Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 20 (15.5.1914)
- Article
- Die zionistische Utopie
- Date
- 1914-05-15
- Page
- 480 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Nr. 20 D1E3§EELT mit umfassenden Assimilation .schon längst das Spiel verloren. Ihn trozdem noch weiterzuspinnen, das, meine Herren Verfasser, ist — eine Utopie. Es erübrigt sich deshalb auch, auf die Beweisführung des näheren einzugehen, durch die die Herren Dr. Landauer und Dr. Weil ihre Behauptung von der Durchführbarkeit einer restlosen Massenassimilation in Westeuropa zu stützen glauben. Diese Beweisführung ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie die Beobachtung volkspsychologischer Erscheinungen in die Irre gehen kann, wenn sie so ganz den Standpunkt naiver Unvoreingenommenheit verlädt und überall nach rationalistischen Trieben fahndet, wo die einfachsten Instinkte herrschen. Es ist überall ein Fehlgriff, wenn man — wie auch hier wieder — das Wesen des Antisemitismus mit den Mitteln der Logik statt mit denen der Psychologie zu fassen versucht. Sein Auf und Nieder mit wirtschaftlichen Umwälzungen motivieren zu wollen, das sollte doch gerade in unsem Tagen nicht mehr genügen, wo die Judenfeindschaft von neuem durch die Reihen der ganzen deutschen Jugend, die von sozialökonomischen Erwägungen noch gänzlich unbelastet ist, einen ungeahnten Siegeslauf genommen hat. Wie eine Urteilsfähigkeit befangen wird, wenn sie eben gar zu sehr „von des Gedankens Blässe angekränkelt" wird, dafür finden sich in dieser Kritik des Zionismus noch viele interessante Belege. Wie enttäuscht es doch z. B. — um nur etwas herauszugreifen — wenn die sonst so intelligenten Verfasser, denen jede plastische Kenntnis des neuen jüdischen Lebens in Palästina offensichtlich abgeht, bei ihrer ausführlichen Schilderung der in einem jüdischen Gemeinwesen angeblich zu erwartenden innerpolitischen und kulturellen Schwierigkeiten so ganz und gar übersehen, daß all die unleugbaren Verschiedenheiten (die übrigens in jedem bestehenden Staatswesen kaum geringer sind) in dem ganz allmählichen Zusammenströmen unserer Palästina- Pioniere den zuverlässigsten Schmelztiegel finden. Oder sollte wirklich nur die Assimilation der Juden an fremdvölkische Elemente, nicht aber die Assimilation von Juden an Juden möglich sein?! Wie doch ein Wunsch in einer schwachen Stunde der Vater eines gar kuriosen Gedankens werden kann! — Und wie staunt man, wenn man eine Ablehnung des Zionismus damit begründen hört, daß er in absehbarer Zeit ja doch nicht all die Millionen jüdischer Luftmenschen in die neue Heimat werde versetzen können. Sonst pflegen nur Kinder unmutig auf das Erreichbare zu verzichten, weil ihnen die Erfüllung ihrer weitergehenden Wünsche von Stärkeren versagt wird. Auch wir Zionisten hätten es gewünscht, daß die Lösung der Judenfrage auf der Grundlage nationaler Repatriierung sich im Siebenmeilenstiefel-Tempo vollziehen könnte. Daß dazu die Kräfte, die an der Bewältigung des gewaltigen Problems hingebungsvoll arbeiten, leider doch noch nicht ausreichend sind, ist nicht unsere Schuld und nicht die unserer Idee. Wir glauben, daß wenn die Masse derer, die sich seit Jahren in unfruchtbare Kritik verrennen, lieber emsig an unserer positiven Arbeit teilgenommen hätte, es heute schon ein komisch wirkender Anachronismus wäre, wollte jemand eine Broschüre über „Die zionistische Utopie" in die Welt gehen lassen. — Zur Zeit Fichtes hielt man es bekanntlich für eine „U t o p i e", danach zu streben, daß aus den Deutschen jemals wieder eine einheitliche Nation würde. Es geht jedoch in unsern Tagen das Gerücht, daß jene Schwärmer trotzdem Recht behalten haben sollen! ZIONISTISCHER ZENTRALFONDS Zen.tralfon.ds 1914 Ausweis der vom 6. bis 12. Mai eingegangenen Beträge Zentralfonds Deutschland Kleine Spenden: Für die Louis und Berta Simon Stiftung (durch Dr. Klee).Jk 15.— Russland Astrachan: Sammlung.Rbl. 150.— Jk 321.— Bachmut: B. Gildiner.„ 39.97 Kowno: Sammlung Rbl. 50.— „ 107.— Rowno: Sammlung. „ 65.— „ 139.10 Kleine Spenden: M. Brenner, Bausk.„ 6.54 Bukowina Kleine Spenden: Gabr. Silberbusch, Dr. Honig, I. Nowak.Kr. 20.— Jk 16.80 W estösterreich Innerösterreich Wien: Dr. Leopold Sofer.Kr. 50.— Ob.-Ing. R. Stricker (1. Rate) . . . „ 40.— Dr. A. Brod.. 25.— Kleine Spenden: Ing. D. Feldmann . ,, 20.— Kr. 135.-tk 113.40 Mähren-Schlesien Kleine Spenden: Mädchenverein, Julius Draner . Jk 25.20 Hebräisches Schulwerk Deutschland Kleine Spenden: I..z., Gertrud Haase, Sammlung, Ref. Friedenstein, Samml. Hochzeit Rllern-Goldberg .Jk 22.— Russland Astrachan: Z’ire-Zion.Rbl. 103.— Jk 220.42 Balta: I. Pribluda.„ 25.25 Bausk: M. Brenner.Jk 28.— Charkow: Sammlung (2. Rate).„ 1000.— Irkutsk: Sammlung.„ 1088.— Kowno: W. Schabotinsky, Reinertrag eines Vortrages.. - Rbl. 307.35 „ 657.73 Lodz: Sammlung.Frs.300.— „ 240.— St. Petersburg: A. Walk durch die Ortsgruppe Königsberg.„ 214.80 Reval: H. H. Gutkin .„ 106.— Rowno: Sammlung.- Rbl. 135.— „ 288.90 Kleine Spenden: I. B. Katz, Gostynin, I. Quint, Filipowo... 27.— W estösterrreich Böhmen B. - L e i p a: Sammlung (Spez. folgt) . . Karlsbad: Volksverein (Sammlung) Prag: 4. Monatsrate der Leseu. Redehalle jüd. Hochschüler. Dr. Ferd. Kaufmann. Sammlung Victor Kohn (Spez. folgt) Kleine Spenden: H. K. Fischei, L. Reichmann, N. N., R. Grodecky, K. Müller, B. Skalitz, J. Reich, W. Hirsch, O. Rosenbaum, Dr. E. Kraus, F. Reimann, M. Graf, Fr. Stein v. d. Farn. Stein u. Bellheim, K. Oplatka, Frl. Federet, Haupt, J. Pick.^ T rautenau: Volksverein Trautenau (2. Rate) (Spez. folgt). Kleine Spenden: Robert Guttmarm . . Kr. 43 — Jk 36.12 „ 60.— „ 50.40 „ 23.40 „ 50.— „ 50.— „ 165,68 Kr. 289.08 Jk 243.27 Kr. 250.— Jk 210.— . ... Jk 7.12 I nneröst erreich. Wien: Durch Dr. Jakob Ehrlich: Leopold Lurie, anl. d. Vermähl, s. Tochter Kr. 500.— Dr. Israel Biskind.„ 25.— 5505