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Die Welt · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · p. 296

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Article
Das Ergebnis des Jahres 1913
Date
1914-03-20
Page
296 (sequence 1)
Language
German
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296 DtE^EELT ——-- -1 ~ Nr. 12 Der Jüdische Rational(onds ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als vnttrövßerliches Eigentum des jüdischen Volkes l xu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, hol er bereits die Höhe von circa 4 Millionen Mark erreicht. Zur gefl. Beachtung! Ab 12. März d. Js. befindet sich das Hauptbureau des J. N. F. Cöln, Hansahaus. Alle Sendungen sind zu adressieren: Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds, z. Hd. des Herrn Justizrat Dr. M. J. Bodenheim er, Cöln, Hansahaus, Friesenplatz. Die gesinnungsgenössischen Blätter werden um frdl. Abdruck dieser Notiz ersucht Das Ergebnis des Jahres 1913*) Ul. Die Baumspende In einer seiner jüngsten großen Reden über die Landrefortn in England sagte der Schatzkanzler David Lloyd George: . . Es gibt Unternehmungen, die den Kapitalisten keinen unmittelbaren Nutzen bringen. Zu diesen gehört die Aufforstung, die durch zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre keinen Nutzen abwirft. Einem einzelnen Grundbesitzer kann nicht zugemutet werden, Aufforstung im großen Stile zu treiben, die vielleicht erst seinen Großenkeln zugute kommen wird. Aber dreißig und fünfzig Jahre in dem Leben einer Nation sind bloß eine Jahreszeit in dem Leben eines Menschen. Und eine Nation, die Großes zu unternehmen im Begriffe ist, muß die Voraussicht haben, über Generationen hinaus zu blicken. Die großen Nationen auf dem Kontinent ernten jetzt, was die Vorsorge ihrer Väter geschaffen hat und es ist Zeit, daß wir in unserem Lande dasselbe tun . . Diese bedeutsamen Worte gelten in noch höherem Maße von unserem Lande Palästina als von England und dem schottischen Hochland. Etwa ein Drittel der Bodenfläche Palästinas besteht aus kahlen, unbepflanzten Bergabhängen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Berge einst reiche Waldungen aufwiesen, die das Land zur Wein- und Oelkammer des vorderen Orients machten. Noch heute sieht man die Spuren von Terrassen auf den Bergen Juda und Ephraim, die von einer großartigen Baumkultur und dem Fleiß der Bewohner in alter Zeit erzählen. Durch den Verlust dieser Wälder und Pflanzungen sind dem Lande nicht nur wertvolle Frucht- und Nutzbäume verloren gegangen, sondern dies hatte auch zur Folge, daß der Feuchtigkeitsgehalt der Luft und des Bodens immer mehr schwand, das Land an Flüssen und Bächen verarmte, die Wanderdünen immer weiter ins Land vordrangen und stellenweise verderbenbringende Sümpfe in den Ebenen überhand nahmen. Dieser Zustand veranlaßt« die vom VI. Kongreß eingesetzte Palästina-Kommission, der Frage der Aufforstung Palästinas ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im Jahre 1904 wurde die „O eibaumspende" als besonderer Zweig des Nationalfonds ins Leben gerufen und die Höhe der Spende für die Pflanzung eines Baumes mit 6 M. festgesetzt. Die Gründe, warum dem Oelbaum der Vorzug vor allen anderen Baumarten gegeben worden war, ist wiederholt in Abhandlungen, Flugschriften usw. a/srinandergesetzt worden. