Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 17 (24.4.1914)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1914-04-24
- Page
- 413 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 17 DIE3&ELT: 413 L!IIIIIIIMI»»NN»»IIII»»»,i:iI»»I»»MII!N»,IIIIII»l»»lI! E;uiiiiiiiitiiuuitii[iiiiiitTit!!iiitimmmmi!i:i<ifiiiiiiiiiniiimmmitiui: REVUE DER PRESSE Die Doppelnummer 12/13 des „Haolam“ (vom 13. Nissan) weist einen überaus reichen Inhalt auf. Die Redaktion setzt sich in ihren Glossen (’Al Hamizpeh) mit dem von Max Nordau in der bekannten Pariser Versammlung formulierten Programm der zionistischen „Opposition* 4 auseinander. Die eingehende Kritik der Nordauschen Ausführungen gipfelt in der Feststellung: . . Auch diesmal haben wir von der Pariser Opposition nur tönende Phrasen über ein mcssianisches Ideal und haltlose Beschuldigungen vernommen, die sich gegen die stille und schwierige Arbeit ernster Männer und gegen Unternehmungen richten, die vielleicht nichts von dem Schwung und Zauber der Zukunftsideale zeigen, die aber wahrhaft aufbauende und schöpferische Tätigkeit darstellen, wie sie der Alltag erfordert.*4 Eine weitere redaktionelle Glosse beschäftigt sich in sehr interessanter Art mit den Wirtschaftsverhältnissen der jüdischen Bevölkerung in den Balkanländem, namentlich in Saloniki und Smyrna. Es wird der demnächst in Konstantinopel stattfindenden Konferenz der orientalischen Bne-Brith-Logen empfohlen, ihr Augenmerk nicht allein auf die Organisation des Gemeindewesens und der Armenpflege zu richten, sondern auch - ja womöglich in erster Linie — auf die Zusammenfassung der wirtschaftlichen Kräfte der orientalischen Judenheit, damit diese dem Kampf, der ihr jetzt allenthalben aufgezwungen wird, standhalten kann. Die Rubrik „’Al Hamizpeh4* enthält ferner Betrachtungen über die Lage der mit Ausweisung bedrohten russisch-jüdischen Zigarettenarbeiter in Berlin und die Haltung der „liberalen“ jüdischen Gemeindekreise in dieser Angelegenheit, endlich aus Anlaß eines konkreten Falles eine vernichtende Charakteristik der jiddischen gelben Presse, für deren „Lebensfrische4 4 und „gesunde44 Volkstümlichkeit — im Gegensatz zu der „bourgeoisen44 und „weitabgewandten44 hebräischen Presse —- die sonderbaren Ideologen des Jiddischismus noch immer schwärmen. Der bekannte palästinensische Schriftsteller Moses Smelansky beleuchtet in einem sehr anregenden Aufsatz, der in den nächsten Nummern fortgesetzt werden soll, die Landarbeiterfrage in Palästina von teilweise ganz neuen Gesichtspunkten. — J. Ben-David bespricht eingehend die kürzlich in Petersburg abgehaltene Konferenz zur Förderung des jüdischen Handwerks und Ackerbaus in Rußland. -- B. Gold b erg schließt seinen lehrreichen Aufsatz über „Die jüdische Statistik und ihre geschichtliche Entwicklung44. -- S. L. Zitron setzt seine Beiträge zur Geschichte der hebräischen Presse fort. - Sehr lesenswert ist das gedankenreiche Feuilleton von M. Glücksohn, das sich hauptsächlich mit dem Sammelbuch „Vom Judentum*4 beschäftigt. — In einem zweiten feuilletonistischen Beitrag „Selbsteinschätzung*4 setzt sich R. Benjamin mit J. Ch. Brenners pessimistischer Betrachtungsweise der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart auseinander. Von den belletristischen Beiträgen des vorliegenden Doppelheftes seien noch das Gedicht „Chason Hatischbi*4 von Jakob Kahan, die „fröhlichen44 jüdischen Volkstypen von Scho'.em-Aleichem, und die „Bruchstücke44 von M. J. B. erwähnt. Bibliographische Notizen, Briefe aus Frankreich und der Türkei und eine Revue „Aus Presse und Leben44 vervollständigen den ungewöhnlich vielseitigen Inhalt des Heftes. Unsere Warschauer Gesinnungsgenossen