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Die Welt · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · p. 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Article
Das Judentum in Romain Rollands "Jean-Christophe"
Date
1914-04-24
Page
424 (sequence 2)
Language
German
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424 Nr. 17 DIE3§£ Unter der „Humanitätsmission“ des Judentums versteht Rolland anderes als manche jüdischen Historiker und Theologen bei uns. Die Frage nach dem Lebensgange unseres Volkes beschäftigt ihn nicht; er gibt nur einen Querschnitt; er beurteilt von seinem Standpunkt aus das dissozierte, geschichtslos gewordene Judentum, wie es außerhalb des Zionismus erscheint, und ihn frappiert die Wirkungsstärke dieses Faktors, zu Nutz und Schaden. Auf jedem Gebiete findet der Schaffende in den Juden erste hilfreiche Freunde und auch die gefährlichsten Feinde. Mit den Juden allein könne man Lebendiges, Gegenwärtiges betreiben, nur sie seien nicht im Bann des Gewesenen. „Wenn die Juden zu unserem Unglück aus Europa vertrieben würden, bliebe es arm an Intelligenz und Energie zurück, daß ein völliger Zusammenbruch kaum zu vermeiden wäre.“ Der Franzose neigt — weil er uns nicht gebeugt gesehen hat und weil er geistige über physische Kraft stellt — zur Überschätzung jüdischer Macht; ein solches Urteil nehmen wir nicht unbedenklich hin; eine so starke geistige Strahlung könnte nur eine Funktion des inneren Zerfalls sein. Diesen Abgrund hat Rolland geahnt; er weiß, wie kläglich locker heute Tausende unserer Besten in ihrem „Lebenswerk“ verankert sind. Ja, dies ist geradezu der wiederkehrende Zug, der, vom Harmlosen oder Grotesken bis zum Tragisch-Erhabenen abgewandelt, eine mannigfaltige ethische Skala von Juden als verwandt erscheinen läßt. Hier liegt für uns der Dokumentwert seines Buches. Man spürt den fruchtbaren Augenblick, da er selbst den Juden entdeckte. Wie der junge Goethe durchstreift sein Held das Judenviertel und späht nicht ohne Sympathie nach „hohlwangigen Frauenköpfen, mit vortretenden Lippen und Wangen und deren Lächeln wie aus einem Bilde des Lionardö, etwas ins Gröbere übersetzt schien . . . Noch unter den entarteten Abkömmlingen der edelsten der Rassen kam ein seltsames, irrlichtartiges Aufleuchten vor: ein wundervoller Blick, ein tagheller Verstand, ein feines elektrisches Fluidum . . ., das Christoph geheimnisvoll anzog und beunruhigte. Er ahnte noch in dieser: Bodensätze schöne, ringende Seelen, große Herzen, die aus dem Schlamme strebten. Er hätte ihnen den Weg zeigen, ihnen helfen mögen; er liebte sie, ohne sie zu kennen, dabei nicht ganz frei von Furcht“. Selbst dem Anprall eines jüngeren Volkes erlegen, wissen die Franzosen den Wert und die Tragik einer alten Rasse zu respektieren; für unser neues Lebensgefühl sogar zu sehr. Jene Charakterskala, von der ich sprach, steigt von mehr oder minder unangenehmen Snobs zu ethischen Höhen. Da ist der vornehme Gelehrte, der durch unerbittliche Klarsichtigkeit leidet und leiden macht. „Er hatte ein krankhaft verfeinertes Gefühl für alles Uebeitriebene, Ueberspannte, besonders Juden gegenüber . . . und da er trotz seiner Vorurteilslosigkeit Rassenschranken nicht anerkennen wollte und sich doch oft an solche stieß, so zog er sich ruhig zurück, in eine Arbeit vertieft, die von seiner Ironie nicht verschont blieb.“ Er liebt seine Frau innig und doch kritisiert er ihr humanitäres Wirken mit scharfem Spott. Diese Wucherung der Skepsis scheint eine spezifische Gefahr des begabten französischen Juden ELT Noch höher steht ein armer, häßlicher Kunsthändler, eine Art Schutzgeist der Elite des Quartier Latin. Auch er, die Güte selbst, ein Schauspieler. Er rührt und regt sich für das Wohl der anderen — um sich zu betäuben. Der heroische Jude erscheint aus architektonischen Gründen perspektivisch in den Hintergrund gerückt. In der erkalteten Seele jenes vornehmen Gelehrten lebt etwas Heiliges, Unbedingtes, die Erinnerung an einen jung verstorbenen Freund: „Er war einer jener jungen Juden, die sich in Geist und Glut verzehren und, unter ihrer harten Umgebung leidend, sich die Aufgabe stellen, ihr Volk und durch ihr Volk die Welt zu erlösen und die strahlend wie eine Harzfackel in ihrer eigenen Flamme schnell niederbrennen.