Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Article
- Politischer Zionismus
- Date
- 1914-04-03
- Page
- 343 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 14 343 DIES^ELT nalen Schulen Palästinas notwendig war, der wird dem E. A. C. nicht zumuten können, daß es in diesem Kampfe beiseite stehen und Palästina sich selbst überlassen sollte, der wird vielmehr, wie das die überwiegende Mehrheit der Organisation nicht nur in Worten, sondern auch durch die Tat zum Ausdruck gebracht hat, dem A. C. Dank für seine Initiative wissen und sich bemühen, nach Kräften an dem großen Werke der Hebraisierung Palästinas beizutragen. Dr. Nordau wirft dem E. A. C. vor, daß es dem Drängen einiger revoltierender Lehrer gefolgt ist, neue Schulen gegründet und mit aller Energie den Kampf für die Hebraisierung der Schulen durchgeführt hat. Wir wollen Herrn Dr. Nordau ein vorzügliches Urteil über den Sprachenkampf entgegenhalten : „Wenn wir nicht dafür sorgen, daß uns in Palästina ein Geschlecht von reinen und echten Hebräern heranwächst, dann hat unser Zionismus keinen Sinn. Sollen die Juden, die nach Palästina zurückgekehrt sind, dort fortfahren, einander äußerlich und innerlich fremd, durch Vielsprachigkeit zerrissen zu bleiben, in den verschiedenen Kulturen ihrer Geburtsländer zu wurzeln, so hätten sie ebensogut bleiben können, wo sie waren. Denn um sprachlich und kulturell bei Fremdvölkern zu hospitieren, brauchen sie nicht erst unter Mühsal, mit Kosten und starken Erregungen in das Land der Väter zurückzuwandern. Das können sie billiger und bequemer in ihren Geburtsländern haben. Man muß Hebräisch zur Umgangssprache und zum Werkzeug aller höheren geistigen Betätigungen der Palästinajuden machen, um sie in ein einheitliches Volk zu verschmelzen und ihnen eine jüdisch-nationale Kollektivseele einzuhauchen. Es war also sehr richtig, daß die drei Vertreter des national-jüdischen Gedankens im Kuratorium des Technikums von Haifa austraten, als diese Körperschaft beschloß, das Technikum als eine deutsche Lehranstalt einzurichten. Hätten sie zu diesem Werk ihre Mitwirkung geliehen, so würden sie einen Verrat an unserer Sache begangen haben. Meine vorbehaltlose Zustimmung gilt aber nur diesem Schritt der drei Herren sowie dem Beschluß unseres Engeren und Großen Actions-Gomites, neue hebräische Mittelschulen und eine hebräische Lehrerbildungsanstalt in Palästina zu errichten, vorausgesetzt, daß wir die Mittel zu ihrer Erhaltung aufbringen können, was, wie ich fürchte, nicht leicht sein wird. Dagegen bedaure ich. daß wir uns mit dem Hilfsverein der deutschen Juden verfeindet und uns auf dem Kriegspfad gegen ihn begeben haben. . . Vergeuden wir "keine Kraft an die negative Arbeit einer Polemik, die Erbitterung hervorruft, die Judenfeinde mit Schadenfreude erfüllt und politisch sehr gefährliche Unterstellungen und Anschwärzungen erleichtert; sparen wir alles, was wir an Kraft haben, für die positive Arbeit des Schaffens und Erbauens auf. Vermehren wir unsere eigenen Schulen, ohne uns um die der anderen zu kümmern. Bemühen wir uns, die dazu nötigen Mittel aufzubringen. Gelingt es uns, wie ich hoffe, so haben wir nicht länger einen Grund, uns über die Kälte der anderen gegen das Hebräische in der Schule aufzuregen. Gelingt es uns aber nicht, so ist der Be w e is erbracht, daß wir uh sere Pflicht der Aufklärung des jüdischen Volkes über die heiligsten Ger bote seiner Ehre noch nicht genügend erfüllt haben. Daraus würde uns dann eine Aufgabe erwachsen, die mir viel dringender und würdiger scheint, als die Polemik gegen den Hilfsverein." Das schrieb uns Dr. Nordau vor einigen Wochen, und wir haben es in der „Welt" vom 30. Januar abgedruckt. Wenn Dr. Nordau sagt, die Organisation habe den Unterhalt und Ausbau des Schulwerks als hauotsächliche. ia ausschließliche Aufgabe für die nächsten fünf oder zehn fahre erklärt, so ist uns von einer solchen Erklärung nichts bekannt. Im Gegenteil: die Leitung hat wiederholt darauf hingewiesen, daß eine gleichmäßige Förderung aller unserer Arbeitsgebiete notwendig ist, und dementsprechend wurden auf der letzten Sitzung des Actions-Gomites neben den Fragen der Schulorganisation sehr eingehend auch Probleme der ökonomischen Erschließung Palästinas behandelt. Wenn Dr. Nordau schließlich den Vorwurf gegen die Leitung erhebt, daß sie seit vier bis fünf Jahren die Kongresse benutze, um dort große Parolen auszugeben für Unternehmungen, die dann entweder überhaupt nicht realisiert