Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 18 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Article
- Das Ergebnis des Jahres 1913
- Date
- 1914-03-20
- Page
- 297 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 &!E3§KELT 297 dünen Halt zu gebieten, sondern sie werden dem Lande Palästina das verloren gegangene Brenn- und Bauholz vviedergeben. Der Mangel des Nutzholzes ist besonders durch den Aufschwung der jüdischen Siedlungen in Stadt und Land fühlbar geworden. Nach dem Palästina-Handbuch von Trietsch ist der Holzimport allein im Hafen von Jaffa von 320 000 Frcs. im Jahre 1002 auf fast eine Million Francs im Jahre 1908 emporgeschnellt. In der Zwischenzeit ist der Bedarf an Nutzholz infolge Erbauung neuer Jüdischer Stadtviertel und besonders der Ausdehnung des Orangenexportes, der eine ganze Holzkistenindustrie hervorbrachte, sicherlich bedeutend gewachsen. Diese Millionen, die Jetzt ins Ausland wandern, würden im Lande bleiben, wenn es mit Hilfe der Baumspende gelänge, das notwendige Holz im Lande selbst hervorzubringen. welche Bedeutung der Frage der Aufforstung in volkswirtschaftlicher Hinsicht zukommt, kann auch aus den weiteren Aeußerungen ersehen werden, die der britische Schatzkanzler in der bereits erwähnten Rede machte: „Durch die Aufforstung können wir auch Jene Gegenden mit Feuerungsmaterial versorgen, die so weit von den Kohlengebieten ab liegen, daß der Kohlenpreis zu hoch wird, und was noch das wichtigste ist — durch die Aufforstung können wir auch Land in landwirtschaftliche Benutzung nehmen, das bis dahin zu abgelegen war. Wer in den Bergen gelebt hat wie ich, weiß, was das heißt. Wir werden das schottische Hochland wieder bevölkern, indem wie die Bergrücken aufforsten und damit die Täler schützen, und damit aber auch eine neue Bevölkerung in das Land ziehen, die sich im Winter in den Wäldern beschäftigen kann, und die im Sommer die Felder in den Tälern bebaut . . . Die Holzvorräte der Welt gehen mehr und mehr zur Neige und die Werte, die wir durch Aufforstung schaffen, werden von Jahr zu Jahr enorm vergrößert werden." Auch bei uns hat die durch die Baumspende zu bewirkende Aufforstung eine doppelte Aufgabe zu erfüllen. Eine bloße Bereicherung der Landeskulturen und des vernachlässigten Bodens, wie dies schon durch frühere Siedlungsmethoden angebahnt ist, würde nur einem der zwei grundlegenden Kolonisationsfaktoren zugute kommen: dem Lande. Ebenso wichtig wie das Land ist uns aber der zweite Faktor — derjenige, der das Land bepflanzen und bebauen soll. Unsere Pflanzungsbetriebe müssen nicht nur Baumschulen vorbereiten, sondern sozusagen auch „Menschenschulen“ sein. Wenn nach den Worten Lloyd Georges „die Aufforstung des schottischen Hochlandes einer großen Anzahl von Arbeitskräften Gelegenheitsarbeit“ geben soll, so müssen wir unseren Einwanderern neben der Gelegenheitsarbeit auch Arbeitsgelegenheit geben. Unsere Pflanzungswirtschaften bieten dem neueinwandemden Juden die Möglichkeit, sich in allen Zweigen der PflanzungsWirtschaft auszubilden. Die Beschäftigung mit Pflanzungsarbeit bMdet auch ein Sprungbrett, auf dem der jüdische Städter am besten zur Landwirtschaft gelangt, da die Pflanzungen mehr Anforderungen an die Intelligenz als an die physische Kraft stellen. Nach dem Zeugnis von Fachmännern wären die Juden in der Pflanzungswirtschaft den deutschen Bauern in Palästina weit überlegen. Auf diese Weise eröffnet sich dem jüdischen Arbeiter, der in den Pflanzungsfarmen des Nationalfonds seine Ausbildung erlangt hat, die Möglichkeit, eine dauernde Existenz in der Landwirtschaft zu finden. Der Kern der Arbeiterschaft kann in den Pflanzungsdomänen des Nationalfonds selbst ständig beschäftigt werden. Sobald das administrative Stadium der I%anzungsWirtschaft vorüber ist, wird die Pflege der Pflanzungen von den so ausgebildeten Arbeitern selbst besorgt werden. Hierbei wird ihnen ein Fonds zugute kommen, der immer mehr zu einem wichtigen Gliede in unserem Kolonisationssystem wird. Mit Hilfe des Arbeiterheimstättenfonds wird der Nationalfonds denjenigen Arbeitern, die durch mehrere Jahre auf unseren Pflanzungsbetrieben tätig waren und denen die Selbstverwaltung dieser Domänen anvertraut werden kann, Haus und Garten für ihre Familien zur Verfügung stellen. Im Umkreis unserer Pflanzungen werden Siedlungen von Erbpächtern des Nationalfonds entstehen, die ihre eigene Gartenwirtschaft pflegen und zugleich genossenschaftlich oder individuell die Pflanzungen des Nationalfonds