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Die Welt · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · p. 532

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Article
Die Tätigkeit der landwirtschaftlichen Abteilung am Palästina-Amt
Date
1914-05-29
Page
532 (sequence 2)
Language
German
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532 Nr. 22 DIE3§£ELT Viehzucht, Molkerei: Es wurde eine Molkerei in Ein-Ganim gegründet, die Molkerei in Ekron vergrößert; eine Privatmolkerei in Moza (in der Nähe von Jerusalem) mit fünf Kühen angefangen. Wir leiteten Verhandlungen über die Gründung von neuen kooperativen Molkereien in Moza, Kafr- Saba, Beer-Jacob usw. ein; wir haben ferner Labpulver (von Witte- Rostock bezogen), an Kolonisten verteilt und diese in der Käsebereitung unterwiesen; wir untersuchten Milchproben auf Fettgehalt und Verfälschungen; außerdem wurden Fütterungsversuche mit Oelkuchen und Trockenschnitzel angestellt (die Ware wurde durch Kommissionäre aus Rußland bezogen, daher natürlich nur in kleinen Qantitäten). Wir bereiteten Konservenmilch und gaben einigen Kolonisten Anweisung, wie diese in kleinbäuerlichen Betrieben hergestellt werden kann. Schädlinge, Seuchen usw. Wir haben an die Farmen und Kolonien Löfflers Mäusethyphus und andere -Mittel zur Ausrottung der Feldmäuse verteilt. Mit Hilfe des Gesundheitsamtes in Jerusalem haben wir alles mögliche getan, um die Zahl der Mäuse in Judäa und Galiläa zu vermindern. Des öfteren haben wir den türkischen Behörden schriftliche und mündliche Anregungen gegeben, um gemeinsam mit uns für die Ausrottung der Schädlinge zu sorgen. Die türkische Regierung hat daraufhin Arsen unter die Bauern verteilen lassen. Maschinen und Geräte: Wir haben Pflüge, einen Planeten, einen Kultivator, eine Kleesämaschine (diese von den Herren Gebrüder Levontin gratis erhalten) zu Versuchszwecken an verschiedene Stellen abgegeben, ferner Milchkannen, Kühler, Separatoren, Butterfäßchen usw. für Molkereien bestellt; ebenso bestellten wir Häcksel- und Rübenschneidemaschinen für einige Kolonien. Im nachstehenden teilen wir mit, was wir im vergangenen Jahre zur Förderung der Landwirtschaftskunde unternommen Unterricht, Vorträge: Wir haben Sommerkurse im Garten- und Gemüsebau für die Lehrer der jüdischen Kolonien eingerichtet; diese Kurse waren mit praktischer Gartenarbeit (im Gemüsegarten des Gymnasiums) verbunden; ebenso hat unser Vertreter Vorträge über Milch und deren sanitäre Aufsicht in der Aerzteversammlung Jaffas gehalten. Zirkulare, Briefe: Wir haben an alle Kolonien Palästinas Zirkulare, betreffend die Seuchen, wie Rinderpest, Schlafkrankheiten, sowie die Mäuseplage usw. versandt; ferner wurden einige Hundert Anwortbriefe auf Anfragen der Kolonisten und Arbeiter in verschiedenen landwirtschaftlichen Angelegenheiten verschickt. Drucksachen: Die landwirtschaftliche Zeitschrift in hebräischer Sprache „Hachaklai“ wurde regelmäßig redigiert und herausgegeben; ferner wurde ein Lehrbuch für Garten- und Gemüsebau in hebräischer Sprache herausgegeben. Wir haben landwirtschaftliche Zeitschriften, Bücher usw. an viele Kolonisten verliehen und verteilt (wir sprechen auch an dieser Stelle dem United States Department of Agriculture, das uns regelmäßig alle Farmers Bulletins und anderen Drucksachen zusendet, unseren Dank aus). Ferner wurden allgemeine Zeitschriften an verschiedene Bibliotheken abgegeben. Was wir geleistet haben, ist nicht allzuviel. Unsere Abteilung ist zwar sehr wichtig und notwendig, aber unsere geringen Geldmittel gestatten uns keine größere Bewegungsfreiheit. Von dem Nationalfonds können wir für unsere Zwecke auch kein Geld fordern, dagegen könnten uns unsere Freunde sehr leicht unterstützen, indem sie uns nach dem Beispiele der obengenannten Herren zu Versuchszwecken allerlei landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Saatgut (Samen von