) auftritt, alle anderen Teilnehmer als gewöhnliche Gesellschafter fungieren. 4. Die Leitung der Geschäfte liegt in den Händen eines von allen Mitgliedern gewählten Vorstandes. 5. Die Verteilung der Bodenparzellen und der Pflanzungen geschieht nach acht Jahren. 6. Die Uebersiedlung der einzelnen Mitglieder kann schon nach drei Jahren beginnen; dann wird dem betreffenden Mitglied ein Bauplatz und die ihm zukommende nichtbepflanzte Parzelle zugewiesen. 7. Haus und Inventar sind in dem Beteiligungsbetrag nicht eingeschlossen, d. h. bei der Uebersiedlung muß sich jedes Mitglied auf eigene Kosten ein Haus bauen und lebendes wie totes Inventar an schaffen. Andere Details, wie die Bestimmungen über die Funktionen des Vorstandes, über die Folgen der unpünktlichen Zahlung oder der gänzlichen Einstellung der Zahlungen usw., sind nicht von allgemeinem Interesse und können hier unerwähnt bleiben. Ueber die Sitzung vom 30. November ist in den jüdischen Zeitungen berichtet worden, und es setzte daraufhin ein sehr lebhafter Briefwechsel mit vielen Interessenten ein. Besonders wichtig für die weitere Entwicklung der Wilnaer Achusa war der Anschluß einer Gruppe von Interessenten aus Brest-Litewsk, die später die Zahl der Wilnaer sogar überstieg. Von da ab ging die Entwicklung der Wilnaer Achusa rasch vorwärts. Noch bei der Versammlung vom 12. Januar waren nur 16 Teilnehmer anwesend, die die ersten 36 000 Francs eingezahlt Hatten, am 12. März gab es bereits 3ö Mitglieder, am 8. Mai 60 und mit dieser letzten Ziffer war die Gesellschaft vollzählig, denn die Unternehmung sollte keinen zu großen Umfang annehmen, weil die Bewirtschaftung einer allzu großen Pflanzung zu kompliziert und schwierig Die rechtliche Konstituierung der Gesellschaft fand am 23. Februar statt, und diese rechtliche Sicherung hat dem Unternehmen Vertrauen verschafft. Bei einer Aktion, wo es sich um mehrere Personen, die Verpflichtungen für Jahre hinaus übernehmen, und überdies um die Verwaltung von hunderttausenden Rubeln handelt, ist eine feste rechtliche Basis unerläßliche Vorbedingung. Die wenigen in Rußland existierenden Achusoth, die vor der Wilnaer gegründet worden sind, so die Moskauer „Scheerith-lsrael“ und die Bialystoker, sind als Warschauer Kommanditgesellschaften auf Grund des Code Napoleon, der in Russisch- Polen noch als lokales Sondergesetz existiert, geschaffen worden. . Diese Form ist aber sehr kompliziert und auch kostspielig, weil sie an Personen, die in Warschau leben müssen, geknüpft ist. Die Schaffung der Wilnaer Achusa in einer rechtlichen Form, die bei "jedem Notar zu verwirklichen ist, hat die Bedeutung eines Präzedenzfalles, der von großer Bedeutung für die russischen Verhältnisse werden kann. Die Gesellschaft führt den Namen „Nordwestliche Pflanzungsgesellschaft“, weil fast sämtliche Mitglieder aus dem sogenannten Nordwesten des Ansiedlungsrayons stammen. Die meisten wohnen in Brest-Litewsk, Wilna, Schau- Ifen, Kowno und der Umgegend von Wilna, nur einzelne sind auch aus Petersburg, Rowno, Warschau usw. beigetreten. Am 12. März d. Js. fand die erste offizielle Mitgliederversammlung statt, wobei ein Vorstand von vier Personen gewählt worden ist (B. Goldberg, J. Berlin, J. W i n n iko w, J. Kirsner). An der Spitze des Vorstandes steht der Initiator und Gründer der Achusa — B. A. G o 1 d b e r g. Die Zahl der Mitglieder wurde auf 50 fixiert, später mußte sie wegen des großen Andranges der Reflektanten auf 60 erhöht werden. Die zweite Versammlung fand am 8. Mai statt, nach der Rückkehr des Vorsitzenden aus Palästina. Dieser erstattete Bericht über die verschiedenen Möglichkeiten des Bodenerwerbs für die Gesellschaft. Es wurden feste Beschlüsse bezüglich des Bodenankaufs gefaßt. Wegen des in Aussicht stehenden günstigen Bodenerwerbs haben die Teilnehmer sich entschlossen, die Frist der Auszahlungen auf 17 statt 16 Halbjahre auszudehnen und für jeden Teilnehmer 150 Dunam Boden, nur für die Bewirtschaftung zu erwerben, für Bauplätze aber weitere 10 Dunam für jedes Mitglied separat zu kaufen. Die Gesamtfläche des zu erwerbenden Bodens stellt sich demnach wie folgt: 1. Für 60 Mitglieder je 150 Dunam, im ganzen 9000 Dunam. 2. „ Bauplätze der Kolonie.600 3. „ allgemeine Zwecke.400 demnach im ganzen ein Terrain von zehntausend Dunam, welches einem Betrag von ungefähr 400 000 Frcs. entspricht. Der nötige Anzahlungsbetrag von 40 000 Frcs. ist bereits nach Palästina überwiesen worden. Der Gesamtumfang dieses Unternehmens beträgt (60 mal 17 000 Frcs.) etwas über eine Million Francs (1020 000 Frcs.). Durch die Nordwestliche Achusa sind die Wege der Organisierung von Achusoth geebnet, und hoffentlich wird die Bil-

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