“ Schluß des redaktionellen Teiles lüllllill!!! Geschäftliche Mitteilungen Das Bestreben, bald auf chemischem, bald auf physikalischem Wege Kohlensäure-Bäder herzustellen, welche den natürlichen nabe stehen oder ihnen gleichkommen, ist im Hinblick auf die Heilerfolge, welche durch die Mineralquellen und deren kohlensaure Gasbäder in Franzensb&d, Homburg, Marienbad, Kissingen, Nauheim. St. Moritz erreicht werden, vollkommen berechtigt. An Starke und Ausgiebigkeit der Wirkung durch Imprägnierung des Wassers mit Kohlensäure unter Benutzung des Druckes einer Wasser- Iitung steht der MoHoSan-Apparat der Sanitätswerke Moosdorf & Hochhäusler, Berlin SO. 33, Moosdorfstrasse 44. obenan Eine Beschreibung des Apparates und seiner Wirkung findet man in der von Dr. Kühner herausgesrebenen Broschüre: Das Kurbad im Hause. Alle Badeapparate und -Einrichtungen sind darin gleichfalls verzeichnet. Mit einem wirklich stabilen Träger für Portieren etc. und dabei geschmackvollen Ausführung ist neuerdings die Firma Hermann Küpper, Lüdenscheid unter der BezeichnuD g „Welt“ Portierenträger, welcher gesetzlich geschützt wurde, herausgekommen. Dieser Träger, dessen Ring aus einem Stück hergestellt ist, verhindert das bei den seitherigen, zusammengefalzten Ringen, unliebsame Auseinanderspringen, wodurch der Träger stets unbrauchbar wurde. Trotz der erstklassigen Ware sind die Preise derart billig gestellt, dass gen. Firma jeder Konkurrenz die Spitze zn bieten vermag, üeberbaupt hat es sich gen. Firma zum Prinzip gemacht, nur wirklich erstklassige Ware in den Handel zu bringen und legt dieselbe besonderen Wert auf Qualität und Politur. Hierbeisei auch auf die gen. Firma gesetzlich geschützter» Staugenlager hingewiesen, welche bei gleicher Materialstärke etc. von keiner Seite so billig geliefert werden können, als solche von gen. Firma geliefert werden. Als weitere Spezialitäten werden Hohlringe, Stoffklammern (schwere Ausführung), Teppichecken, Quasten (schwere Ausführung) geliefert, welche Artikel ebenfalls in jeder Hinsicht, was Qualität und Ausführung anbetrifft, als erstklassig zn bezeichnen sind. Für die elektrotechnische Branche kommen komplette Pendel, Baldachine, Knäufen und Schalenhalter als Spezialität in Frage und kann. Interessenten nur empfohlen werden, bei eintretendem Bedarf gen. Firma mitkonkurrieren zn lassen und unter Angabe des Bedarfs Offerte einznfordem. Geliefert wird ausschliesslich an Engros-Verbraucher und Exporteure. Das Geistes- und Kulturleben der Völker tritt uns nirgends reiner entgegen, als in den Werken ihrer Literatur, und nirgends bietet sich ein besserer Massstab für die Beurteilung des innersten Charaktere, der Gemütstiefe und des Geistesfluges der Nationen als in den Denkmälern ihrer Dichter und Denker. Diese studieren, heisst aus dem Born der Weltweisheit schöpfen. Die berühmtesten Werke der ansserdentschen Schriftsteller finden sich vereinigt in Meyers Bibliothek der ausländischen Klassiker (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien). Hier sind uns in 71 Bänden die klassischen Literaturschätze Englands und Skandinaviens, Frankreichs, Italiens und Spaniens, des klassischen Altertums und des Orients in wohlerwogener und feinsinniger Auswahl dargeboten. Die Uebersetzungen. die sich in Form und Versmass dem Original anschliessen, sind mustergültig. Dafür bürgen die Namen der deutschen Nachdichter; wir nennen nur: Karl Bartsch, Franz Dingelstedt, J. J. Chr- Donner, Robert Hamerling, Wilhelm Hertzberg, Herrn. Kurz, Edmund Lobedanz, Robert Prntz, Aug. Wilh. v. Schlegel, Levin Schücking. Ludwig Tieck, Heinrich Viehoff, Job. Heinr. Voss und andere. Aehnlich wie bei „Meyers Ausgaben der deutschen Klassiker“ bieten auch die Bände dieser trefflichen Sammlung inhaltreiche biographisch-ästhetische Einleitungen, durch die der Leser in die Geisteswelt der Dichter eingeführt und über ihre Lebensschicksale unterrichtet wird. Die Ausstattung jedes Bandes ist würdig und ansprechend. Die niedrige Preisstellung sollte jedermann veranlassen, sich die köstlichen Schätze der Weltliteratur in diesen Ausgaben anzuschaffen. — Ausführliche Verzeichnisse können kostenfrei durch jede Buchhandlung oder auch von der Verlagsbuchhandlung direkt bezogen werden. StoumercK 7 Fabriken.Übcr6000Beschäftigte

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