Getreide, Futter. Gräsern, Gemüsen, Obstbäumen, Handels- und Medizinalpflanzen) zur Verfügung stellten (unter der Adresse: Palästinaamt, Landwirtschaftliche Abteilung, Jaffa). Dank der Liebenswürdigkeit eines unserer Freunde, der uns Klischees (Xylographien) unentgeltlich einsandte, wurde uns die Möglichkeit gegeben, ein größeres Werk über landwirtschaftliche Maschinen und Geräte zu veröffentlichen; wir bitten unsere Freunde, diesem Beispiel zu folgen; wir brauchen für hebräische Werke über die Landwirtschaft allerlei Klischees von Maschinen, Geräten, Tieren, Pflanzen usw. usw. (An dieser Stelle danken wir auch der Redaktion des „Tropenpflanzers“, die uns Klischees über Iceiya purchasi Masc. geborgt hat.) Wir möchten gern eine landwirtschaftliche Wanderbibliothek für unsere Kolonien einrichten, sind aber nicht imstande, die dazu nötigen Zeitschriften und Fachwerke anzuschaffen. Wir bitten daher um die Zusendung von Büchern und Zeitschriften in den verschiedensten Sprachen über alle Zweige der Landwirtschaft, möglichst über tropische und subtropische Kulturen, Tierheilkunde, Obstbau, Nebenbetriebe usw. usw. Wir haben eine Kollektion von Bodenproben Palästinas gesammelt, haben jedoch keine Mittel, diese Proben durch bezahlte Chemiker untersuchen zu lassen. Unsere Freunde aus den Chemikerkreisen (Agrikulturchemiker) könnten viel für die Förderung unserer Bestrebungen tun, indem sie unentgeltlich einige Pauschanalysen machten. Ebenso könnten unsere Freunde unter den Geologen, Botanikern, Zoologen (Entomologen) usw. uns helfen, indem sie die von uns eingeschickten Pflanzen, Insekten, Schädlinge bestimmen, sowie Gesteine und Versteinerungen ermitteln. Wir wären dann imstande, ein kleines Museum einzurichten, zum Nutzen unserer Landwirtschaft in praktischer und wissenschaftlicher Hinsicht. Sonst müssen wir ein Museum aus ganz anderen Gegenständen zusammenstellen: aus Wünschen, Ratschlägen, Vorwürfen, Kritiken usw. Zur Illustration bringen wir ein paar Kuriositäten aus unserer Sammlung: Eines Tages erhielten wir einen ausführlichen Brief nebst einem Zeitungsausschnitt, in welchem über den „Regenbaum in Chile" etwas mitgeteilt wurde. Der Absender verlangte sofortige Anpflanzung solcher Bäume in Palästina, um uns von dem Klima unabhängig zu machen. (Wir haben hier oft mehr Regen als in Berlin!) Ein anderer schickte uns eine Notiz aus einer Zeitung über Halfa-(Sparta-)gras in Tripolitanien (zu Zwecken der Papierfabrikation wird dieses Gras dort versuchsweise gesammelt) und machte dabei unseren Doktoren usw. heftige Vorwürfe, daß sie nicht praktisch genug wären. (Auf dem teueren Boden, den wir hier besitzen, kämpfen wir mit der Haifa, ebenso wie mit dem Injil, als lästigem Unkraut in den Bojaren.) Ein Dritter machte uns einen Vorwurf daraus, daß wir 'auf unseren Farmen noch keine Brotbäume gepflanzt hätten; daran schloß sich eine genaue Berechnung, wieviel Familien wir dann auf unserem Boden ansiedeln könnten (dies war ein armer Kerl aus einem kleinen russischen Städtchen; er verlangte nur acht Bäume für seine Familie). Wir könnten noch sehr viele Beispiele dieser und ähnlicher Art anführen, wollen aber unsere Leser durch zu große Ausführlichkeit nicht ermüden. Wir wiederholen: Vorschläge sind sehr leicht zu machen, man bedenke aber, daß deren Durchführung energische und opferwillige Leute und große Mittel erfordert. Und wo sind die opferwilligen Leute? Schon seit zwei Jahren unterhandeln wir mit verschiedenen Tierärzten und haben bis jetzt in ganz Palästina keinen einzigen europäisch gebildeten Veterinär. Jeder Tierarzt aus Europa fordert (von wem?) Garantien und im voraus Vergütung der Spesen für die Hin- und Rückreise. Unter diesen Verhältnissen organisiere man Tierzuchtstationen mit Böcken, Bullen und Hengsten und dazu noch eine tierbakteriologische Station mit Abgabe von Serum!

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