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Die Welt · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · p. 286

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Journal
Die Welt
Volume
18 (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Article
Das neue hebräische Schulwerk in Palästina
Date
1914-03-20
Page
286 (sequence 3)
Language
German
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286 DIE2EEELT Nr. 12 die hebräische Mädchenschule besuchen. Dem Mädchenheim stehen zwei Erzieherinnen vor, die für die leiblichen und geistigen Bedürfnisse der Zöglinge Sorge 5. Hebräische Knabenschule. Diese Anstalt umfaßt in 6 Klassen mehr al£ 100 Schüler. Nach dem Peßach-Feste sollen zwei weitere Klassen eröffnet werden. Die Schule ist dem hebräischen Lehrerseminar angeschlossen und wird von dem bekannten Pädagogen und Schriftsteller Ch. L. Suta geleitet. 6. Hebräisches Lehrerseminar. Das Seminar umfaßt in 5 Klassen 70 Schüler. *In einigen Wochen werden die Abgangsprüfungen für die Schüler der obersten Klasse stattfinden, die zum größten Teil bereits Stellungen als Volksschullehrer gefunden haben. Das Lehrerseminar ist berufen, Lehrkräfte mit jüdischer und allgemeiner Bildung für alle hebräischen Schulen in den Städten und Kolonien Palästinas, sowie in den anderen Städten des Orients heranzubilden. Die Leitung des hebräischen Lehrerseminars ruht in den Händen des Herrn David J e 1 li n. Im Anschluß an das Lehrerseminar sind auch Handelsschulkurse in mehreren Klassen eingerichtet. Das hebräische Lehrerseminar ist die wichtigste unter den neuen hebräischen. Erziehungsanstalten Jerusalems und wird zweifellos für die nationale Erziehung der Jerusalemer Jugend von hervorragender Bedeutung Jerusalemer Chronik (Von unser em Berichterstatter) Verschiedene Vorfälle der letzten Zeit haben wieder die Frage de r Organisierung der Jerusalemer jüdischen Gemeinde in Fluß gebracht. Die Organisierung der Gemeinden in den Städten bildet die Voraussetzung für die angestrebte Gesamtorganisation der palästinensischen Judenheit. Gelänge es nämlich, sämtliche jüdischen städtischen Gemeinden in Palästina, zu organisieren, so wäre leicht eine Körperschaft zu schaffen, die sich aus Vertretern dieser Gemeinden und der ländlichen Kolonien zusammensetzen und früher oder später auch von der Regierung anerkannt werden würde, der es nur angenehm sein könnte, in jüdischen Angelegenheiten mit einer die gesamte palästinensische Judenheit vertretenden Körperschaft zu verhandeln. Die jüdische Gemeinde in Jaffa hat sich bereits in musterhafter Weise organisiert und erstarkt von Jahr zu Jahr. In Judäa kommen für eine Gemeindeorganisation nur noch Jerusalem und Hebron in Betracht, denn die Anzahl der jüdischen Bewohner von Ramleh und Gaza ist zu gering. In Hebron bietet die Organisationsfrage wohl kaum Schwierigkeiten. Bloß in Jerusalem ist infolge der Buntscheckigkeit der Bevölkerung und der Eigenartigkeit ihrer „Erwerbsquellen“ die Organisationsfrage ein verwickeltes Problem, das vielen geradezu unlösbar erscheint. Und doch wird man früher oder später auch hierfür eine Lösung finden müssen. Gelingt es in nächster Zukunft, in der Nähe der Stadt landwirtschaftliche Ansiedlungen zu schaffen, das jüdische Schulwesen vom Kindergarten bis zur Hochschule auszugestalten, die kunstgewerblichen und die allerdings spärlichen industriellen Möglichkeiten auszunützen, so wird Jerusalem bald einer Erneuerung entgegengehen, die dem ganzen jüdischen Volke zur Ehre gereichen wird. Vorläufig haben wir von all dem nur unscheinbare Ansätze. Die Odessaer Palästinagesellschaft hat in der Nähe Jerusalems Boden für eine Arbeitersiedlung erworben. Die neuen hebräischen Schulen entwickeln sich befriedigend. Auch das vor fünf Jahren gegründete Hebräische Gymnasium macht gute Fortschritte. Im letzten Jahre hat sich die Schülerzahl verdoppelt. In diesem Jahre empfing diese Anstalt eine ansehnliche Subvention