geben unter dem Namen „Dos Jüdische Volk“ ein neues jiddisches Wochenblatt heraus, dessen erste Nummer uns vorliegt. Das neue Blatt betrachtet sich gewissermaßen als Fortsetzung und geistige Erbin der vor acht Jahren unter dem gleichen Namen erschienenen W i 1 n a e r zionistischen Wochenschrift. Darum trägt der einleitende Programmaufsatz die Ueberschrift „Nach der Unterbrechung44. In der darauffolgenden allgemeinen Revue („Auf der Tagesordnung44) polemisiert die Redaktion gegen die Anschauungen der politischen Zionisten, wie sie namentlich in den jüngsten zwei Pariser Versammlungen zutage getreten sind. Weitere Glossen sind dem Verhalten der neuen russischen Regierung zur Judenfrage und den Judenausweisungen in den polnischen Dörfern gewidmet. S. Stupnitzki würdigt die Gedankenarbeit Achad-Haams aus Anlaß seines fünfundzwanzigjährigen Schriftsteller-Jubiläums. Von den weiteren Beiträgen des ersten Heftes erwähnen wir ein phantastisches Dramenfragment von J. L. P e r e z, eine Peßachlegende von D. B. SI u c k i, interessante Erinnerungen von Scholem-Aleichem an den bekannten Dichter volkstümlicher jiddischer Lieder M. W a r s c h a w s k i, den Verfasser und Komponisten des zum Volkslied gewordenen „Aleph-Beiss44, eine reichhaltige Palästina-Chronik und ein Feuilleton von S. Gorelik, das dem ersten Wilnaer „Jüdischen Volk44 Worte wehmütigen Gedenkens widmet. „Das Leben“ (Warschau) schildert die unerfreulichen Vorgänge, die sich vor kurzem in den Kreisen der jüdischen Politiker in Petersburg im Zusammenhang mit dem sogenannten „Kownoer Komitee44 abgespielt haben. Dieses Komitee, das vor einigen Jahren auf einer in Kowno abgehaltenen allgemeinen jüdischen Konferenz eingesetzt wurde, hatte vornehmlich die Aufgabe, den jüdischen Dumaabgeordneten in ihrer schwierigen Arbeit zur Seite zu stehen und mit ihnen gemeinsam die im Kampfe gegen die Entrechtung der Juden zu unternehmenden Schritte festzusetzen. Es zeigte sich jedoch, daß die um Winawer gruppierten „liberalen44 Komiteemitglieder nicht gewillt waren, die Judenfrage in ihrem ganzen Umfang in der Duma aufrollen zu lassen. Die dem Komitee angehörenden Zionisten, Nationaljuden und Demokraten sahen sich daher gezwungen, aus demselben auszutreten und ein besonderes „Kollegium44 zu bilden. Die Existenz zweier getrennter Ausschüsse erwies sich jedoch nicht als förderlich für die Tätigkeit der jüdischen Parlamentarier, die keine einheitliche Direktive für ihre ohnehin schwierige Tätigkeit erhielten. Das „Kollegium44 regte daher einen erneuten Zusammenschluß in einer gemeinsamen Föderation an. Die Winawerschc Gruppe ging auch zunächst auf diese Anregung ein, machte jedoch nachher plötzlich Schwierigkeiten, an denen die geplante Vereinigung nunmehr gescheitert ist. Die russische Judenheit bleibt somit einstweilen in ihrem schweren Kampfe ohne einheitliche Führerschaft. Die Zeitung erhebt aus diesem Anlaß gegen die liberalen jüdischen Politiker in Petersburg den Vorwurf, daß sie ihrer Aufgabe nicht gerecht würden. Im „Moment“ wendet sich Hillel Zeitlin in einem ,,N u r in Palästina'4 überschriebenen Artikel gegen die in manchen russisch-jüdischen Kreisen propagierten Bestrebungen, eine jüdische Universität in einem westeuropäischen Lande zu begründen. Zeitlin vertritt mit aller Entschiedenheit die Meinung, daß einzig und allein Palästina als Ort für eine jüdische Universität in Betracht komme. Selbst wenn sich erweisen sollte, daß die Schaffung einer jüdischen Universität in Deutschland, Frankreich oder der Schweiz etwas leichter durchzuführen wäre als in Palästina, so würde dies absolut nicht ins Gewicht fallen. Die Heimat ^04463287698 575470951961631829645885