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß dieser Baum keiner Bewässerung bedarf, daß seine Pflege eine einfache ist, und daß er auf allen Bodenarten, sogar auf nackten Felsbergen gedeihen kann. Seine Lebensdauer übertrifft die aller anderen Bäume, denn er erreicht ein Alter von drei- und vierhundert Jahren. Nach dem fünfzehnten Lebensjahre erlangt er die volle Ertragsfähigkeit, die von der Palästina-Kommission seinerzeit auf 2,40 M. (3,— Frcs.) jährlich geschätzt wurde. Diese Schätzung ist durchaus nicht zu hoch gegriffen. So berichtet z. B. Friedrich v. Vinccnz aus Smyrna kürzlich in der „Frankfurter Zeitung“ über die Olivenwälder auf der nunmehr griechisch gewordenen Insel Mytilene: In guten *) Siehe „Welt“ Nr. 7, 8, 9 und 10. Jahren kann die Ernte aus Oliven auf nicht weniger als 25 Millionen Mark veranschlagt werden. Dabei ist Mytilene eine Insel von nur 1340 Quadratkilometern mit einer Einwohnerzahl von 130000 Köpfen, und die Oelbaumkultur bildet nur einen Teil, wenn auch den bedeutendsten der Pflanzungen. Der Durchschnitt des Ertrages eines Oelbaumes auf Mytilene ergibt 18 M. pro Jahr! Der Berichterstatter betont, daß der Bauer auf Mytilene seine Oelbäume nach veralteten Methoden pflegt, sodaß hierdurch dem Lande noch Millionen werte verloren gehen. An Stelle des auf der Insel vorherrschenden altberühmten lesbischen Weines ist nunmehr der anspruchslose Oelbaum getreten, „der absolut wettersicher ist, dem Spätfröste und die böse Phyloxera nichts anhaben können und der einen sicheren Ertrag abwirft“. — Der Oelbaum hat auch die Entstehung einer Seifenindustrie ermöglicht, die 5 Millionen Kilogramm Seife pro Jahr produziert. Wenn die Palästinakommission mit Bezug auf die Schätzung der Oelbaumerträge demnach eher zu niedrig als zu hoch gegriffen hat, so sind in den letzten Jahren anderseits Zweifel darüber entstanden, ob die Kosten eines Oelbaumes mit 6 M. bis zur Ertragfähigkeit nicht zu gering veranschlagt wurden. Da die volle Ertragfähigkeit erst nach 15 Jahren eintritt, entstand der Eindruck, daß die bloße Anpflanzung von Oelbäumen ohne Zwischen- und andere Kulturen in den ersten Jahren zu kostspielig sei. Ein endgültiges Urteil über die Höhe der Kosten eines Baumes läßt sich deshalb noch nicht feststeilen, weil die Gutachten der Fachleute über die Pflanzungsmethoden sehr weit auseinandergehen. Die Verwaltung des Nationalfonds ist jedenfalls in den letzten Jahren zur Erkenntnis gelangt, daß es aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht zweckmäßig erscheint, sich auf den Oelbaum allein zu beschränken, sondern möglichst viele Baumarten auf den Ländereien des Nationalfonds anzupflanzen. Vor allem gibt es eine Anzahl von Fruchtbäumen, die ähnlich dem Oelbaum keiner Bewässerung bedürfen und auch auf minder gutem Boden gedeihen. Zu diesen gehören der Feigen-, Granatapfel-, Johannisbrot-, der Mandelbaum usw. Manche dieser Baumgattungen haben auch den Vorzug, daß sie früher ertragfähig werden. Bei der Jahreskonferenz 1912 wurde denn auch die Konsequenz gezogen und die Oelbaumspende zu einer allgemeinen Baumspende erweitert. Dies ermöglicht der Nationalfondsverwaltung, die Spendenhöhe von 6 M. für einen Baum aufrecht zu erhalten, ohne die Oelbaumpflanzungen allzusehr einzuschränken. Es gibt eine ganze Reihe von Baumarten, die nicht einmal die Hälfte dieser Summe erfordern, sodaß der Durchschnitt der Pflanzungskosten für einen Baum jeder Sorte keineswegs 6 M. zu übersteigen braucht. Zu diesen billigen, aber nicht minder wertvollen Baumarten gehört in erster Linie der Eukalyptus, den bekanntlich die Juden zum erstenmal aus Australien in Palästina einführten und heimisch machten, weshalb er von den Arabern der „Judenbaum“ genannt wird. Sein Hauptvorteil besteht darin, daß er viel Feuchtigkeit in sich aufnimmt und dadurch vorzüglich zur Austrocknung von Sümpfen und Mooren geeignet ist. Die Sanierung der Kolonie Chedera. durch deren Sümpfe viele Juden von der Malaria hinweggerafft wurden, wurde allmählich durch die Anpflanzung eines von Baron Rothschild angepflanzten Eukalyptenwaldes eingeleitet. Der Eukalyptus sowie alle anderen Nutzhölzer dienen aber nicht nur dazu, Sümpfe trocken zu legen und den Wander-

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