aus Südafrika. Sie hat jetzt in ihren 16 Lehrkräften ein Lehrerkollegium, das sich durch gediegene Fachbildung und treue Hingabe an die idealen Aufgaben der Anstalt auszeichnet. Aus Konstantinopel kommt die Nachricht, daß die neuen hebräischen Schulen von der Regierung anerkannt werden Prof. Schatz berichtet über große Erfolge des „Bezalel“ in Amerika und über neue Pläne, die Ateliers des „Bezalel“ auszugestalten. Aus Saloniki kommen fünf sephardische Jünglinge, um das neue hebräische Lehrerseminar zu besuchen. Die Regierung in Konstantinopel hat sechs aschkenasische Jeschiboth als religiöse Hochschulen anerkannt, deren Zöglinge nicht zum Militärdienst herangezogen werden dürfen. Generalversammlung von Tel-Awiw Die Bewohner des jüdischen Stadtviertels T e l-A\viw bei Jaffa hielten vor kurzem ihre fünfte Generalversammlung ab. Die rasche Entwicklung dieser prächtigen städtischen Siedlung kam in dem Etat zum Ausdruck, den der Vorstand der Generalversammlung vorlegte. Das Budget von Tel-Awiw im Jahre 1911 6 000 Eres. „ „ 1912.12 ISO „ „ „ 1913 18 000 „ Voranschlag für das Jahr 1914 30 500 ,, Die Einnahmen im Jahre 1914 setzen sich nach dem Etat folgendermaßen zusammen: Abgaben der Hausbesitzer 18 700, für Wasserversorgung der Nachbarn und der neuen Bauten 4800, Mietzins der öffentlichen Gebäude 3300, Beitrittsgelder neuer Mitglieder 1500, für Ueberwachung der Gebäude 1000, von dem Omnibus 1000 Frcs. Unter den Ausgaben steht die Wasserversorgung an erster Stelle mit dem Betrag von 7140 Frcs. Dann kommen Beiträge für allgemeine Zwecke (Schulfonds, Hospital, Rabbiner, Lesehalle, Pasteurinstitut) in der Höhe von 5500 Frcs. Für Bewachung sind 4600, für Straßenreinigung 3400, für Verwaltung 3000, für den Architekten (zur Prüfung der Baupläne usw.) 2500, für sanitäre Fürsorge 1200, für Beleuchtung 1180, für Instandhaltung der Straßen, Pflege der Bäume usw. 980 und für. diverse Ausgaben 1000 Frcs. angesetzt. Außerdem wurden , für die Erfordernisse der Tel-Awiw" jetzt angegliederten Kolonie „Chewrah Chadaschah“ 5280 Frcs. ausgeworfen. Im' ganzen wurde das Areal von Tel-Awiw im abgelaufenen Jahre durch die Eingemeindung von Chewrah Chadaschah („Neue Gesellschaft“), sowie durch neue Terrainerwerbungen um 386 000 Pik (Ellen) Bauland erweitert. Im letzten Jahre . sind 20 neue Häuser, darunter acht mit einem Obergeschoß, erbaut worden. Außerdem wurde über dem Erdgeschoß von vier früheren Häusern ein Oberstock aufgeführt. Trotzdem besteht in Tel-Awiw ein großer Wohnungsmangel, was zu hohen Mietpreisen führt. Darüber wurde in der letzten Generalversammlung wieder lebhaft geklagt. Die Forderung der Mieter, daß der Umzugstermin auf den Sommer verlegt werde, wurde einer Kommission überwiesen, die demnächst darüber beschließen soll. - Sehr eingehend wurde die Frage der Erbauung einer Synagoge besprochen. Bis jetzt versammelten sich die Beter in Tel-Awiw in gemieteten Räumen sowie in einem provisorischen Holzbau. An den hohen Feiertagen wurde auch die Aula des Hebräischen Gymnasiums als Synagoge eingerichtet. Nach den neuen Erwerbungen von Bauland, da man die Lage des „größeren Tel-Awiw“ schon übersehen kann, ist die Frage einer ständigen Synagoge wieder aktuell geworden. Nach dem Plan, der der Generalversammlung vorgelegt wurde, soll die zu erbauende Synagoge 1000 Plätze für Männer, 300 für Frauen und außerdem Nebenräume sowie Amtszimmer für den Rabbiner, Vorsteher und Synagogendiener, endlich ein Synagogenarchiv enthalten. ' Es wurde noch über die Errichtung einer Anzahl weiterer öffentlicher Gebäude verhandelt. Besonders soll nächstens der Bau einer Knabenschule mit Kindergarten in Angriff genommen werden. Die Versammlung erteilte dem früheren Vorstand Decharge und wählte folgende Herren in den neuen Vorstand: Disengoff, Dr. Chissin, Gutmann (Sch. Ben-Zion), Berlin, Chanoch, Glückmann, L e w, Ismosik, Jaffe und Schiusch.

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