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Die Welt · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · p. 405

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Article
Die Schulsprache der Diaspora
Date
1914-04-24
Page
405 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17 DIE :LT 405 damals in ganz Palästina. Die Sprachen des Landes waren arabisch, jiddisch, spaniolisch. Die Kinder verstanden kein Wort Hebräisch. Aber es kam der willensfrohe Lehrer und führte die hebräische Unterrichtssprache ein, und das Ergebnis ist allbekannt. Wohlbekannt sind auch die praktischen Mittel. Das beste ist in der Resolution der galizischen Zionisten genannt: der Kindergarten. Aber, wohlgemerkt, der e i n sprachige Kindergarten, der nur diese eine Aufgabe vor sich hat: die Sprache des künftigen Lehrers dem künftigen Schüler vertraut zu machen. Wo die Mittel fehlen, einen regelrechten Kindergarten bei der Schule zu gründen, kann auch eine besondere Vorbereitungsklasse ganz gute Dienste leisten. Man wird aber einwenden: Wäre die Einführung der hebräischen Schulsprache pädagogisch durchführbar, so bleibt sie doch praktisch, politisch, sozial unmöglich. Denn wir sind eine Minderheit und müssen unbedingt die Sprache der fremden Mehrheit beherrschen. Ohne Zweifel. Hierfür ist es aber vollständig ausreichend, die betreffende fremde Sprache als wichtigen Unterrichtsgegenstand zu erlernen. Man lerne sie nach der allerbesten Methode* aber man mache sie nicht zur Schulsprache, d. h. zur Unterrichtssprache für andere Fächer; Schulsprache bleibt Hebräisch. Das ist der Standpunkt jedes national bewußten Volksstammes, auch wenn er sich in der Diaspora befindet, als Minderheit in einem fremden Milieu. Das ist z. B. der Standpunkt der Tschechen in Wien. Sie sind klug genug, um zu verstehen, daß man in Wien unbedingt die deutsche Sprache beherrschen muß. Und doch verlangen sie tschechische Schulen in Wien mit tschechischer Unterrichtssprache für alle Fächer. Und Deutsch? „Deutsch wird einer der wichtigsten Lehrgegenstände sein," erwidern die Tschechen; „für die praktischen Zwecke wird es genügen." Dieselbe Antwort gilt auch für uns. Selbstverständlich kann ein Volksstamm in der Diaspora niemals den nationalen Monismus in seiner Seele ganz durchführen. Auch wenn wir hebräische Volks¬ und Mittelschulen gründen, werden wir in der Diaspora keine „ganzen Juden", keine „ganzen Hebräer" erzeugen können. In der Seele des Juden der Diaspora wird die fremde Kultur immer den ewigen, tragischen Zwiespalt hervorrufen. Diese Tragik soll aber ein objektives, von unserem Willen unabhängiges Resultat des Lebens bleiben; sie soll nicht ins Komische ausarten dadurch, daß wir selbst das Schicksal diskontieren und ihm von vornherein seine Beute willig und alleruntertänigst anbieten. Unsere Schule in der Diaspora soll ganze Juden erziehen; die Mühe, halbe Juden aus ihnen zu machen, können wir ganz ruhig dem Leben in der Fremde überleb kann nicht beurteilen, ob diese Betrachtungen auf Deutschland oder Frankreich zutreffen — für Länder, die als Nationalstaaten gelten und im allgemeinen keine Sprachenfrage kennen. Aber die Juden in den sogenannten Nationalitätenstaaten — Rußland, Oesterreich - Ungarn, der Türkei — die Juden, die sowieso mit der Frage der Schulsprache rechnen müssen, — diese Bruchteile des emporsteigenden Judentums haben nur eine Lösung des Problems: Die Schulsprache der Diaspora ist Hebräisch. Die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit in Palästina Von Dr. B. Grünfelder Der Streit um das Schulwerk in Palästina ist jetzt durchgefochten worden. Er hat in unser Bewußtsein