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Die Welt · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · p. 478

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Article
Lehrsammlungen für die Jerusalemer Universität
Date
1914-05-15
Page
478 (sequence 2)
Language
German
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478 DIE LT Nf. 20 Die Schwierigkeiten unserer Aufgabe wachsen mit dem Umfang des Wissensgebietes, mit dem Mangel genügend interessierter und vorgebildeter Mitarbeiter in unseren Reihen und mit der Seltenheit resp. Kostspieligkeit der Sammlungsobjekte; kommt noch die Notwendigkeit hinzu, die Naturgegenstände für die Zwecke der Sammlung erst besonders herrichten und bearbeiten zu müssen, so kann die Sachlage recht kompliziert werden. All diese Schwierigkeiten finden sich vereint z. B. bei der Zoologie nebst ihren Hilfswissenschaften, der vergleichenden Anatomie und Entwicklungsgeschichte. Die schier unendliche Mannigfaltigkeit der tierischen Organisation zwingt zum Sammeln sehr zahlreicher Objekte; viele von diesen sind nur aus fernen Ländern und Meeren zu beschaffen, und nahezu alle erfordern eine besondere, meist schwierige und zeitraubende Präparation, die nicht nur technisches Geschick, sondern auch wissenschaftliche Vorbildung des Präparierenden voraussetzt. Unter diesen Umständen werden wir auf lebhafte Unterstützung des Sammelwerkes aus den Reihen unserer Gesinnungsgenossen kaum zu rechnen haben; doch könnten unsere jungen Mediziner und Naturwissenschaftler^ die in zootomischen Kursen unter sachverständiger Leitung sich wenigstens um das ABC der Präparationskunst bemühen, uns zu Hilfe kommen; auch in den Lehrsammlungen deutscher Universitäten verdankt so manches Präparat seine Entstehung den Händen eines geschickten Kursteilnehmers. — Etwaige Zuwendungen zoologischer Sammlungen — meist wird es sich um Insekten- oder Muschelsammlungen handeln — würden zwar als Objekte künftiger Schausammlungen und Museen, die nach möglichster Vollständigkeit und Artenreichtum streben müssen, willkommen sein, der didaktische Wert solcher Dinge für den einführenden Unterricht ist jedoch sehr gering zu veranschlagen. Angesichts der großen Schwierigkeiten liegt die Gefahr nahe, daß man zunächst den leichter lösbaren Aufgaben sich zuwendet und die schwierigeren zu vertagen strebt. Nichts wäre verkehrter; erfordert doch gerade die kompliziertere Aufgabe intensivere Anstrengung und längere Bearbeitung! — Und selbstverständlich auch höhere Ausgaben! Gerade an Geld wird man aber um so eher sparen können, je früher man mit dem Sammeln beginnt; denn dann hat man Zeit, auf billige Zufallserwerbungen an eingegangenen Tieren aus zoologischen Gärten und Tierhandlungen, an sonst unverwertbaren Fängen der großen Fischereigesellschaften und dergleichen mehr zu warten. Es ist hier selbstverständlich nicht der Ort, auf weitere Details einzugehen. Zweck meiner Ausführungen ist in erster Reihe, die Schaffung eines Forums zur Prüfung derartiger Fragen anzuregen. Es wäre hierzu eine Kommission aus Fachleuten der verschiedenen am Sammelwerke interessierten Wissensgebiete zu bilden, welche alle einschlägigen Fragen sorgfältig zu prüfen und für systematische Organisierung des Sammelwesens zu sorgen hätte. Ist es uns bisher noch immer gelungen, für die Bedürfnisse der Organisation Geld zu schaffen und für Agitationszwecke freiwillige Hilfsarbeiter zu finden, so muß und wird es auch' gelingen, die in unseren Reihen so reichlich vorhandenen intellektuellen Energien einem wissenschaftlichen Werke von so großer Wichtigkeit dienstbar zu machen. DIE ZIONISTISCHE UTOPIE Eine Anti-Kritik von Dr. William Unna, Hamburg Unter