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Die Welt · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · p. 458

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Article
Die Tätigkeit der jüdischen Ärztegesellschaft Palästinas
Date
1914-05-08
Page
458 (sequence 2)
Language
German
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458 Nr. 19 DIE2$gELT Kranken. Br. Puchowsky berichtet über achtzehn Fälle von Typhus innerhalb zehn Monaten imi Jaffaer Hospital, von denen einer einen tödlichen Ausgang hatte. Eine besondere Sitzung war den Jemeniten gewidmet. Br. Moscowitz konstatierte, daß in Rechoboth die Mortalität der Jemeniten nicht größer sei als die der Aschkenasim. Die Jemenitin entwickle sich schneller als der Jemenite, sie erlerne in kurzer Zeit alle häuslichen Arbeiten, gewöhne sich an Sauberkeit und begnüge sich auch bezüglich der Nahrung nicht mehr mit einem Minimum an Quantität und Qualität. Die Hebung des Gesundheitszustandes bei den Jemeniten gehe also von den Frauen aus. Die ärztliche Hilfe sei in der Weise zu organisieren, daß. sich innerhalb jeder jemenitischen Siedlung eine Apotheke befinden sollte. Der Koloniearzt soll hier täglich mindestens eine Stunde weilen. Besonders nehme die Zahl der Trachom-Kranken unter den Jemeniten zu. Die Herren Dr. Kr inkin und J. Feldmann wurden ersucht, einen Fragebogen bezüglich der sanitären Zustände bei den Jemeniten auszuarbeiten, der nachher in einer der folgenden Sitzungen genehmigt und an sämtliche Kolonieärzte versandt wurde. Ein sehr instruktives Referat hielt Dr. Moscowitz über Turnen in der Schule vom medizinischen Gesichtspunkte. Das.Referat ist im Heft Nr. 4 der „Mitteilungen" abgedruckt. Weitere Sitzungen waren den Fragen der Bauordnung gewidmet. Sonst enthalten die Hefte noch verschiedene medizinische Aufsätze, einen Aufsatz über Paul Ehrlich, Bücherbesprechungen und Bibliographie. Daß durch das Erscheinen dieser Mitteilungen die hebräische Terminologie für das Gebiet der Medizin wesentlich gefördert wird, versteht sich von selbst. Dies kam bereits den Konferenzen der Aerzte in Jaffa und Jerusalem zustatten, die kürzlich stattfanden und über die im nachfolgenden referiert werden wird. Von der sonstigen Tätigkeit der Gesellschaft erwähnen wir, daß sie für ihre Mitglieder eine einheitliche Krankenregistratur geschaffenhat, was erst eine richtige statistische Bearbeitung des vorhandenen Materials ermöglichen wird. II. Dank dem Zusammenschluß der Aerzte, konnte man auch daran gehen, periodische Konferenzen der Aerzte zu veranstalten. Auch dieser Gedanke war bereits in früheren Jahren angeregt worden, es fehlte aber damals an einem ausführenden Organ. Die Notwendigkeit eines mündlichen Austausches von Gedanken und Erfahrungen braucht wohl nicht erst begründet zu werden. Solche Beratungen der Aerzte finden überall in den Kulturländern statt und haben wesentlich zur Förderung der medizinischen Wissenschaft und Praxis beigetragen. Hier in Palästina, wo der Arzt in gewissem Sinne noch Pionierarbeit zu leisten hat, sind Konferenzen der Aerzte erst recht eine unbedingte Notwendigkeit. Wir haben nun vor kurzer Zeit zwei Tagungen der jüdischen Aerzte Palästinas in Jaffa und Jerusalem gehabt, die die Teilnehmer sehr befriedigt haben. In Jaffa wurde die jährliche Generalversammlung der Aerzte-Gesellschaft abgehalten, woran sich -medizinische Referate und Aussprachen schlossen. Außer den Jaffaer Aerzten nahmen an dieser Versammlung noch die Herren Dr. Waitz und Dr. Segall (Leiter des Rothschild-Hospitals) aus Jerusalem, Dr. David aus Jibnael (Jemma) in Galiläa und Dr. Masel aus Ain- Ganim teil. Dr. Moscowitz aus Rechoboth, der über die sanitären Zustände unter den Jemeniten referieren sollte, traf leider nicht rechtzeitig ein. Ebenso hat Dr. Hillel Joffe sein Referat über die Malaria der Versammlung schriftlich schicken müssen. In der Eröffnungsansprache sagte Dr. Puchowsky, daß die diesjährige Generalversammlung