die Erkenntnis von der dringenden Notwendigkeit unserer Erziehungsarbeit an der Jugend gehämmert, die unsere Hoffnung bedeutet. Deshalb erscheint der Zeitpunkt jetzt günstig gewählt, auf Pflichten hinzuweisen, die (obschon anderer Natur) letzten Endes doch in derselben Richtung liegen. Eine Vermehrung der .jüdischen Bevölkerung Palästinas durch natürlichen Geburtenüberschuß (d. i. abgesehen von der Einwanderung) wird von überragender Bedeutung für uns bleiben; denn auf diesen auf palästinensischem Boden geborenen Kindern ruht ein großer Teil unserer Hoffnung. Die Notwendigkeit unserer Arbeit an ihrer E r Ziehung haben wir erkannt, an ihrer Auf Ziehung aber offenbar noch nicht eingesehen. Wir arbeiten zwar an der sanitären Hebung Palästinas, haben aber den wichtigsten Punkt bisher noch nicht ernsthaft in Angriff genommen; das ist die Frage der Säuglingsfürsorge. Das Problem ist uns Westeuropäern geläufig; wir haben gesehen, wie ein Geburtenrückgang durch rationelle Säuglingspflege (d. i. Verminderung der Säuglingssterblichkeit) paralysiert werden kann. Diesem westeuropäischen Vorbild nachzuahmen, muß allen aufs höchste erstrebenswert erscheinen, die von der Bedeutung der auf palästinensischem Boden geborenen Jugend überzeugt sind. Und dies um so mehr, als die palästinensische Kindersterblichkeit entsprechend den gegebenen Lebensbedingungen von nicht zu unterschätzender Größe ist. Eins kommt zum andern: die Unkenntnis der Mütter in bezug auf rationelle Ernährung; die Armut der Bevölkerung und deren Folgen für Reinlichkeit und Abwartung; kurz das, was man als Milieu-Schaden bezeichnen kann. Zu alledem zeigt sich, daß Malaria und Trachom, die palästinensischen Krankheiten, schlecht ernährte und schlecht gepflegte Kinder in ganz anderer Weise dahinraffen, als es sonst der Fall wäre. Die ungeheure Kindersterblichkeit unter den Jemeniten hat das in erschreckendem Maße aufgewiesen. All das erfordert unser Eingreifen. Dr. W. Brünn, der Leiter des Jewish Health Bureau in Jerusalem, hat in seinem Artikel „Ueber die Sanierung Palästinas" („Welt", 1913, Nr. 50) bereits auf meine Pläne in dieser Richtung hingewiesen und ihre baldige Verwirklichung gewünscht. Ich selbst habe meinen Plan schon auf dem Wiener Kongreß etlichen Männern und Frauen vorgelegt und halte nun, nachdem Anfänge bereits gesichert sind (siehe unten), die Zeit für gekommen, meine Ideen einer breiteren Öffentlichkeit zu unterbreiten. Wo werden wir zunächst Eingreifen müssen (unbeschadet weiterer Ausbreitung des vielleicht gelungenen Projektes)? Offenbar in Jerusalem, diesem Zentrum stärkster Judenansammlung und größten Elends zugleich. Was hier bisher darin geschehen ist, bleibt gänzlich unzureichend. Denn was leisten und was können Wohltätigkeitsanstalten leisten? Sie gewähren ein paar Francs und helfen über die schlimmsten Tage hinweg. Sie bedeuten eine Linderung für die Mutter, aber nicht für das Kind; denn nichts wird getan gegen das Versiegen der Mutterbrust, nichts für irgendwelche rationelle Pflege sonstiger Art. Ein Blick auf Westeuropa zeigt uns, was zu tun ist. Naturgemäß von Frankreich ist es ausgegangen, was an Säuglingspflege und Kinderaufziehung von da seinen Weg über alle kultivierten Staaten genommen hat (Variot: Gouttes de Lait). Ja selbst Rußland hat sich jetzt dem französischen und deutschen Vorbild angeschlossen und hat den Beweis geliefert, daß auch unter minder entwickelten Zuständen ein wirksames Eingreifen möglich ist. Welche Mittel hat man nun vor allem, der palästinensischen Säuglingssterblichkeit zu begegnen? Zunächt offenbar

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