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Die Welt · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · p. 548

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Article
Neben dem Zionismus
Date
1914-06-05
Page
548 (sequence 2)
Language
German
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548 Nr. 23 DIE XXE LT stehen, seit der Beginn der zionistischen Arbeit in Palästina selbst das Hauptargument, das für die Nachbarländer sprach, beseitigt hat. Die Bevorzugung der Nachbarländer durch die A. J. K. O. findet ihren Ausdruck darin, daß sie ganz besonders nachdrücklich auf El Arisch (Sinaihalbinsel) hinweist. Wenn man jemanden, der die A. J. K. O.-Berichte aufmerksam gelesen hat, fragen würde, wo das Haupttätigkeitsfeld der Organisation liege, so dürfte er antworten, daß es gerade die Sinaihalbinsel sei. Wirklich kehren auch die großen Landerwerbungen auf diesem Gebiete in den Berichten überall wieder. Tatsächlich aber ist dort kein Land erworben und auch für die nächsteZukunftstehenLandkäufe nicht bevor. Die übrigen „Leistungen" der A. J. K. O. stehen in einem krassen Mißverhältnis zu den bei der Gründung angeschlagenen hohen Tönen und dem Air, das sich die Organisation zu geben sucht. Neuerdings scheint die A. J. K. O. einige Mittel zu bekommen. Klarheit ist aus den Verlautbarungen nicht zu gewinnen, sicher ist jedenfalls, daß die A. J. K. O. jahrelang mit zirka Null gearbeitet hat, und wenn man heute die Communiques aus jener Periode wieder liest, so kann man die vagen neueren Berichte nur sehr reserviert aufnehmen und möchte auch in der heutigen Situation der A. J.K. O. etwas mehr Solidität wünschen. Der Verein „Esra" zeigt ein wesentlich anderes Bild. Er beschränkt sich auf Deutschland. Er ist aus unglaublich bescheidenen Anfängen hervorgegangen. Die dekorativen Namen fehlen bei ihm. Aber dafür hat er von Jahr zu Jahr seine Arbeitsweise verbessert und ist trotz geringer Einnahmen in der Lage gewesen, auf die Entwicklung der Kolonisation in Palästina teils mit seinen Mitteln, teils mit seinen Verbindungen Einfluß zu nehmen. Der Verein ist zurzeit bestrebt, in der schwierigen Arbeiterfrage neue Wege zu zeigen und mit mäßigen Subventionen großzügige kolonisatorische Aktionen in die Wege zu leiten. Leider verfügt „Esra" trotz tüchtiger Arbeit noch über sehr geringe Mittel. Was die andern an Propaganda zu viel leisten (natürlich im Verhältnis zum inneren Emst und zur realen Arbeit betrachtet, denn Propaganda kann man nie zu viel machen), das wird hier offenbar zu wenig getan. Die Arbeitsweise des „Esra" würde eine viel großzügigere Propaganda rechtfertigen. Nun ist die Frage, was geschehen könnte, um diese jüdischen Kolonisationsfaktoren „neben dem Zionismus" zu größerer Wirksamkeit zu bringen. Es will mir scheinen, daß die Zeit reif wäre für eine allgemeine Konferenz der an der jüdischen Kolonisation im Orient interessierten Jude n h e i t. Ich habe schon einmal (im Herbst 1905, in dem damals Moses’schen „Generalanzeiger") angesichts der Zerfahrenheit in Fragen der jüdischen Emigration und Kolonisation die Anregung zu einer allgemeinen jüdischen Konferenz veröffentlicht. Nicht lange darauf folgte die Brüsseler Konferenz, durch die ich aber meinen damaligen Vorschlag nicht für erledigt halten konnte. Ich hätte gewünscht, daß die Aussprache bei einer Konferenz zu einer Einigung maßgeblicher Juden auf den Orient als absolutes Vorzugsgebiet für jüdische Kolonisationsbestrebungen geführt hätten. Das geschah damals nicht. — Heute aber steht die Sache schon wesentlich günstiger. Die Einigung auf den Orient als absolutes Vorzugsgebiet hat sich inzwischen, wenn auch nicht in direkt ausgesprochener Weise, vollzogen, so weit sogar, daß es kaum eine antizionistische Kundgebung gibt, in der nicht die jüdische Kolonisation in Palästina als ein allgemein jüdisches und nicht nur zionistisches Erfordernis hingestellt wird. Aber diese Dinge sollen einmal autoritativ festgestellt werden. Und außerdem genügt es nicht, allgemeine Forderungen aufzustellen. Sie wollen in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Dazu aber ist es nötig, daß die stillschweigend erfolgte Einigung der Judenheit auf den Orient als Kolonisationsgebiet von einer maßgeblichen Konferenz sozusagen legalisiert wird, und daß von derselben Stelle auch die Maßnahmen zur organisatorischen Durchführung ausgehen. Organisatorisch könnte diese Orientkonferenz den gewiß wünschenswerten Erfolg haben, daß die Scheinexistenz der Ito aufhört, daß die A. J. K. O. wirklich zu arbeiten beginnt, und daß dem Esra wesentlich größere Mittel zur Durchführung seiner Aufgaben zufließen. Jeder Leser der .Weit1 wird es als eine Ehrenpflicht ansehen, zum 10. Todestage Theodor Herzls seine Verehrung für unseren grossen Führer dadurch zu dokumentieren, dass er zu einer Stärkung der Organe und Institutionen beiträgt, die Herzl geschaffen hat Die erste Schöpfung Theodor Herzls und das wichtigste Instrument unserer Propaganda ist die „Welt". Deswegen glauben wir das Andenken unseres grossen Führers am würdigsten dadurch zu feiern, dass wir die Herzl-Gedenknummer der ,Welt‘ zu einer gediegenen Werbeschrift für den Zionismus gestalten. Die Beiträge, die uns bereits zugegangen oder in Aussicht gestellt sind, rechtfertigen die Erwartungen, die wir und unsere Leser für diese Gedenknummer hegen. Der Erfolg der Herzl-Gedenknummer hängt ausschliesslich von ihrer Verbreitung ab. Deswegen möchten wir nochmals an unsere Leser und Freunde die dringende Bitte richten, sich für die Verbreitung der Nummer mit allen Kräften einzusetzen. Die Zeit ist sehr kurz, denn im Hinblick auf den starken Umfang muss die Auflage spätestens am 20. Juni festgesetzt sein. Wir können daher nur jene Bestellungen berücksichtigen, die uns bis zum 20. Juni zugehen. Die Herzl-Gedenknummnr erscheint am 3. Juli d. J. Der Preis beträgt für Nichtabonnenten: in Deutschland in allen übrigen u.Oesterr.-Ung. Ländern in einfacher Ausführung . . 0,60 M. 0,70 M. auf holzfreiem Papier, gebd. . 1,— „ 1,20 „ Den zionistischen Gruppen, Vertrauensmännern und Kolporteuren "berechnen wir die Nummer in einfacher Ausführung bei Abnahme von: 10 Exemplaren mit 25 50 100 in Deutschland u.Oesterr.-Ung. 5,50 M. 13,50 „ 25- „ 45,— „ in allen übrigen Ländern 6,50 M. 15,50 „ Verlag „Die Welt“ BERLIN W15, Sächsische Str. 8.

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