werden können oder nicht florieren, und wenn er dabei auf die Siedlungsgenossenschaft und die Agrarbank exemplifiziert, so vergißt Herr Dr. Nordau, daß die gegenwärtige Leitung der Organisation überhaupt erst einen Kongreß vorbereitet hat. Dort hat sie allerdings eine Parole ausgegeben, die Errichtung einer hebräischen Universität in Jerusalem, und dieser Plan wird realisiert werden. Was aber die früheren, von Herrn Dr. Nordau angeführten Parolen betrifft, so stammen sie aus der Zeit, die Dr. Nordau als die „Periode des Wartens" bezeichnet hat. Wir haben daher, so wenig wir mit Dr. Nordaus Beurteilung dieser Institutionen übereinstimmen, keine Veranlassung, sie in diesem Zusammenhang zu behandeln. Für heute mögen diese wenigen Bemerkungen genügen. Mit dem Programm des politischen Zionismus, wie es Dr. Nordau entwickelte, werden wir uns demnächst auseinandersetzen. Nur eine Frage sei uns noch gestattet: wenn der politische Zionismus, wie eine seiner radikalsten Vertreterinnen in der Diskussion vom 19. 3. ausführte, Palästina und die Ostjuden und die großen Westjuden gegen sich hat, auf wen in aller Welt stützt sich eigentlich dieser politische Zionismus? Rußland Lodz. Die zionistische Svnagoge „O h e 1 Jacob" in Lodz hat das E. A. C. aus Anlaß des Sieges der hebräischen Sprache zum Zeichen des Dankes in das Goldene Buch des J. N. F. eingetragen. SPRECHSAAL ■■■niiiii|?ii»i!i»»»»»i»iim'': »II II!!»!!! II III itllllltr? Zionismus und Orthodoxie auf dem italienischen Jugendkongreß Mit Bezug auf die „Berichtigung" von Herrn Heinrich Eisemann in Nr. 13 der „Welt" schreibt uns unser italienischer Korrespondent: Mein Bericht über den italienischen Jugendkongreß war kurz gefaßt, und wie in allen ähnlichen Berichten kamen auch in diesem nicht alle Ausführungen der Diskussion zu ihrem Rechte — was auch unmöglich und recht überflüssig gewesen wäre. Die Redaktion der „Welt" hat aber auch meinen kurzen Bericht noch wesentlich gekürzt. Im übrigen aber ist der Bericht objektiv gewesen — auch nach der vorgenommenen Kürzung. Denn es ist unwahr, daß Eisemann den Zionismus nicht angegriffen hat. Er hat ihn hier angegriffen, wie er es auf der Frankfurter Tagung getan hat. In diesem Punkte stimmen alle Berichterstatter der italienischen Zeitungen überein. Im Interesse der Orthodoxie wäre es natürlich besser gewesen, Eisemann hätte diese nicht vor ein Publikum gezerrt, das vollständig unvorbereitet war. Denn das orthodoxe Judentum — das muß offen und ehrlich zugestanden werden — ist dadurch recht scharf hergenommen worden. Man hat es sogar mit der spanischen Inquisition u. ä. verglichen. Das war vorauszusehen und hätte vermieden werden können. Um den vorurteilslosen Lesern zu zeigen, wie es sich mit der Behauptung Eisemanns verhält, daß er den Zionismus mit „keinem Worte" angegriffen habe, führe ich die Berichte von drei italienischen Zeitungen an. die sich in ihren Tendenzen sonst gegenseitig bekämpfen. 1. Die „Settimana Israelitic a" schreibt: „Krinkin hebt die Intoleranz der Orthodoxen gegenüber den Zionisten hervor, worauf Eisemann die Orthodoxie in Schutz nehmen will, indem er beteuert, daß sie dem Zionismus nicht beitreten könne, weil der Zionismus Dinge tut und tun läßt, welche dem Geiste der Thorah ausgesprochen feindlich sind." 2. Der „Corriere I s r a e I i t i c o" berichtet: „Eisemann beteuert nochmals, daß er nichts an dem Referat Dr. K r i n k i n s auszusetzen habe, aber viel an dem areligiösen, wenn auch nicht immer antireligösen Gedanken des Zionismus . . ." und ferner: „die Orthodoxie ist eine Gewissenssache und will außerhalb der Organisationen bleiben, die eine Gewissensverirrung verursachen können.“ 3. Der „V e s s i 11 o I s r a e I i t i c o" greift aus dem Referate von Eisemann besonders die Stellen heraus, die von den Beziehungen der Orthodoxie zu den anderen jüdischen Organisationen sprechen. Nach diesem Berichte hat Eisemann in seinem Referate ausgeführt, warum sich die Orthodoxie von dem Gesamtjudenhim und von den bestehenden Organisationen immer mehr isolieren mußte. Diese ihre Haltung mußte sie auch dem Zionismus gegenüber wahren, da ihre Weltanschauung sich mit der der Zionisten nicht decken könne. Auf Seite 102 des Berichtes heißt es dann: „Die Orthodoxie sei eine Gewissensfrage: sie kann nicht Organisationen beistimmen, die ihr feindliche Zwecke verfolgen!" Wie reimt sich das alles mit der Behauptung, daß er mit „keinem Worte" den Zionismus angegriffen habe? 39999999