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Die Welt · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · p. 433

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Article
Hauptversammlung des Hilfsvereins
Date
1914-05-01
Page
433 (sequence 3)
Language
German
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den Schülern die Möglichkeit einer guten Existenz geben. Oer Streit, um den der große Kampf entbrannt ist, war nur ein quantitativer Streit, ein Streit um Worte. Frieden, Frieden nach allen Seiten! Die heilige Sprache verbindet uns alle; es kommt nur darauf an, in welcher Weise sie gepflegt wird." Herr Dr. Arthur H a n t k e , Mitglied des E. A. C. und Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, führte aus: „Wir zionistischen Mitglieder des Hilfsvereins können uns im Grunde mit den Ausführungen des Herrn Dr. Nathan über die Schulen in Palästina im ganzen einverstanden erklären. Ich beschränke mich auf diesen Punkt der Tätigkeit des Hilfsvereins, nicht, weil mir die anderen gleichgültig wären, sondern, weil nur über diesen ein Streit ist. Wir Zionisten wünschen weiter nichts als das, was Herr Dr. Nathan soeben ausgeführt hat. Selbstverständlich sind wir nicht gegen die deutsche Sprache. Auch in den Schulen, die wir gegründet haben, werden europäische Sprachen gelehrt, und alle unsere Schulen haben den Unterricht im Deutschen. Der Streit ging aber nicht um den hebräischen Unterricht überhaupt, sondern um die hebräische Unterrichtssprache. In Palästina ist ein neues Leben entstanden, das einen ungeahnten wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt der palästinensischen Bevölkerung mit sich brachte. Und diese wirtschaftlich gestiegenen Elemente verlangen, daß in den Schulen hebräisch als Unterrichtssprache eingeführt werde, weil es auch die Umgangssprache der heranwachsenden Generation geworden ist. Sie verlangen das, was in jedem anderen Lande selbstverständlich ist, nämlich, daß die Umgangssprache auch die Unterrichtssprache sei. Ich höre nun zu meiner großen Freude von Herrn Dr. Nathan, daß der Kampf Kampf gewesen sein soll und daß die leitenden Männer des Hilfsvereins für die Zukunft Frieden haben wollen. Damit wären wir sehr einverstanden. Allein wir glauben, wenn man Frieden haben will, so muß man ihn doch zuerst wollen mit der einheimischen Bevölkerung in Palästina, mit dem Teil der Bevölkerung, der mit dem Programm des Hilfsvereins jetzt nicht mehr einverstanden ist. Leider aber ist ein Entgegenkommen diesem Teil der Bevölkerung gegenüber nicht beabsichtigt, was daraus erhellt, daß sogar in einer Schule, die bisher hebräisch war, das Hebräische neuerdings wieder zurückgedrängt werden soll. An der Schule in Safed gab es bisher nur vier Stunden deutschen Unterricht in der obersten Klasse; von nun an soll es acht Stunden deutsch in sämtlichen Klassen der Schule geben. Wenn man den Frieden herbeiführen will, muß man nicht den Gegensatz verschärfen. Die Praxis steht im Widerspruch mit dem Programm, das hier entwickelt wurde. Herr Dr. Nathan sagt, daß es Parteiungen im Judentum geben müsse, daß sie nur ein Zeichen des Lebens seien, daß sich jedoch der Kampf in solchen Grenzen halten müsse, daß man bei großen Anlässen auch wieder zusammen arbeiten kan». Und da muß ich Ihnen eins sagen. Ich übergehe alles, was im sogenannten Schulkampf gesagt worden ist. Allein, man kann nicht gleichzeitig in den Zeitungen veröffentlichen, daß man mit den Zionisten auch in neutralen Angelegenheiten nicht zusammen arbeiten kann, und bei einer anderen Gelegenheit sagen, daß man mit den Zionisten zusammen arbeiten wolle. Jene Juden und Vereinigungen, die die „Erklärung“ in den Zeitungen veranlaßt haben, müssen sich entscheiden, ob sie dem einen oder ob sie dem anderen Prinzip folgen wollen. Auf beiden Beinen hinken kann man nicht." Hierauf erwidert Herr Dr. Paul Nathan: „Die Form, in der Herr Dr. Hantke sprach, hat mich außerordentlich sympathisch berührt. Er hat einen einzigen konkreten Punkt hervorgehoben, der ihm Anlaß zur Klage gegeben hat. Ich bin nicht in der Lage, festzustellen, ob sich die Sache in Safed so verhält, aber ich supponiere, daß die Informationen von Herrn Dr. Hantke richtig sind. Stellen Sie sich vor, daß sein konkreter Vorwurf darin bestand, daß man in einer Stadt wie Safed ganze acht Stunden in der Woche deutsch unterrichte. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß bei acht Stunden das Lehrziel, das wir erstreben, nicht zu erreichen ist. Es wird wahrscheinlich notwendig sein, die Zahl der deutschen Stunden noch zu erhöhen. Darin liegt aber keine Schädig**^ des Hebräischen. Es handelt sich doch nur darum, daß die jungen Leute, wenn sie die Schule verlassen, des Hebräischen wirklich mächtig sind. Alles andere sind pädagogische Details, die nicht in Volksversammlungen gehören. Aber die Ausführungen Dr. Hantkes haben mich überzeugt, daß man jetzt auch auf der anderen Seite den Frieden wünscht. Das ist ja notwendig. Es hieße ja Palästina korrumpieren, wenn man solche Zustände, wie sie dort durch einige Wochen geherrscht haben, in Permanenz erklären wollte. Dagegen muß sich zunächst die Bevölkerung selbst wehren, die an einer wilden Agitation kein Interesse hat. Wir meinen, daß auf jedem Gebiete menschlichen Lebens ein freier und gesunder Wettbewerb das einzig richtige ist, und das ist auch das zweckmäßigste und nützlichste auf dem Gebiete der Erziehung. Nichts steht im Wege, daß zionistische Schulen und andere nebeneinander bestehen, dabei kann die palästinensische Bevölkerung nur Vorteile haben. Nur eine Vorbedingung ist notwendig: daß man nicht mit verderblichen Mitteln dem anderen Abbruch zu tun versucht. In dem Augenblick, wo dieser Grundsatz von beiden Seiten innegehalten wird, werde ich den Kampf, der sich abgespielt hat, nicht mit Bedauern betrachten, sondern sagen: es war zum Glück der palästinensischen Judenheit." Nachdem Herr Geheimrat Cohen, der sich zum Worte gemeldet hatte, verzichtet hat und ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen ist, werden einige geschäftliche Details und Neuwahlen erledigt. Hierauf erhält nochmals Herr Dr. Paul Nathan das Wort zur Beantwortung einer Anfrage. Er führt aus: „Es ist gefragt worden, wie wir uns das Zusammenarbeiten mit den Zionisten nach Veröffentlichung der bekannten Erklärung vorstellen. Der Hilfsverein hat keine Erklärung unterschrieben. Die Erklärung wurde nur von einzelnen Mitgliedern des Hilfsvereins gezeichnet, ich bin also gar nicht in der Lage, als Hilfsverein etwas anderes zu sagen, als daß unser Programm sich gar nicht geändert hat. Wir können mit jedem Juden Zusammenarbeiten, der das Programm des Hilfsvereins anerkennt. Persönlich möchte ich hinzufügen: jene öffentliche Enunziation hat niemals eine Absage an die Gesamtheit der Zionisten bedeutet, sondern nur an jenen kleinen Kreis von Zionisten, der die Mißbilligung aller objektiv Denkenden, auch jener, die in den Reihen des Zionismus stehen — dafür habe ich die Beweise in Händen — gefunden hat." Herr Dr. James Simon hält das Schlußwort: „Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie uns geschenkt haben und für Ihre Unterstützung bei unserer Arbeit, die uns wahrlich nicht leicht gemacht worden ist. Woche um Woche haben uns die zionistischen Parteiorgane mit Beleidigungen überschüttet. Alles, was man ihnen an Kritik gegen uns zugeschickt hat, haben sie ohne ein Wort der Kritik abgedruckt. Die Leitung der zionistischen Organisation hat zugelassen, daß uns jede Woche die Ehre abgeschnitten wurde. Unsere Personen sind dadurch nicht geschädigt worden, denn wir stehen turmhoch über solchen Angriffen. Aber das Judentum ist dadurch geschädigt worden." Zwischenruf: „Nicht mehr als durch die Broschüre Dr. Nathans." Es ertönen Zwischenrufe von allen Seiten, insbesondere: „Das ist ein Mißbrauch des Schlußwortes." Dr. Simon: „Ich stelle bloß objektiv dar, was geschehen ist." Zwischenruf: „Subjektiv.“ Nachdem Ruhe eingetreten ist, fährt Dr. Simon fort : „Nachdem wir den Beifall der Generalversammlung gefunden haben, werden wir in der bisherigen Weise Weiterarbeiten und dafür sorgen, daß der Hilfsverein jene neutrale Organisation bleibt, als welche er geschaffen worden ist. Zur Erfüllung unserer Aufgabe ist allerdings eine starke Anstrengung unserer Freunde notwendig. Unsere Jahresbeiträge belaufen sich auf 1S7000 M., eine Summe, wie sie annähernd von keiner jüdischen Organisation erreicht wird. Für unsere großen Aufgaben aber ist das viel zu wenig, wir müssen trachten, unsere Jahresbeiträge zu verdoppeln. Dann werden wir den Forderungen gerecht werden können, die an uns gestellt werden. Ich schließe die Hauptversammlung."

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