bewirtschaften. Diejenigen Arbeiter, für die die Arbeit auf unseren Pflanzungsdomänen ein Durchgangsstadium gebildet hat, werden die Möglichkeit haben, auf anderen Ländereien des Nationalfönds als Erbpächter einzeln oder in Genossenschaften angesiedelt zu werden. Der Anfang wurde bereits in *K a s t i n j e h und im Gan Schemuel gemacht. Wenn diese systematische und allseitige Ausbildung von jüdischen Städtern zu qualifizierten landwirtschaftlichen Arbeitern die Baumpflanzungen des Nationalfonds in den ersten Jahren höher belastet, als dies vielleicht auf privaten, mit Nichtjuden arbeitenden Plantagen der Fall ist, so ist doch zu berücksichtigen, daß auch diese Mehrkosten keine dauernden sein werden. Nachdem die Pflanzungen einmal ihre volle Ertragsfähigkeit erlangt haben, wird eben ein Teil des Erträgnisses dazu dienen, diese vom nationalen und volkswirtschaftlichen Standpunkte unerläßlichen Erziehungskosten zu decken. Die Erträgnisse der Baumpflanzungen sind bekanntlich noch einem anderen hohen Zwecke zugedacht. Sie sollen dazu dienen, unsere Kulturanstalten in Palästina zu erhalten. Selbst wenn wir beim Durchschnitt von ca. 3 Frcs. pro Baum bleiben, so werden eine Million Bäume des Herzlwaldes in voller Ertragskraft so viel ergeben, als zur Erhaltung des neuerstandenen hebräischen Schul Werks nötig ist. Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, wo hunderttausend Bäume gespendet sein werden. Nach zehn Jahren seit der Gründung der Baumspende ist für diesen Zweig des Nationalfonds ca. 540 000 M. für 90 000 Bäume aufgebracht worden, sodaß wir am Ende dieses Jahres die vollen 100000 Bäume erreicht haben werden. In diesem Jahre geht auch das Jahrzehnt zu Ende, seitdem Theodor Herzl von uns gegangen, dem wir in dem Herzlwalde ein unvergängliches Denkmal zu schaffen unternommen haben. Dieser Gedenktag soll unsere Freunde und Vertrauensmänner ganz besonders an die Aufgaben erinnern, die die Baumspende zu erfüllen hat: Die aus dieser Spende angelegten Pflanzungen sollen die verwahrlosten Terrassen in den Bergen Palästinas wieder aufbauen helfen. Sie sollen die Sümpfe und Moore austrocknen, das Kulturland vor dem Vordringen der Sanddünen schützen, das notwendige Holz dem Lande wiedergeben, das Klima günstig beeinflussen und das schwierigste Problem, die Heranbildung von Städtern zu Landwirten, einer Lösung näherbringen und, nach dem Worte Herzls, eine große Arbeitsgelegenheit für das jüdische Volk schaffen! Im Jahre 1913 hatten wir fast keinen Fortschritt in den Eingängen für die Baumspende zu verzeichnen. Und doch läßt sich für diesen Fonds mit großem Erfolg werben. Die eigenartige Sitte der „Jahrzeiten“, ein Wahrzeichen jüdischer Pietät und jüdischen Familiensinns, sollte auf diesem Wege mit der Erneuerung Palästinas dauernd verknüpft werden. Ebenso sollten die Gedenktage der Freude durch Teilnahme an der Arbeit verewigt werden, die Berg und Tal Palästinas mit blühenden Gärten und Wäldern bedecken und dem verwahrlosten Lande Wasser und Schatten spenden wird. Spenden-Ausweis der liandessammelstellen Deutschland. (Adresse: Max Wollsteiner, Berlin- Charlottenburg, Roscherstr. 5.) Vom 28. Februar bis 6. März d. Js. eingegangen und in Nr. 10 der .Jüdischen Rundschau“ detailliert ausgewiesen .... Für N. F.-Marken JO 1350—, für Telegrammformulare JC 450.—.zusammen Galizien. (Adresse: Dr Gerschon Zipper. Lemberg, Smolkaplatz 1. Für Geldsendungen: Kredit Union, für Keren Kajemeth Lejisroel. Lemberg. Postscheckkonto 98605). Vom 25 Februar bis 3. März d. Js. eingegangen und in Nr. 4 des „Jüd. Tagblatts“ (Beilage) detailliert ausgewiesen . Kr. 1351.33 Russland. (Adresse: Justizrat Dr. M. J. Bodenheimer, Köln, Hansabaus). Vom 2. bis 6 März d. Jseingegangen und in Nr. 8 von „Erez Israel“ detailliert auseewiesen. Rumänien. (Adresse: M. Heinrich Schein, Ga’atz). Vom 1—31. Dezember v. Js. ein gegangen und in Nr. 46/47 1913 und 1—3 1914 der „Egalitatea“ detailliert ausgewiesen .... Lei 1910.40 — Nordamerika. (Adresse: Jewish National Found Bureau for America, New York, 142 Henry Str.) Vom 13.—20. Februar d. Js. eingegangen und in Nr. 9 von „Dos Yiddische Folk“ detailliert ausgewiesen .$ 871.27 ----- Ostasien. Josef Levy, Singapore, stiftet zur Errichtung eines Arbeiterhauses . . . £ 40 — Griechenland. Durch Syllogue Sioniste »Poale Sion“, Voio, eingegangen u. in der „Revue Israelite“, Athen, detailliert ausgewiesen . . Frs. 56.— —- M. 810 81 JL 1800.— J0. 114189 Jt AtM 07 J0 1528.31 JO 3633.20 JO 816.— JO 44.80