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Die Welt · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · p. 528

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Article
Probleme der jüdischen Wanderung [Rezension]
Date
1914-05-29
Page
528 (sequence 2)
Language
German
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528 DIE^ELT— -- Nr. 22 Handeltreibenden!), sowie an der Industrie (davon 46% in der Bekleidungsbranche!) gegenüber. Und während die Juden im Ansiedlungsrayon 11,6 % der Gesamtbevölkerung dieses Bezirks austnachen, übersteigt die Zahl der in der Bekleidungsindustrie beschäftigten Juden absolut die aller anderen in dieser Industrie in Rayon Beschäftigten. Dieser Ueberfluß an Handwerkern unter den Juden macht sich durch die Beschränkung auf den Ansiedlungsrayon besonders fühlbar, und die Eindämmung ist durch ihre sonstige wirtschaftliche Betätigung zu erklären. Die Schneider vollends arbeiten noch auf Bestellung für den lokalen Markt; ihr Gewerbe ist noch nicht wie z. B. das der Schuster, kapitalistisch organisiert. Die Juden brauchen in Osteuropa einen weiten Markt für ihre industriellen und kommerziellen Erzeugnisse, wie ihn der Ansiedlungsrayon allein nicht bietet; dieser ist mit Angehörigen der von Juden am meisten geübten Berufe (Handel, Schneider) sozusagen übersättigt. Dazu kommt die landwirtschaftliche Krise, die Osteuropa, speziell Rußland, betroffen hat. Die entsetzliche Verarmung des russischen Bauern entzieht gleichzeitig den Juden die Existenzmöglichkeit. Der Bauer kann nichts mehr beim Juden kaufen, er vermag ihm aber auch keine landwirtschaftlichen Produkte mehr zu liefern, an deren Handel der Jude in erster Linie beteiligt ist. So hängt denn wirklich, von dem Einfluß außergewöhnlicher Ereignisse, wie Pogroms, abgesehen, in normalen Jahren mit dem besseren oder schlechteren Ausfall der Ernte die schwächere oder stärkere jüdische Auswanderung zusammen, wie sich Jahr für Jahr nachweisen läßt. Schließlich kommt hinzu der starke Zug der verelendeten Landbevölkerung nach den Städten, der den als Handwerker und im Handel beschäftigten Juden eine starke Konkurrenz schafft. Diese wird ihnen durch die nationalistische und antisemitische Propaganda, — das einzige Hilfsmittel der Zugewanderten, die Juden zu verdrängen und Stellungen zu gewinnen, — höchst gefährlich Die Boykottierung der Juden seitens der Polen und Littauer entzieht ihnen die Möglichkeit der Existenz, während das gleiche Verhalten der Juden, die doch auf einen ausgedehnten Markt angewiesen sind, zwecklos ist. Alle diese Umstände bedingen die starke jüdische Auswanderung und erklärei? einleuchtend ihre Besonderheiten. Als Folge der Auswanderung ergibt sich für viele Juden ein Herabsinken aus der kleinbürgerlichen Klasse ins Proletariat, das heißt, sie verlieren ihre Selbständigkeit und werden Lohnarbeiter; die ökonomische Lage der Auswanderer selbst hebt sich im Durchschnitt sehr, während die Situation der Zurückbleibenden durch die starke Zahl der doch nicht nur produzierenden, sondern auch konsumierenden Abwandernden keineswegs gebessert wird. Dabei hat die Zahl der russischen Juden in den Jahren 1899—1910 sich trotz der starken Auswanderung noch etwas vermehrt, soweit man das nach der notdürftigen Statistik feststellen kann. Der Verfasser verlangt — als praktisches Resultat seiner Feststellungen — zur Beseitigung der die Auswanderung hervorrufenden Notlage Bemühungen um die Aenderung der Berufsstruktur der Juden — insbesondere eine gleichmäßigere Verteilung in den Industriezweigen — und um die erweiterte Eröffnung des nichtjüdischen Marktes für jüdischen Handel und jüdische Industrie. Dabei denkt er natürlich hauptsächlich an die Beseitigung des Ansiedlungsrayons. So liefert Hersch in seinem Werke eine gute wissenschaftliche Basis für das Problem der gegenwärtigen jüdischen Wanderung; eine Leistung, die wir gern anerkennen, wenn er sich auch in den Zielen von uns trennt, weil er unsere Voraussetzungen nicht versteht. E ZIONISTISCHER ZENTRALFONDS Zentralfönds 1914 Ausweis der vom 19. bis 25. Mai eingegangenen Beträge Zentralfonds Russland Nischni Nowgorod:.JL 40.— Proskurow: Sammlung .„ 43.20 Westösterrreich I nneröst erreich. Ernst Freschl.Kr. 30.— Kleine Spende: Ing. Lau.. 10.— Kr. 40.— JL 33.60 Mähren-Schlesien M.-Ostrau: Sammlung n. d. Vortrag des Herrn Dr. Thon aus Krakau . Kr. 105.52 JL S8.64 Galizien Kleine Spende: Dr. M. Tombak . . . Kr. 2.— JL 1.68 England London: English Zionist Federation . £ 1.—.— JL 20.40 Hebräisches Schul werk Deutschland Breslau: Ludwig Baer.JL 40.— R.-A. Rabbinowitz.„ 30.— J. Sussmann.„ 20.— Kleine Spenden: E. Bartenstein, R.-A. Löwisohn, M. Friedländer, H. Fischer, G. Gross.26.— JL 116.— Kleine Spenden: Sammlung Estella Drimmer und L. Silberpfennig, Lehrer Mannheim, Albert Daniel, Arno Schenker, Dr. Rosenwasser Sammlung .JL 36.50 Russland. Baku:.JL 2142.25 Nerzinsk:.,, 32.10 Nischni-Nowgorod: .. . .,, 56.17 Osipo witsch:.,, 77.76 O s t r o g:.,' 129.60 St. Petersburg: ■ Zion. Studenten .,Hechower“ . Rbl. 25.— durch Babkow.,, 30.— ,, Rensin .77.— „ Kantor .,. T-5.— „ Triwus .,, 20.— Kleine Spenden.. . . ,, 8.— Rbl. 185— JL 395.90 Rogatscow: Sammlung .IL 47.20 Westösterreich Mähren-Schlesien Kleine Spenden: Samml. Julius Schüller, Ing. S. Beer, Samml. Zion. Mittelschüler.JL 19.15 Kleine Spenden: Dr. Th. Weisseiberger (5. Rate) Dr. Eckstein (5. Rate), Jacob Weisseiberger, Prof. Findel, Prof. J. Silberbusch (4. Rate), B. Flohr (4. Rate), Prof. Dr. Hilf er ding (2. Rate), B. Oelgiesser, Ad. Kommer, Dr. M. Diamand JL 42.84 Galizien Drohobycz: Sammlung „Hebronia“ Kr. 202.01 JL 169.69 T a r n o p o 1: Sammlung Dr. Alexander Rapaport „ 30.30 „ 25.45 Zvwice: Sammlung Brüder Bronner u. Strauss ,, 89.20 „ 74.93 Kleine Spenden: Dr. Koch, Samml. S. Rosenkranz, Samml. J. Frost, D. Teitler, S. Ochs, S. Lichtigfeld . . . ., 40.46 .. 33.99 Südslawische Länder Agram: Sammlung.Kr. 104.— JL 87.36 ^73784 ^62887

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