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Die Welt · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · p. 551

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Article
Die jüdische Kolonisation Palästinas
Date
1914-06-05
Page
551 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 551 oben „systematische Philanthropie“ genannt habe. Man kann dem Arbeiter nur zu Ersparnissen verhelfen, indem man ihm die Sorge für Wohnung und ärztliche Hilfe abnimmt, und man kann ihn später nur ansiedeln, indem man seine Kreditfähigkeit nicht rein kaufmännisch, sondern unter den Gesichtspunkten staatlicher Kolonisationspolitik ansieht. Für ganz besonders wertvoll halten wir die Zusammenstellungen, die der Verfasser im Kapitel „Hauptkulturen“ gibt. Er zeigt hier zum erstenmal zahlenmäßig, wie bedeutend schon heute der Anteil der Juden an der Produktion Palästinas ist, weit bedeutender, als man nach ihrer noch geringen Zahl in der Landwirtschaft annehmen sollte. CHe Perspektive, die sich eröffnet, zeigt uns, daß binnen einem weiteren Menschenalter aller Voraussicht nach die Juden an erster Stelle in der Produktion Palästinas stehen dürften, ein Erfolg, der die kühnsten Erwartungen erfüllt. Eine schwere Frage, die sich jedem Betrachter auf die Lippe drängt, hat sich der Verfasser gar zu leicht gemacht: die Frage des Verhältnisses der jüdischen Kolonisation zur arabischen Bevölkerung des Landes. Hier muß ernste und wohlüberlegte Arbeit geleistet werden. Wir, die in Palästina leben, sind überzeugt, daß ohne ein gutes Verhältnis der beiden Nationalitäten die jüdische Arbeit nicht vorwärtsgehen kann. Hier ist bloßes Gehenlassen ebenso falsch wie ein chauvinistischer Liebernationalismus. Die Araber verdrängen dürfen und — können wir nicht. Wir können sie nur überflügeln und dann an unserem Aufstieg teilnehmen lassen. Wir haben Kulturarbeit auch an ihnen zu leisten. Diese und viele andere Gedanken regt Nawratzkis Buch aufs kräftigste an. Wir sind ihm, gerade weil wir die Mängel seines Werkes nicht beschönigen wollen, von Herzen dankbar für die reiche Gabe, die er nicht nur uns, sondern der europäischen Literatur mit seinem Buche gegeben hat. PALÄSTINA-RUNDSCHAU Lag Baomer in Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Der Lag' Baomer wurde in diesem Jahre in Jerusalem und in Jaffa feierlich begangen. In Jerusalem wurde vom Verein „Agudath Herzl“ mit Unterstützung der Lehrer K. L. Sil mann und Frl. Lipstadt ein Blumentag zugunsten des Jüdischen Nationalfonds veranstaltet. Die Einnahme betrug mehr als 400 Frcs. Wie alljährlich pilgerte die Bevölkerung zum Grabe des Schimeon Hazadik. Besonders erregte der Marsch des Turnvereins „Makkabi“. dessen Mitglieder die blauweiße Vereinstracht trugen, die Aufmerksamkeit der Massen. Eine Musikkapelle und ottomanische und jüdische Fahnen zogen voran. Ansprachen hielten David J eil in, Hillel Zlatopolsky und Zerubabel. — In Jaffa stand ebenfalls der „Makkabi“ im Mittelpunkte der Feier. Die Einnahmen sind zum Ankauf eines Aeroplans als Geschenk an die Regierung bestimmt. J. D. Fnimkin ln Jerusalem verschied dieser Tage J. D. F r u m k i n , eine der markantesten Persönlichkeiten des alten Jischub. In seiner Zeitung „Hachabazeleth“, die er Jahrzehnte lang herausgab, kämpfte er in den ersten Jahren für Aufklärung und für Ordnung in der Verwaltung der Chalukagelder. Infolgedessen zog er sich einen „Oberem“ und auch gerichtliche Verfolgungen zu. In den letzten Jahren hingegen war er in den Kreisen der extremen Orthodoxie wieder persona grata unu suchte seine „Jugendsünden“ vergessen zu machen. Unerschrockenheit war sein hervorstechendster Charakterzug. Immer focht er für seine Ueberzeugung, einerlei ob es gegen die „Großen“ in Israel ging oder gegen die damals mächtige Mission. Daß er dafür gelegentlich sechs Wochen ins türkische Gefängnis (unter den damaligen Zuständen!) wandern' mußte, konnte ihn nicht beirren. Er war auch einer derjenigen, die sich bei der ersten Einwanderung der Jemeniten nach Jerusalem vor 32 Jahren ihrer annahmen. Auf seine Initiative entstand damals ein jemenitisches Viertel in Jerusalem. Einwanderung Nach den Angaben eines Beamten des Informätionsbureaus sind in dem Halbjahr Tischri-Adar durch Jaffa nach Palästina 2014 Aschkenasim, 230 . Sephardim aus der Türkei, 180 Bucharer, 78 Perser und 57 Jemeniten eingewandert. Handwerker waren darunter 98. In der gleichen Zeit sind durch Jaffa 750 Personen, darunter 47 Handwerker, ausgewandert. ln den letzten Wochen hat wieder eine starke Einwanderung eingesetzt. So brachte das russische Schiff am letzten Mittwoch 250 Personen, während am folgenden Donnerstag mit dem österreichischen Schiff 85 Jemeniten und mit einem türkischen Schiff 75 Sephardim aus Mazedonien eintrafen. Diese starke Einwanderung hat u. a. eine unerhörte Steigerung der Mietspreise in Tel-Awiw zur Folge. Die dortige Gymnasialjugend hat in einer Versammlung den abenteuerlichen Beschluß gefaßt, daß sie, falls keine Ermäßigung der Mietspreise zu erzielen sein wird, den Sommer über in Zelten wohnen w erde. Es wird jetzt die Erbauung besonderer Schülerwohnungen geplant. Der naheliegende Gedanke, daß die ausländischen Schüler das Jerusalemer Gymnasium und die höheren Schulen in Haifa und Pethach-Tikwah besuchen sollten, wodurch das Jaffaer Gymnasium in seinem inneren Schulbetrieb nur gewinnen könnte, findet anscheinend keinen Anklang. — Im übrigen sollte die ostjüdische Presse dringend darauf aufmerksam machen, daß infolge der jetzigen Einwanderung aus Mazedonien und dem Jemen die Einwanderung mittelloser Arbeiter aus Osteuropa nach Palästina nicht zu empfehlen ist. Kleine Nachrichten Seit Jahren verhandelt Prof. Schatz mit einem amerikanischen Fabrikanten künstlicher Gebisse wegen der Verlegung seiner Fabrik nach Palästina. Jetzt wird mitgeteilt, daß der betreffende Fabrikant die Maschinen schon nach Palästina geschickt hat. Nach einer brieflichen Aeußerung hofft er etwa tausend jüdische Arbeiter beschäftigen zu können. Eine amerikanische Gesellschaft zur Erforschung Palästinas gräbt in der Nähe von Beirut nach Erdölquellen. In Jaffa wird jetzt für die im Entstehen begriffene Fabrik zur Herstellung von Orangenkisten aus Eukalyptusholz ein eigenes Gebäude in der Nähe des Meeres gebaut. Der Schulleiter Chaim Zifrin in Sichron-Jakob feierte dieser Tage das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner Lehrtätigkeit. A:.+-1A 0189902301000102020201

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