Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Article
- Zionistische Kreditorganisationen in Galizien
- Date
- 1914-04-03
- Page
- 331 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 14 331 blES^ELT von Mai bis September mit einer Unterbrechung von wenigen Tagen andauernden Regengüssen wurde alle Niederung unter Wasser gesetzt, und alle Flüsse überschwemmten die sonst fruchtbaren Talfurchen und Ebenen des Landes. Nun hatte Galizien zu all dem vorangegaügenen Unglück noch eine totale Mißernte'! Was das für ein Agrarland bedeutet, zeigte sich bereits im Sommer. Die Kaufkraft der Bevölkerung erlahmte vollkommen. Zahlungen seitens agrarischer Schuldner, Baue, n, Pächter, aber auch Großgrundbesitzer, waren auch für längst fällige und selbst kleine Beträge nicht zu erhalten. Auch aktive und wohlhabende Kaufleute konnten mangels jedweder Kassa- Eingänge ihren Verpflichtungen in manchen Fällen nicht mehr Nachkommen. Wenn man zu alldem die Wirkungen der bedeutenden Entwertung von Realitäten, nicht nur in den Provinzstädten, sondern auch in den Hauptstädten des Landes hinzurechnet, die massenhaften exekutiven Verkäufe von Klein- und Groß-Grundbesitz, nur gemildert durch gänzlichen Mangel an Käufern, so erhält man das Bild der Stagnation, von welcher das wirtschaftliche Leben Galiziens im zweiten Semester des Jahres 1.913 beherrscht war. Unsere junge, erst vier Jahre bestehende Institution hat diese Feuerprobe bestanden. Dem Spareinlagen-Run begegneten wir mit dem einzig wirksamen Gegenmittel, Barauszahlungen, ohne von unserem bedungenen Vorbehalt der Kündigungsfristen je Gebrauch machen zu müssen. Unseren Mitgliedern aber, insoweit deren Kreditbasis infolge der einge- . tretenen elementaren Ereignisse nicht verändert war, hielten wir die Kredite bis zum äußersten aufrecht und haben uns anerkannterweise bei Hunderten derselben große Verdienste um deren Rettung vor materiellem Niederbruch erworben.“ Nunmehr, da die Krise überwunden zu sein scheint, dürfte ein neuer Abschnitt der Entwicklung der zionistischen Kreditorganisationen in Galizien beginnen. Die „Kredit-Union“ in Lemberg dürfte in eine Aktiengesellschaft mit einigen Millionen Kronen umgewandelt werden. In den größeren Städten sollte man nach dem in Stanislau geschaffenen Vorbild handeln. Die Gesellschaftsform nach dem Gesetze von 1906 ist der einer Genossenschaft entschieden vorzuziehen, weil sie u. a. dem Institut ein unkündbares Kapital gibt und den Darlehennehmer vom Anteilkaufe befreit. Die „Galizische Kreditanstalt“ in Stanislau konnte es schon nach zwei Jahren zu einem Reservefonds von 14 000 Kr. bringen und Spareinlagen, die Anfang März 1914 430 000 Kr. betrugen, erhalten. Sie kommen zum großen Teile von kleinen Einlegern und können als Volkseinlagen bezeichnet werden, ln den kleineren Orten sollten Genossenschaften entstehen. Erst einer solchen Kreditorganisation könnten jüdische Produktions- und Konsumgenossenschaften des Mittelstandes mit Aussicht auf eine gute Entwicklung folgen. Doch das ist schon Zukunft; wir wollten nur das Vorhandene darstellen. FÜR UNSER SCHULWERK Wir haben einen Gesamtausweis der bisherigen Eingänge für Zentralfonds und Schulwerk vorbereitet, der jeden Ort und jede Gruppe mit dem gesamten bisher geleisteten Betrage ausweist. Auf Wunsch vieler Gruppen schieben wir die Veröffentlichung dieses Ausweises, der ein genaues Bild Ober den Anteil jeder Ortsgruppe und jedes Vereins an unserer Aktion bietet, um einige Wochen auf, damit alle Ortsgruppen und Vereine die Möglichkeit haben, die noch ausstehenden Beiträge einzuziehen und uns zur Verwertung in diesem Gesamtausweis zu Obermitteln. Wir ersuchen daher dringend, die Sammlungen nunmehr so zu beschleunigen, dass alle Eingänge bis zum 15. April in unserem Besitze sind. Später eingehende Summen können fQr diesen Gesamtausweis nicht mehr berücksichtigt werden. Zionistisches Zentralbureau. Eine hebräische Broschüre über den Sprachenkampf in Palästina Auf vielfache Wünsche weiter Kreise ist soeben eine Broschüre über den Sprachenkampf in hebräischer Sprache erschienen. Die Broschüre enthält in kurz gefaßten Angaben Daten über die Vorgänge in den palästinensischen Schulen und kann als gutes Propagandamaterial für das hebräische Schulwerk dienen. Wir bitten die Gesinnungsgenossen und Ortsgruppen aller Länder, wo ein Bedarf an hebräischem und jüdischem Agitationsmaterial vorhanden ist, ihre Bestellung an uns unverzüglich ergehen zu lassen. Zionistisches Zentralbureau Berlin W15, Sächsische Straße 8. Bisherige Eingänge nach Ländern geordnet Rußland M. 94 700.— Deutschland „ 56 000.— West-Oesterreich: Inner-Oesterreich M. 9 200.— Böhmen „ 12 000.— Mähren-Schlesien „ 6 600.— „ 27 800.— Galizien „ 12 300.— England „ S 500.— Amerika „ 6 200.— „ 5 600.— Südafrika „ 4 400.— Rumänien „ 3 200.— Canada „ 3100.— Holland „ 2 500 — Südslawische Länder „ 2 200.— Ungarn ,’ 1 300.— Bulgarien „ 1 100.— Diverse „ 3 000.— Zentralf onds-J ahresbeiträge für 1914 Ausweis der eingegangenen Beträge ' Deutschland Berlin: Dr. Ludwig Pinkus.Jk 25.— Russland Burgouzin: A. Ch. Nowomeysky.Jk 100.— M. A. Nowomeysky.. 100.-— Jk 200. E 1c a t c r i n o s I a w: L. Ch. Rabinowitscli . . . Jk 107. Moskau: Leo Sliosberg.Jk 20. Spiessmann, Kienberg. 24. Westösterrreich Böhmen Dux: Jüd. Vulksverein „Zion“ . . . Kr. 204.70 Jk 172.— Leitmeritz: Dr. E. Margulies (1. Rate) .... Kr. 30.— Jk 25.20 I. g 18 99999999999999999