diesem Titel haben kürzlich die Herren Dr. Karl Landauer und Dr. Herbert Weil eine Schrift erscheinen lassen, mit der sie sich „eine systematische Kritik der zionistischen Bewegung auf Grund einer Erkenntnis ihres gedanklichen Aufbaues" zur Aufgabe gemacht haben. Es scheint mir bezeichnend zu sein, daß die beiden Verfasser, die zum erstenmal seit einer langen Reihe von Jahren in rein sachlicher und würdevoller Form eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Zionismus unternehmen, ihre Broschüre nicht etwa unter der kompromittierenden Flagge des in Berlin residierenden „Antizionistischen Komitees" haben in die Welt segeln lassen. Zwischen ihrer gedankenvollen Arbeit und den tragikomischen Kraftanstrengungen jener Berliner Zentrale liegt allerdings eine Kluft, die nicht übersehen werden kann und soll. Und für den im Kampfe stehenden Zionisten bedeutet es geradezu eine seelische Erfrischung, daß er es hier endlich einmal wieder mit einer vornehmen und ritterlichen Gegnerschaft zu tun hat. Was uns an der vorliegenden Schrift in allererster Linie so sympathisch berührt, das ist die unbeirrbare, bei den meisten unserer Gegner leider selten anzutreffende Konsequenz, mit der ein dem unsrigen entgegengesetzter Standpunkt bis zu Ende gedacht wird und durchgeführt — werden soll! Die Verfasser gehen davon aus, daß die Judenfrage einer entschiedenen Lösung unbedingt bedarf. Von einer Vogel Strauß-Politik, wie sie von den bisherigen Repräsentanten des deutschen Judentums getrieben wurde, wollen sie ebensowenig etwas wissen wie wir. Deshalb können sie für die Lösung der unhaltbar gewordenen jüdischen Situation auch nur zwei Vorschläge als berechtigt anerkennen: den Zionismus, als einen Versuch zur Erhaltung der jüdischen Art durch Schaffung eines eigenen nationalen Zentrums — auf der andern Seite die endgültige Kapitulation des Judentums vor den Einflüssen der Umwelt. Sie selbst vertreten offen den Standpunkt der unbedingten Assimilation. „Gesetzt, die Mehrheit der Juden in Westeuropa wollte sich nicht assimilieren; so würde es eben gelten" — meinen sie — „sie von der Notwendigkeit zu überzeugen“ (S. 34). Und um diese Wahl, die sie zwischen den beiden Vorschlägen zur Lösung des Problems getroffen haben, als die für die westeuropäische Judenheit allein richtige hinzustellen, wollen die Verfasser den Beweis antreten, daß ebensosehr die von den Zionisten gegen die praktische Durchführbarkeit der Assimilation geltend gemachten Einwände hinfällig seien, wie andererseits gerade das zionistische Projekt als eine soziale Utopie erkannt werden müsse. So der Grundriß, nach dem die Herren Dr. Landauer und Dr. Weil an die detaillierte Behandlung der einzelnen Probleme herantreten, die nach ihrer Ansicht den Ideenkomplex des Zionismus bilden. Es muß wohl zugegeben werden, daß für eine Kritik, die ausschließlich dem gedanklichen Inhalt unseres Ideals zu Leibe rücken will, dieser Weg der gegebene ist. Aber ebenso muß, bevor wir diesen Gedankengängen folgen, mit Nachdruck konstatiert werden, daß schon die Wahl dieses Ausgangspunktes ein Irrtum ist. Um das an einer Analogie zu illustrieren: es ist natürlich unter Umständen möglich, einem Individuum, das Schiffbruch erlitten hat und sich nun der Gründung einer ganz neuen Existenz zuwendet, theoretisch nachzuweisen, daß seinen Plänen schier unüberwindlich erscheinende Hindernisse im Wege stehen, während andererseits es „totsicher" durchzuführen sei, der ganzen Qual durch Selbstmord ein Ende zu machen; man braucht sich ja nur mit einem Messer kunstgerecht die Pulsadern zu öffnen, und im munter entrinnenden Strome des Blutes wird

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