bereits im Januar hätte stattfinden sollen; sie sei auf das Frühjahr verlegt worden, weil zu dieser Zeit die Aerzte in der Regel nicht so sehr von ihrer Berufstätigkeit in Anspruch genommen sind. Nach der Wahl eines Präsidiums, bestehend'aus den Herren Dr. Stein, Dr. Borochow und Dr. Nid elsohn, referiert Dr. David über Schwarzwasserfieber. An dieses Referat schließt sich ein weiterer Bericht von Dr. Segall über eine neue von ihm und Dr. David angewandte chininlose Heilmethode für Malaria (Chlorhydrate d’emetine), bei der sie gute Resultate erzielten. Da bei verschiedenen schweren Formen der Malaria die Heilung durch Chinin nicht durchführbar ist, so kommt der neuen Methode eine besondere Bedeutung zu. In der anschließenden Aussprache wurden die Mitglieder der Gesellschaft aufgefordert, sich für dieses Verfahren zu interessieren und ihre Beobachtungen mitzuteilen. — Ueber die Tätigkeit der Gesellschaft im letzten Jahre berichtet Dr. Schermann. Er erwähnt u. a. die Herausgabe der Hefte, von denen im vorhergehenden die Rede war, die Ergebnisse einer Untersuchung über die Trachomkrankheit in den palästinensischen Schulen, verschiedene Maßnahmen bei Ausbruch epidemischer Krankheiten. Es wurde auch eine statistische Aufnahme der Geburten und der Mortalität in die Wege geleitet, ferner die Veranstaltung populärer Vorträge über Hygiene usw. Die Bibliothek der Gesellschaft entwickle sich befriedigend, ebenso verfüge jetzt die Gesellschaft über verschiedene medizinische Instrumente. Von dem Material über Geburten und Mortalität liegen vorläufig die Zahlen folgender judäischer Siedlungen vor: Einwohnerzahl Geburten Mortalität Anmerkung: Rischon le-Zion 16—1700, dar¬ 41 15 Mortalität vor unter ca. 200 Jemeniten Ankunft der Jemeniten 8—8- Rechoboth 700 17 11 Jemeniten nicht inbegriffen. 373 11 1 188, darunter 4 2 1 Kind, 1 Greis 38 Jemeniten von 90 Jahren. Ain-Ganim 190 7 3 Von den Städten sind vorläufig nur die Zahlen über Hebron veröffentlicht worden. Danach betrug dort unter 989 jüdischen Einwohnern (350 Aschkenasim und 639 Sephardim) die Geburtenzahl 19, die Todesfälle 21, darunter 7 Kinderkrankheiten, 6 Fälle von Typhus und 6 von Marasmus senilis. Nach weiteren Referaten über medizinische Fragen von Dr. Puchowski und Dr. K rinkin befaßte sich die Versammlung mit dem vorgelegten Vertragsentwurf für die Anstellung der Aerzte in den Kolonien. In den neuen Vorstand wurden gewählt Dr. Puchowsky als Vorsitzender, Dr. K r i n k i n als Stellvertreter, Dr. Borochow und Dr. L e - von t in als Sekretäre und Frau Dr. Borochow als Bibliothekarin. Von besonderer Bedeutung war die T rachom-Konf e r e n z, die in Jerusalem abgehalten wurde und drei Tage dauerte. Nicht weniger als 14 Referate waren vorgesehen und wenn auch einige ausfielen, so boten doch die übrigen Vorträge im Verein mit praktischen Vorführungen und den in der Konferenz durchgeführten Operationen Anregung und Belehrung in Fülle. Von den Beschlüssen seien hier folgende erwähnt: 1. Die Trachom-Konferenzen sind jährlich abzuhalten; 2. es sollen Kurse zum Studium der Trachom-Krankheit eingerichtet werden. Diese Kurse sollen etwa einen Monat dauern und den Aerzten soll dabei Gelegenheit geboten werden, sich in der Technik der Operationen zu vervollkommnen. Für die Dauer der Kurse sollen die teilnehmenden Aerzte Tagesgelder erhalten; 3. besondere Heilstatiönen sollen für die Kinder der Armen, die am meisten der Gefahr der Trachom- Krankheit ausgesetzt sind, errichtet werden; 4. Schwestern sollen die Häuser der Armen besuchen und jeden Trachom- Fall der Trachom-Kommission melden, die dann einen Arzt zur Heilung entsendet; 5. für Schwestern und Feldscher sind Trachom-Kurse einzurichten; 6. für trachomkranke Kinder sind besondere Kindergärten einzurichten. — Ferner sprach die Konferenz den Wunsch aus, daß jede Schule einen Schularzt anstelle. Die Konferenz arbeitete auch eine Verordnung aus

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